08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Quellen- und Literaturverzeichnis
Übersicht zum Grundriss in den verschiedenen Bauphasen des 18. JahrhundertsNeubau um 1708Das Hauptgebäude in Fossesholm wurde um 1708 neu errichtet und ersetzte einen Vorgängerbau an derselben Stelle, von dem nur der Keller erhalten ist. Beschreibungen der Innenräume liegen zuerst aus den Jahren 1733 (Auktion zum Nachlass von Mette Elliger)[1] und 1741[2] vor. Im Erdgeschoss lag am nördlichen Ende auf ganzer Breite des Gebäudes ein repräsentativer Raum (storstuen), gefolgt von einer Küche, die in den 1760er Jahren in eine Diele und die storstuekammer unterteilt wurde. Daneben befand sich eine Treppe ins Obergeschoss. Anschließend lagen zum Hof ein Wohnraum (dagligstuen) und zum Fluss ein Schlafzimmer (sengekammer) – beide Räume wurden in den 1760er Jahren zu einem großen Wohnraum zusammengelegt. Es folgten zur Flussseite die fateburet, in zwei Kinderzimmer unterteilt, während der hofseitige Raum mit Küchenkamin das Mädchenzimmer (pikekammer) aufnahm. Alle Räume im Erdgeschoss besaßen Eisenöfen. Die storstuen war mit der aufwendigsten Möblierung ausgestattet: Hier standen ein niederländischer Eichenschrank, zwölf Lederstühle, eine Truhe und zwei guéridons. In der dagligstuen befanden sich acht Lederstühle, ein Sessel, ein Tisch, ein Schrank und ein großer Spiegel sowie eine teure englische Uhr mit Schlagwerk.[3] Im Obergeschoss lag über der storstuen ein Saal mit großen Fenstern, der jedoch 1733 unmöbliert war. Es folgten die Treppe und ein Gästezimmer sowie anschließend ein großer Saal, der zur Möbelaufbewahrung genutzt wurde. Die letzten beiden Räume am südlichen Ende des Gebäudes werden 1733 nicht erwähnt, sind aber 1741 mit Öfen und elegantem Mobiliar beschrieben. Einer der beiden wird mit principalens sengekammer bezeichnet. Auch einige Gemälde, darunter Porträts und holländische Genremotive, waren Teil der Raumausstattungen in Fossesholm.[4] Erweiterung unter Jørgen von CappelenAls unter Jørgen von Cappelen zu Beginn der 1760er Jahre die Erweiterung des Gebäudes begann, waren die Innenräume in schlechtem Zustand und bedurften umfassender Erneuerungen. Zudem legte die Vergrößerung des Hauses um nahezu das Doppelte eine Neugestaltung der gesamten Raumdispositionen nahe. Am 11. Oktober 1764 wurde das neue Haus besichtigt und beschrieben.[5] Fossesholm Innenräume 3D Modell bei Sketchfab.com © Immo Trinks Dass Jørgen von Cappelen einen explizit adeligen Anspruch in Fossesholm verfolgte, lässt sich an dem nun umgesetzten Grundriss (Abb. 69) ablesen: Entschieden wurde für eine Enfilade auf ganzer Länge des Hauses auf der Flussseite (Abb. 70, 71), an die zur Hofseite kleinere, funktionale Räume anschließen. Aufgenommen wurden folglich wesentliche Elemente des europäischen Schlossbaus, wie sie sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch in Skandinavien etablierten. Das Abbilden von räumlichen Hierarchien mittels Lage, Funktion und Ausstattung sowie eine damit verbundene soziale Handlungsanweisung lassen sich auch in Fossesholm beobachten. Dennoch scheint die hier stattfindende Rauminszenierung nur bedingt einem zeremoniellen Kontext verpflichtet gewesen zu sein. Darauf verweist schon der unprätentiöse Eingangsbereich (Abb. 72, 73), der durch eine Teilung der einstigen Küche geschaffen wurde: Es entstand so zur Flussseite die sogenannte storstuekammer und zur Hofseite ein Eingangsbereich, der durch eine Flügeltür vom Hof betreten wird. Hier führen hinter einer Trennwand eine als „italienisch“ bezeichnete Treppe („Italiensk trappe“[6]) in das Obergeschoss und zwei unscheinbare Türen in die beiden größten Wohn- und Repräsentationsräume (storstuen und dagligstuen) sowie eine weitere in die anschließende Kammer. Insbesondere durch die eingezogene Trennwand zur Treppe entstand eine enge Raumsituation, die keinerlei repräsentative Wirkung entfaltet und damit in einem durchaus überraschenden Gegensatz zu den angrenzenden Räumen steht. Die storstuen (Abb. 74) bildet den Endpunkt der Enfilade und erhielt eine höhere Decke – dies auf Kosten des darüber liegenden Saals, dessen Decke nun überaus niedrig war, was zweifelsohne auch seine Nutzung veränderte. In der dagligstuen (Abb. 75) wurde die Wand (zur ehemaligen sengekammer) herausgenommen und so ein zweiter großer Wohnraum geschaffen. Beide Räume konnten sowohl durch den Eingangsraum als auch über die storstuekammer (Abb. 76) – eventuell als Warteraum genutzt – betreten werden; ihre repräsentative Ausrichtung wurde durch aufwendige Ausstattungen unterstrichen (s.u.). Die an die dagligstuen anschließende hofseitige pikenes Kammer („Mädchenzimmer“) ist mit Herd und Eisenhofen ausgestattet und über vier Türen mit den umliegenden Räumen sowie über eine Treppe mit dem Obergeschoss verbunden. Eine weitere Treppe führt hinunter in den Kellerraum, in dem sich Spuren der fruerstue aus dem 16. Jahrhundert erhalten haben. Zur Flussseite liegt auf derselben Höhe die fatebur (heute: sengekammer), die ebenfalls einen neuen Eisenofen und eine neue Wandgestaltung erhielt (Abb. 78).[7]
Ein kleiner Zwischenraum markiert den Übergang zum neuen Teil des Hauses. Dahinter liegt eine weitere Treppe ins Obergeschoss. Zum Fluss befinden sich zwei kleinere Räume (Abb. 77, 78), die als Wohn- und Schlafräume ohne größere repräsentative Dimension gelten können. Den Endpunkt der Enfilade bildete die über die ganze Breite des Hauses gehende havestuen mit zwei großen Fenstern zum Garten (Abb. 79). Es ist durchaus überraschend, dass aus diesem Raum kein direkter Zugang zum Garten geschaffen wurde. Alle Räume zur Flussseite waren zugleich Teil der Enfilade und hatten eine Repräsentations- oder Wohnfunktion, was sich auch in den hier angebrachten, relativ aufwändigen Tapeten spiegelt. Zur Hofseite lagen im neuen Teil des Hauses eine Küche (Abb. 81) und ein weiterer kleiner funktionaler Raum, die pikenes kammer („Mädchenzimmer“). Zudem gab es zwei kleine Kellerräume. Insgesamt 13 Fenster wurden gezählt, wobei die fünf hofseitigen Fenster Bleiglasscheiben erhielten um mit dem Altbau zu harmonieren.[8] Der neue Anspruch Cappelens verdeutlicht sich im Neubau auch in den Deckenhöhen: Da man die Deckenhöhen im Altbau offenbar als zu gering erachtete, wurde der Fußboden im Neubau leicht abgesenkt – noch heute über eine Stufe erkennbar – und die Decken angehoben, um im Erdgeschoss höhere Räume zu schaffen.[9] Mit der Versteigerung des Nachlasses von Jørgen von Cappelen liegt aus dem Jahr 1785 ein aufschlussreiches Inventar vor[10], in dem sich im Verhältnis zu 1764 einige Verschiebungen in den Raumbezeichnungen zeigen.[11] Im Erdgeschoss befanden sich die repräsentativen Räume in der älteren Hälfte des Hauses, während im Neubau hauptsächlich Räume für die alltägliche Nutzung lagen.[12] Insgesamt zeigt sich in der Raumaufteilung ein enges Nebeneinander von Repräsentation und Funktionalität, worin sich eine in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufkommende informellere Interaktion und ein erhöhter Wohnkomfort spiegeln.[13] Im Obergeschoss wurden die Räume über einen Korridor erschlossen, der über dem svalgang liegt und eine Reihe von Fenstern zur Hofseite besitzt (Abb. 57). Er war mit bemalten Vertäfelungen und Marmorierungen gestaltet.[14] Während eine Treppe am Schnittpunkt zwischen Alt- und Neubau zu diesem Korridor führt, gelangt man an seinem anderen Ende neben der sogenannten „italienischen“ Treppe zu der weiterhin als Gäste- und Schlafzimmer fungierenden skriverens kammer. Dahinter liegt der Saal über der storstuen, der aufgrund der Anhebung des unteren Raumes nun eine überaus niedrige Raumhöhe aufwies und daher vermutlich nicht mehr für Wohnzwecke genutzt wurde. Auf die skriverens kammer folgt der gamle salen, dessen Wände mit bemalten Leinwänden ausgestattet waren. Im Jahr 1785 gab es hier vier Betten, außerdem einen Spiegel mit Spiegeltisch, sechs Stühle und zwei Sessel. An den Wänden hingen 13 Gemälde, hauptsächlich Porträts.