02. Forschungsstand

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Die Historiker für Osteuropäische Geschichte Norbert Angermann (ehemals Universität Hamburg) und Karsten Brüggemann (Universität Tallin) zeigen in ihrem 2018 veröffentlichten Buch „Geschichte der baltischen Länder“ die historische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung Litauens als Teil der baltischen Region seit dem Mittelalter (um 1200) auf.[1]

Dalė Puodžiukienė (Technischen Universität Kaunas) ist Spezialistin für Herrschaftliche Holzarchitektur in Litauen (Wooden Manor Architecture). In ihrem 2008 erschienenen Aufsatz über Biržuvėnai gibt sie zwei historische Karten des Gutes (von 1824[2] (Abb. 3) und 1861[3](Abb. 4)), einen Lageplan[4] von 2001 (Abb. 5) sowie den Gartenentwurfsplan des Architekten A. Zaleskis von 1907[5] wieder. 2023 übergab sie Mitarbeiter:innen des Herrenhauszentrums des Ostseeraums (Universität Greifswald) ihren 2017 veröffentlichten Aufsatz „Lithuanian Manors’ Wooden Architecture: Birzuvenai Case“[6] und in ihrem Besitz aufbewahrte historische Fotos (in Kopien) des Gutes Biržuvėnai wie den genordeten Kartenausschnitt von 1824[7] oder den Plan der Fläche Biržuvėnais zur Zeit des Landreform in Litauen 1928[8] (Abb. 8). Mehrere Lagepläne mit Rekonstruktionen der historischen Nutzungsbereiche Biržuvėnais[9] sowie der Grundriss des Herrenhauses mit Darstellung unterschiedlicher Bauzeiten[10] (Abb. 12) zeugen von Jahrzehnte langer Forschungsarbeit unter ihrer Leitung. Eine Internetseite sowie ein Film auf YouTube zeigen historische und heutige Bilder des Herrenhauses und ehemaligen Gutes und lassen Puodžiukienė in Wort und Schrift über ihre Arbeit und Forschungsergebnisse sprechen.[11]

Die deutsche Bauhistorikerin Sabine Bock sieht im Abschnitt „Herrschaftliche Fachwerkhäuser“[12] weiteren Forschungsbedarf auf diesem bislang wenig (im internationalen Vergleich) beforschten Feld in Dänemark und Deutschland.

Die Estin Elis Pärn unterstreicht den weiteren Forschungsbedarf, den sie auf dem Feld der Wooden Manor Houses in Estland und dem Baltikum ausmacht.[13] Viele Herrenhäuser im Baltikum waren mindestens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Holz gebaut.[14]

Ein Forschungsdesiderat stellen Person und Werk des Architekten A. Zaleskis dar. Dieser entwarf den bei Puodžiukienė gezeigten Gartenplan für das Herrenhauses Biržuvėnai von 1907[15] (Abb. 6). A. Zaleski war um 1901 Städtischer Obergärtner in Warschau und Mitglied im VdG (Verein deutscher Gartenkünstler)[16]. Sein für Biržuvėnai im traditionellen Stil der Lenné-Meyerschen Schule in Preußen während des 19. Jahrhunderts gezeichneter Plan wirft ein erstes Licht auf seine Arbeit im Russischen Kaiserreich und in der Zweiten Polnischen Republik (ab 1918). In den „Grünen Biographien“, dem „Biographischen Handbuch zur Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland“, können ihm die Gartenhistoriker Gert Gröning (ehemals Universität der Künste Berlin) und Joachim Wolschke-Bulmahn (ehemals Universität Hannover) nur einen äußerst knappen Eintrag widmen.[17]

