04. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert

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Mykolas Jonas Gorsky (polnisch: Michał Jan Gorski, 1717–1776) entstammt einer polnischen Adelsfamilie. Er ist seit 1738 mit Teresė Nagurkaitė (polnisch: Teresa Nagurska, um 1710–um 1753) verheiratet. Aus dieser Ehe gehen sechs Kinder hervor. Nach dem Tod Teresės heiratet Mykolas 1753 Marijona Regina Vainaite (polnisch: Marianna Regina Wojna, um 1720–1767) und hat mit ihr fünf weitere Kinder. Eine dritte Ehe geht er 1770 mit Rachel Maria Petkevičiūtė (polnisch: Rachela Maria Pietkiewicz, geboren um 1730) ein. Als Mykolas Jonas Gorsky 1776 stirbt wird er in der Kirche zu Salantai (nordwestlich von Biržuvėnai gelegen) neben seiner zweiten Frau Marijona Regina Vainaite-Gorskienė begraben.[1] Die Holzkirche in dem Städten Salantai wurde 1724 über einem gemauerten Keller errichtet und war prächtig ausgestattet. Sie wurde 1906 abgerissen.[2]

Mykolas Jonas Gorsky war u.a. 1736 Starost von (dem Besitz) Derkinčiai, 1743 Burgrichter der Region Schemaitien/Samogiten, 1745 Verwalter von Viekšniai und 1747 Verwalter von Tendžiogala, 1758 Starost von Užventis und 1766 Kastellan von Schemaitien/Samogiten.[3] Starost war in Polen-Litauen ein Titel für den mittleren Adel (vgl. Freiherr) und ein Amt (vgl. Landrat). Es gab Burg-Staroste sowie Land-Staroste und Erstgenannter war Vertreter des Königs mit richterlichen Aufgaben. Der Sitz eines Starost – eine Starostei – war ein Krongut.[4] 1772, im Jahr der ersten Teilung Polen-Litauens, wurde Mykolas Jonas Gorsky mit dem Orden des Heiligen Stanislaus der polnisch-litauischen Rzeczpospolita ausgezeichnet und anschließend mit dem russischen Orden der Heiligen Anna erster Klasse.[5] Beide Orden wurden nur an wenige Träger vergeben.[6]

Gorsky betätigte sich als Mäzen der Katholischen Kirche und stiftete den Altar der Heiligen Gottesmutter in der Heilig-Geist-Kirche Wilna/Vilnius. 1773 spendete er für den Erwerb des Gemäldes des Heiligen Antonius für den Hochaltar der Bernardinerkirche in der Kleinstadt Telšiai. Rachelė Marija Petkevičiūtė-Gorskienė, seine dritte Ehefrau, ließ 1788 eine neue (heute nicht mehr existente) Holzkirche[7] in der Ortschaft Čedasai bauen, stiftete den Hochaltar und schenkte Messgewänder, Kelche und eine Monstranz.[8]

Starost Gorsky verfügte über finanzielle Mittel aus seinem Erbe sowie durch Mitgiften seiner Ehefrauen und konnte so (auch aus familiären Händen) im Kreis Telšiai die Güter Beržėnai, Biržuvėnai, Šarkiai, Ketūnai und Salantai kaufen, im Kreis Trakai die Güter Scipjoniškės und Lelionys sowie im Kreis Gardinas (Grodno) die Güter Lebiodai und Olževas.[9] Mit insgesamt neun Gütern in seinem Besitz kann er als vermögender Mann bezeichnet werden.

Es ist bemerkenswert, dass die Familie Gorsky/Gorski bis zur Okkupation der Republik Litauen (bestehend seit 1918) durch die Sowjetunion 1940 und trotz der Landreform 1928 (Abb. 8) Eigentümer eines auf die Größe von 130 ha reduzierten Landbesitzes blieb. Der letzten Besitzerin, der Litauerin Ona Gorskienė, gelang 1940 die Flucht nach Westeuropa.[10]