[15] Zwei Räume am Endpunkt des alten Hauses im ersten Obergeschoss – die ehemaligen Eckzimmer, in denen barne kammeret und hiørne kammeret untergebracht waren – sind 1785 mit lappe- und gulkammeret bezeichnet. Beide Räume hatten in den 1760er Jahren unter anderem eine voksdukstapet (Wachstuchtapete) erhalten; 1785 weisen sie eine aufwendige und dichte Möblierung auf, u.a. mit verschiedenen Stuhltypen, Spiegeln und kostbaren Textilien.[16] Von hier gab es im Obergeschoss keinen direkten Durchgang zum neuen Teil des Hauses, sondern es musste der Weg zurück durch den Korridor genommen werden. Im Obergeschoss des Neubaus, erreichbar nur durch kleine Treppen, waren im Jahr 1785 vier ähnlich große Räume unmöbliert. Am Endpunkt des Gebäudes lag eine große klederkammeret mit Blick auf den Garten, die vermutlich als Garderobe diente und durch eine unscheinbare Tür mit dem anschließenden Seitenflügel und dem dort liegenden Sudhaus verbunden war. [17] |
Datei:75. Fossesolm, storstuen im Erdgeschoss.webp Abb. 74 Fossesholm, storstuen im Erdgeschoss |
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Raumausstattungen ab den 1760er JahrenIm Erdgeschoss von Fossesholm erhielten insbesondere storstuen und dagligstuen mit wandfüllenden, bemalten Leinwandtapeten eine herausgehobene Ausstattung. Beide Räume konnten von der Diele betreten werden und waren durch ihre Größe – sie nahmen die gesamte Breite des Hauses ein – und die Anzahl der Fenster hervorgehoben. Sind zwar die Bemalungen der Leinwandtapeten von unterschiedlicher Hand, zeigen sich dennoch in Motivik und Farbgebung zahlreiche Parallelen. Im Erdgeschoss wurden auch die restlichen Räume der Enfilade mit Tapeten ausgestattet, von denen sich einige in Fragmenten erhalten haben (Abb. 82–84). Auch im Obergeschoss waren mehrere Räume mit Tapeten ausgestattet. Heute verfügt Fossesholm über die landesweit umfangreichste Sammlung von bedruckten und handbemalten Leinwandtapeten, meist unter mehreren Schichten neuerer Tapeten verborgen.[18] Die erhaltenen Nachlassinventare und Auktionsprotokolle geben detailliert Aufschluss über die mobilen Objekte in Fossesholm zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Nach der Vergrößerung und Neugestaltung des Herrenhauses in den 1760er Jahren sind diesbezüglich vor allem die Inventare nach dem Tod von J. von Cappelen 1785 von Interesse.[19] Auch die im Haus vorhandenen Textilien erfuhren eine detaillierte Auflistung: In zwei großen Schränken wurden neben großen Mengen an Bett- und Tischwäsche auch Gardinen aufbewahrt, die üblicherweise nur anlassbezogen aufgehängt wurden. Unter Cappelen sind im Erdgeschoss Rollgardinen aus Nesseltuch dokumentiert – ein dünner und weiß-glänzender Stoff, der aus den Fasern der Brennnessel hergestellt wurde. Teuer und exklusiv, wurde dieser Stoff auch als „Seide des Nordens“ bezeichnet. Die hellen Stoffe in Fossesholm waren mit Streifen- oder Karomustern sowie mit Fransen und Quasten gestaltet. Im zweiten Obergeschoss wurde über einem Fenster ein originales Holzbrett mit einer Schnur entdeckt, an der die Gardinen befestigt wurden – sie konnten folglich nicht zur Seite gezogen werden. Es ist vorgesehen, die Gardinen wieder herzustellen.[20] storstuenErich Gustavs Tunmarcks Ausstattung in der storstuenDie storstuen, Endpunkt der Enfilade, war der repräsentativste Raum des Erdgeschosses. Mit einer überdurchschnittlichen Raumhöhe und sechs Fenstern, die den Blick auf die Umgebung ermöglichten und zugleich viel Tageslicht einließen, handelte es sich um einen Empfangsort, an dem soziales Prestige generiert und kommuniziert wurde. [21] Dazu trugen insbesondere die aufwendig bemalten Wanddekorationen von Erich Gustav Tunmarck bei, einem schwedischen Maler, der vor allem in den 1760er und 1770er Jahren in Südnorwegen aktiv war.[22] Tunmarck war in der Gegend um Drammen ein in Kreisen von wohlhabenden Kaufleuten und Beamten gefragter Maler und erhielt in den 1760er Jahren zahlreiche Aufträge, auch für Innenausstattungen. [23] Tunmarcks Tätigkeiten für J. von Cappelen umfassten auch die Anfertigung zweier Porträts des Ehepaars Cappelen (Abb. 25, 46) , die einem typischen, von Tunmarck mehrfach verwendeten Porträtschema folgen.