  1. Angermann, Norbert, Brüggemann, Karsten: Geschichte der baltischen Länder, Stuttgart 2018.
  2. Siehe: Puodžiukienė, Dalė: Biržuvėnų dvaro sodybos architektūros raida XVII-XX a. Pradžioje, Acta Academiae Artium Vilnensis, 47/48, Lietuvos dvarai: kultūros ir šaltinių tyrinėjimai, 2008, S. 17-43, Abb. 5, S. 21.
  3. Siehe: Puodžiukienė 2008, Abb. 15, S. 26.
  4. Siehe: Puodžiukienė 2008, Abb. 40, S. 38.
  5. Siehe: Puodžiukienė 2008, Abb. 24, S. 32.
  6. Puodžiukienė, Dalė: Lithuanian Manors’ Wooden Architecture: Birzuvenai Case, summary in: Dale Puodziukiene, Drewniana architektūra dworska na Litwie po 1990 r.: rewitalizacja dworu w Birżynianach, in: Stan badań nad wielokulturowym dziedzictwem dawnej Rzeczypospolitej, Instytut Badań nad Dziedzictwem Kulturowym Europy , t.7, red. Wojciech Walczak, Karol Łopatecki, Białystok 2017, p. 373-400.
  7. Kartenausschnitt des Gutes Biržuvėnai, 1824, genordet, Quelle: Dalė Puodžiukienė.
  8. Die Fläche des ehemaligen Gutes Biržuvėnai zur Zeit des Landreform in Litauen 1928, Quelle: Dalė Puodžiukienė.
  9. Lageplan des ehemaligen Gutes Biržuvėnai, Quelle: FARE-2000- Scheme No2 - LAYOUT OF FUNCTIONAL ZONES OF BIRZUVENAI ESTATE, übergeben von Dalė Puodžiukienė. Lageplan des ehemaligen Gutes Biržuvėnai, Quelle: Specialusis planas - SODYBOS RAIDOS BRE╠çZ╠îINYS BR_Nr_03, übergeben von Dalė Puodžiukienė.
  10. Grundriss des Herrenhauses Biržuvėnai mit Darstellung unterschiedlicher Bauzeiten, Quelle: Manor House Stylistic Cartogram 11-03-041-Model, Quelle: Dalė Puodžiukienė.
  11. https://www.bernardinai.lt/birzuvenu-dvaro-sodyba-viena-graziausiu-ir-unikaliausiu-zemaitijoje/ (25.11.2025).
  12. Bock, Sabine: „Herrschaftliche Fachwerkhäuser“ in: Herrenhäuser-Manor Houses. Entwicklung eines Bautyps im Ostseeraum, 2: Die Anfänge, 1, Development of a Building Type around the Baltic Sea, 2: The Beginning, 1, fotografisch dokumentiert von Thomas Helms, ins Englische übertragen von Sabine Bock und Angelika Halama, Schwerin 2023, S. 147-157.
  13. Pärn, Elis: Wooden Manor Houses in Estonia 1700-1850: from Archaic Traditions to Modern Ideas, Baltic journal of art history, Band 24, 2022, S. 47-80.
  14. Vgl. Pärn 2022, S. 50.
  15. Siehe: Puodžiukienė 2008, Abb. 24, S. 32.
  16. Grüne Biographien, Gert Gröning, Joachim Wolschke-Bulmahn, Biographisches Handbuch zur Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Berlin, Hannover 1997, v.s. Zaleski, A., Nr. 2707 S. 429.
  17. Vgl. ebd.
Abb. 3 Kartenausschnitt des Gutes Biržuvėnai, 1824, in: Puodžiukienė 2008, Abb. 5, S. 21.
Abb. 4 Karte des Gutes Biržuvėnai, 1861, in: Puodžiukienė 2008, Abb. 15, S. 26.
Abb. 5 Lageplan des ehemaligen Gutes Biržuvėnai, in: Puodžiukienė 2008, Abb. 40, S. 38.
Abb. 5 Lageplan des ehemaligen Gutes Biržuvėnai, Legende, in: Puodžiukienė 2008, Abb. 40, S. 38.
Abb. 8 Die Fläche des ehemaligen Gutes Biržuvėnai zur Zeit des Landreform in Litauen 1928, Quelle: Dalė Puodžiukienė.