[24] In der storstuen in Fossesholm schuf Tunmarck über einem hohen Sockel mit imitiertem Marmor in Blau- und Rosttönen illusionistische Landschaften mit darin eingebetteten idealisierten Alltagsszenen (Abb. 85–87)[25], vielfach mit direktem Bezug zu Fossesholm. Auf ganzer Höhe des Raumes erscheinen in einer grünen, hügeligen Landschaft mit großen Bäumen[26] Darstellungen von einfachen Wald- und Feldarbeiten neben solchen, die offenkundig dem Adel vorbehaltene Beschäftigungen und passend gekleidete Personen zeigen. Die sie umgebenden Landschaften sind in einem unmittelbaren Nebeneinander mit antikisierenden Ruinen und nördlich anmutenden Burgenarchitekturen gestaltet; weitere dekorative Details und Tiermotive verleihen ihnen einen arkadischen Charakter. Die Ausstattung steht in einer bis in die antike Villenarchitektur zurückreichenden Tradition landschaftlicher Szenerien und Motive im Innenraum, die einen fließenden Übergang zu Außenraum und Natur evozieren. In den figürlichen Szenen lassen sich eine Reihe wiederkehrender Themen ausmachen, ohne dass eine konkrete inhaltliche Zusammengehörigkeit oder Narration erkennbar wäre.[27] An der Längswand gegenüber den beiden Zugangstüren des Raumes – und damit für den Eintretenden zuerst sichtbar – findet sich die wichtigste Szene (Abb. 88, 89): Zwischen den beiden Fenstern ist ein Triumphbogen zu sehen, unter dem Jørgen von Cappelen als Reiter dargestellt ist. Die auf dem Triumphbogen gut sichtbare Zahl 1763 bezeichnet das Jahr der Ausführung der Malereien.[28] Der Reiter erscheint auf einem geschmückten Schimmel in regentenähnlicher Haltung; ein Mann zu seiner Linken zieht ehrfürchtig den Hut, während ein Hund zu seiner Rechten unterwürfig den Kopf duckt. Im Hintergrund, halb von einem geöffneten Holztor verdeckt, ist eine weitere Person zu Pferd zu sehen, wahrscheinlich Jørgens Bruder Gabriel von Cappelen. Der relativ schmucklose Triumphbogen ist mit einer Amor-Figur bekrönt und mit Urnen sowie flankierenden Säulen gestaltet. Als architektonische Form in Norwegen nicht verbreitet, ist Tunmarcks Inspiration eher in französischer Vorlagegraphik zu suchen, ohne dass ein konkretes Blatt benannt werden kann.[29] Vor dem Hintergrund einer expliziten Siegesarchitektur inszeniert sich der bürgerliche Cappelen als einflussreicher Mann mit hohem sozialem Status. Auch an der gegenüberliegenden Längswand findet sich mit einer Jagdszene ein Verweis auf eine explizit adelige Beschäftigung. Unter den abgebildeten Reitern ist offenbar erneut Jørgen von Cappelen, diesmal in Begleitung seiner Frau, in Szene gesetzt (Abb. 93, 94).[30] Die sozialen Ansprüche der Besitzenden werden den Betrachtenden unmissverständlich vor Augen geführt: Im Gegensatz zur ebenfalls dargestellten Feldarbeit erscheint die Jagd als ein traditionsreiches, den Eliten vorbehaltenes Freizeitvergnügen in der Natur [31] – adelige plaisirs, die in Fossesholm ihren festen Platz hatten und den Versuch der von Cappelens bezeugen, ihre bürgerliche Herkunft hinter sich zu lassen. Zahlreiche weitere Szenen stellen interagierende Paare in der Landschaft dar, die sich thematisch unter der prominent auf dem Triumphbogen platzierten Amorfigur gruppieren. Manche Paare sind von Schafen umgeben, tragen aber noble Kleidung und rufen eine pastorale Mode von Schäferszenen auf, die bis in die Porträtmode des 18. Jahrhunderts reichte (Abb. 90, 91).[32] Teils lassen sich dezente erotische Anspielungen vermuten, so im Falle eines auf einer Leiter stehenden Mannes, der einer Frau ein Vogelnest zeigt (Abb. 92), oder in einer Szene, in der ein Mann einer Frau einen eben gefangenen Fisch präsentiert (Abb. 38).[33] Generell stehen die Darstellungen in der Tradition einer Genremalerei, die den Reiz wiedererkennbarer Alltagsszenen mit einer zweiten galanten, erotisch aufgeladenen und eventuell moralisierenden Bedeutungsebene verband. Eine Reminiszenz an die fêtes galantes von Antoine Watteau und François Boucher scheint ebenfalls möglich. Die Szenen entfalteten ihre Wirkung in einem auf gesellschaftliche Zusammenkünfte angelegten Raum, wo sie Konversationen und eine Atmosphäre von Galanterie und Kurzweiligkeit anregen konnten. In einem ähnlichen Kontext ist auch die Darstellung einer alten, gebeugten Frau mit Federvieh an der Wand zum Fluss zu sehen (Abb. 36), die sich auf eine bekannte Anekdote bezieht: Nach einer 1834 veröffentlichten Erzählung des Schriftstellers Maurits Christopher Hansen ist hier Birthe Svensdatter dargestellt, auch bekannt als „Halthe-Birthe“, eine unter Gabriel von Cappelen auf Fossesholm lebende Dienstmagd. Nach einer tragischen Liebesgeschichte mit einem deutschen Offizier soll sie einen Selbstmordversuch unternommen und einen Gehirnschaden davongetragen haben.[34] Die Darstellung verweist auf das Spiel mit den Grenzen von Realität und Fiktion, das für die Besuchenden vermutlich einen besonderen Reiz hatte und "visual culture, literature and local oral history" [35] miteinander verband. Wie auch bei den vermuteten Darstellungen von J. von Cappelen, bleiben bei Halte-Birthe die Attribute zu ihrer Identifizierung äußerst vage. Tunmarck griff insgesamt auf ein standardisiertes Figurenrepertoire zurück[36] – diese Ungenauigkeit war wahrscheinlich einkalkuliert, war sie doch gerade dazu angetan, den Darstellungen mehrere Bedeutungsebenen einzuschreiben. Eine wichtige Rolle spielt in den gemalten Szenen der storstuen schließlich die ökonomische Grundlage von Fossesholm, die in zwei Szenen mit der alltäglichen Feldarbeit und dem Sägewerk erscheint (Abb. 26, 27). Die dargestellten Arbeiten inspirieren sich unmittelbar von den alltäglichen Arbeitsabläufen und beinhalteten damit – trotz einer zweifelsohne vorgenommenen Idealisierung – für die Betrachtenden den Reiz der Wiedererkennbarkeit. Zugleich werden Status und Erfolg des Besitzers in direkten Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Leistung von Fossesholm gestellt. Das Herrenhaus erscheint als Quelle des Wohlstands, eingebunden in eine lokale Tradition. Künstlerische Vorbilder liegen vermutlich in der holländischen Genremalerei und einem calvinistischen Arbeitsethos im Einklang mit der Natur. In erster Linie ging es jedoch auch bei den Arbeitsdarstellungen darum, die Privilegien der Besitzenden vor Augen zu führen: Sie konnten die Früchte der Arbeit ernten, ohne selber involviert zu sein.[37] Die stilisierten Bäume und kontrastreichen Figuren variieren innerhalb eines begrenzten Repertoires von Posen. Der dominierende grünblaue Farbton der Vegetation und das Nebeneinander diverser imaginierter Architekturen schaffen keine naturalistische Szenerie[38], wobei zu berücksichtigen ist, dass der heutige Blauton auch durch einen Oxidationsprozess zustande kommt und die ursprüngliche Farbgebung mehr ins Grüne ging.[39] Trotz einer im Detail konventionellen und kompositorisch teils etwas unbeholfenen Arbeit[40], entsteht in der großflächigen Wanddekoration eine stimmige Gesamtwirkung. Tunmarcks Schaffen war insgesamt handwerklich geprägt, beispielsweise in Form des Marmorierens und Stuckierens von Gebäudeteilen[41], doch sind ebenso einige ähnliche Wanddekorationen wie jene in Fossesholm bekannt. Hervorzuheben ist eine Ausstattung, die er 1767 im Auftrag von Iver Nilssen Thomle für den Gutshof Lillemoen in einem ähnlichen sozialen Kontext schuf. Insbesondere in einer Jagdszene ist die Wiederverwendung einer Figurenszene aus Fossesholm erkennbar.[42] In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelten sich illusionistische Landschaftsszenerien im Innenraum zu einem wesentlichen Dekorelement, das anschließend eine Fortsetzung in den gedruckten Panoramatapeten finden sollte. Grundlegende Kompositionsschemata, wie der durch Figurengruppen belebte Vordergrund, eine Rhythmisierung durch einzelne Bäume oder der niedrige Horizont, wurden hier wieder aufgenommen. Die Möglichkeiten frühindustrieller Produktion solcher Papiertapeten ermöglichte dem Landschaftszimmer, wie es auch in Fossesholm bereits angelegt war, an der Wende zum 19. Jahrhundert eine enorme Verbreitung.[43] |
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Zum Ofen in der storstuenJørgen von Cappelen gab 1763 einen gusseisernen Ofen (Abb. 97, 98, 99) bei Hassel jernverk in Auftrag. Hassel jernverk lag in Modum – in unmittelbarer Nähe zu Fossesholm – und war im 18. Jahrhundert einer der führenden Hersteller von Eisenöfen in Norwegen (Abb. 100). Die Eisenhütte war 1746 von Jacob Neumann übernommen worden, der ein Cousin von Jørgen von Cappelen war. Unter Neumann setzte eine Blütezeit ein und wurde eine Reihe aufwendiger und hochwertiger Öfen produziert. Der in der storstuen aufgestellte Ofen mit geschwungenen Füßen war mit den bekrönten Initialen von J. von Cappelen und seiner Frau Magdalena Darjes sowie mit umgebenden Rankenmotiven geschmückt (Abb. 101). Der Ofen fügte dem Raum ein weiteres repräsentatives Element hinzu.[44] dagligstuenIn der dagligstuen wurde das in der storstuen realisierte Konzept der umlaufenden Landschaften mit darin eingebetteten Figuren und Architekturen wiederholt, doch sichtbar nicht von Tunmarcks Hand (Abb. 102–110).[45] Der in der dagligstuen tätige Künstler ist nicht bekannt. Auch hier weist bereits die Größe des Raumes, der die ganze Breite des Hauses einnimmt, und die großen Fenster zu beiden Seiten auf eine herausgehobene Bedeutung. Die bemalten Tapeten bedecken die Wandflächen vollständig auf ganzer Höhe. Sie wurden 1931 vom Drammens Museum in 25 Teilen erworben, von denen 21 Teile 2014 oder 2017[46] an Fossesholm zurückgegeben und dort erneut angebracht wurden. In ihrer heutigen Anordnung scheinen einige Szenen nicht zusammenzupassen. Vier Supraporten verblieben im Museum und sind in Fossesholm heute in 1978 erstellten Kopien zu sehen (Abb. 111–114).[47] Die Ausstattung des Raumes ist jener der storstuen in Motivik und Farbgebung verwandt, was die Zusammengehörigkeit der beiden repräsentativen Räume unterstreicht, wobei sich Charakter und Wirkung der Malereien in zahlreichen Details unterscheiden. Deutlicher als in der storstuen ist am unteren Rand der Darstellungen in der dagligstuen ein Vordergrund auf Ebene der Betrachtenden illusioniert, von dem aus man auf die dahinter liegenden Szenen blickt. Dargestellt ist eine nordeuropäisch anmutende hügelige Landschaften mit Laubbäumen, Wiesen, Wasser und Bergen im Hintergrund. In diese Landschaften fügen sich figürliche Szenen ein, die gesellige Momente der Konversation und der alltäglichen Arbeit zeigen. Das Figurenrepertoire schließt Männer, Frauen, Kinder und Tiere gleichermaßen ein, die allesamt einer ländlichen Alltagskultur entnommen sind. Zahlreiche Personen tragen zeitgenössische Kleidung des 18. Jahrhunderts. Vielfach finden sich zudem einfache Architekturen in einem einheitlichen Stil einfacher Steinbauten, die ebenfalls eine unspezifische nördliche Umgebung evozieren. Während in der storstuen auch durch die stilistisch sehr verschiedenen Architekturen ein Nebeneinander der einzelnen Szenen entsteht, vermitteln die Wände in der dagligstuen eine stärkere Zusammengehörigkeit, die wiederholt die Vermutung einer hier existierenden Narration aufbrachte. Eine solche erschließt sich indes aus den dargestellten Genreszenen nicht. Vielmehr scheint es um die Evokation eines harmonischen Landlebens im Einklang mit der Natur gegangen zu sein, immer verbunden mit einem interpretatorischen Spielraum und möglichen weiteren Bedeutungsebenen in Form von Wortspielen oder moralisierenden Botschaften in der Tradition holländischer Genremalerei. Die Bezüge zum realen Umfeld von Fossesholm und seiner Bewohner:innen sind weniger konkret als in der storstuen. In beiden Räumen stand jedoch die Erfahrung des idealisierten Landlebens im Mittelpunkt, das sich mit der Prosperität des Herrenhauses verband, wobei den Besuchenden die privilegierte Position der Betrachterperspektive zukam.[48] Die vier Supraporten fügen sich nicht in diese Ausstattung, auch wenn ihre Hintergründe farblich angepasst sind. Sie zeigen Vasen mit Blumenarrangements und daneben sitzenden Tieren (Affe, Eichhörnchen, Vogel, Papagei) und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt hier angebracht wurden und nicht Teil der ursprünglichen Ausstattung sind. Die heute auf dem Boden illusionistisch gemalten Fliesen sind das Ergebnis einer Rekonstruktion durch Josef Hansen, der 1976–1984 als verantwortlicher Restaurator in Fossesholm tätig war. Ein erhaltenes Bodenfeld war hinter einer Tür freigelegt worden.[49] Im ersten Obergeschoss wurden in der gulkammeret mehrere, teils nicht zusammenhängende (und beschädigte) bemalte Leinwände offensichtlich desselben Künstlers mit vergleichbarer Motivik gefunden (Abb. 115) – es gab also mit großer Wahrscheinlichkeit einen weiteren Raum, der in ähnlicher Weise gestaltet war.[50] Datei:115. Fossesholm, Fragmente einer Tapete.webp Abb. 115 Fossesholm, Rest einer Leinwandtapete aus dem Obergeschoss Auch in der dagligstuen befindet sich ein zweistöckiger Eisenofen von Hassel jernverk (Abb. 116, 117), der im Zuge der Neuausstattung des Raumes unter J. von Cappelen hier aufgestellt wurde.[51] Der Ofen trägt die Inschrift AF GUD OC FORFAEDERNE – etwa „durch Gott und die Vorfahren“ – und weist also keine personalisierte Gestaltung wie der in Auftrag gegebene Ofen in der storstuen auf. Auch das auf dem Ofen genannte Jahr 1756 lässt vermuten, dass er aus den Beständen von Hassel verk erworben wurde.
Möblierung, demonstrativer Konsum und soziale PraxisMaria Forsblad Grinderud hat in ihrer 2024 verfassten Masterarbeit zu Fossesholm auf die Rolle der Ausstattungen von storstuen und dagligstuen in der Konstituierung sozialer Räume im Herrenhaus hingewiesen. In den dort stattfindenden Zusammenkünften fand in den Konversationen – und folglich auch unter Einbeziehung der Malereien – ein umfassender Austausch von Wissen und zeitgenössischen Diskursen statt, deren säkulare und religiöse Inhalte sich auch in den Beständen der Bibliothek der von Cappelens spiegelten. Die bemalten Tapeten kommen dem Genre des Konversationsstücks nahe, das sich im 17. und 18. Jahrhundert im ganzen europäischen Raum großer Beliebtheit erfreute. Die den Darstellungen eingeschriebene Theatralik, die Bezüge zur eigenen Lebensrealität und der unterhaltsame Charakter funktionierten in den Empfangsräumen im Zusammenspiel mit den Konversationen einer elitären Gesellschaft. Zugleich waren sie dazu angetan, den sozialen Anspruch der Cappelens in der Region zu kommunizieren und das Herrenhaus als Ausdruck von Wohlstand und Prestige in Szene zu setzen.[52] Nicht nur die feste Ausstattung der Räume, auch die hier dokumentierten mobilen Objekte lassen zahlreiche Schlüsse zu den Funktionen der Räume und einer hier stattfindenden sozialen Praxis zu. Insbesondere bei den repräsentativen Räumen von storstuen und dagligstuen ist von Empfangsräumen auszugehen, in denen mittels ritualisierten Verhaltensmustern, demonstrativem Konsum und Geschmacksverständnis eine soziale Kultur etabliert wurde, die den Status der Besitzenden von Fossesholm kommunizieren sollte. Die feste Ausstattung interagierte mit den mobilen Objekten und den stattfindenden Handlungen im Raum. Diesbezüglich ist insbesondere das vorliegende Auktionsprotokoll von 1785 von Bedeutung[53], in dem die aufgeführten Objekte das neue Anspruchsniveau des Hauses nach seiner Erweiterung durch J. von Cappelen spiegeln. In der storstuen bestätigt sich die hauptsächlich repräsentative Raumfunktion in einem hohen Wert hier vorhandener Objekte, darunter zwei große Spiegel mit Spiegeltischen und insgesamt 18 Stühle. Auf die primäre Empfangsfunktion des Raumes weist ebenfalls die Abwesenheit weiterer Tische oder für einen komfortableren Aufenthalt bestimmtes Mobiliar. Solches findet man eher in der dagligstuen, wo eine informellere Atmosphäre geherrscht haben musste: Auch hier gab es zwei schmale Spiegel mit Spiegeltischen, dazu außerdem einen Spieltisch und 12 lederbezogene Stühle, was auf hier stattfindende gesellige Zusammenkünfte schließen lässt. Eine größere Intimität vermittelt sich erst in den anschließenden, kleineren Räumen, wo sich auch Betten und gemütlichere Sitzmöbel finden. Das Mobiliar vermittelt so auch die Abstufungen zwischen (halb)öffentlich und privat konnotierten Räumen.[54] Aufschlussreich ist darüber hinaus das 1785 in Fossesholm dokumentierte Geschirr, das die ganze Bandbreite von Alltagsnutzung bis hin zu prestigereichen Empfängen abdeckte, von einfachen Steinmaterialien bis zu Silber und Porzellan aus dem europäischen Ausland. Einige der kostbaren Objekte haben sich in Privatbesitz in Smithestrøm gård erhalten (Abb. 146–148). Kaffee, Tee und SchokoladeMit Blick auf die Bedeutung sozial-distinktiver Praktiken hat Maria Forsblad Grinderud den Konsum von Kaffee, Tee und Schokolade auf Basis der im Auktionsprotokoll 1785 verzeichneten Objekte ausgewertet. So lassen Kaffeegeschirr und entsprechende Zubereitungsgegenstände auf einen regelmäßigen Kaffeekonsum in Fossesholm schließen, der im norwegischen 18. Jahrhundert in einer elitären Gesellschaft fest etabliert war. Kaffee verband sich in erster Linie mit einer maskulinen Identität, aber auch mit einem Ideal höfischer Verhaltensnormen – in ländlichen Gebieten ist zwar von einer informelleren Interaktion auszugehen, doch konnte über den Kaffeekonsum auch hier eine ritualisierte Gesprächskultur mit hochwertigen Objekten geschaffen werden. Ähnliches gilt für den Genuss von Tee, der spezielle Utensilien und sozial-distinktives Verhalten einer gehobenen Gesellschaft mit einschloss. In Fossesholm weisen Zahl und Varianz der Objekte auf eine hohe Bedeutung des Teetrinkens als sozialer Praxis, die im europäischen Raum als genuin feminine Aktivität verankert war und oft in einem privaten Rahmen stattfand – auch dies im Gegensatz zu Kaffee, der meist an (halb)öffentlichen Orten konsumiert wurde. [55] In wohlhabenden Kreisen kam auch dem Konsum von Schokolade und Zucker ein hoher Status zu. In Fossesholm fanden sich diverse Utensilien zur Zubereitung von süßem Gebäck und Schokoladengetränken, so beispielsweise in Form von Dessertellern und speziellen Tassen. Trotz erster Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Gefahren, hatten Schokolade und Zucker einen luxuriösen und elitären Charakter, auch aufgrund der Herkunft aus Übersee und vielfach unter Sklavenarbeit entstandener Produkte.[56] So lässt sich insbesondere in den beiden repräsentativen Räumen von storstuen und dagligstuen beobachten, wie sich das unter J. von Cappelen neu generierte Anspruchsniveau in Fossesholm manifestierte. In den Räumen greifen feste und mobile Ausstattung, soziale Praktiken und ein demonstratives Konsumverhalten ineinander, wobei sowohl lokale Traditionen als auch europäische Einflüsse eine Rolle spielten. Es ging der Familie um das Zeigen von Wohlstand, ökonomischer Macht und sozialer Zugehörigkeit – sei es in den Motiven der Wanddekorationen, den stattfindenden gesellschaftlichen Begegnungen und Konversationen oder der Demonstration von Geschmack, Bildung und Status.[57] Tapetenausstattungen in FossesholmDie Wandausstattungen spielten in Fossesholm eine herausgehobene Rolle. Neben den aufwendig bemalten Leinwänden in storstuen und dagligstuen wurden im 18. Jahrhundert nahezu alle Räume im Erdgeschoss und mehrere Räume im Obergeschoss mit Tapeten ausgestattet. Zahlreiche dieser Tapeten sind zumindest in Resten erhalten und wurden teilweise rekonstruiert. In manchen Räumen verdecken spätere Wandausstattungen darunter liegende ältere Tapeten; andere Tapetenfunde lassen sich keinem Raum mehr zuordnen. Es liegt nahe, dass mit der Erweiterung des Hauptgebäudes ab 1763 und dem in der Folge entstehenden neuen Grundriss auch sämtliche Wandgestaltungen unter J. von Cappelen erneuert wurden. Eine Untersuchung von Struktur und Farben dreier ausgewählter Tapeten brachte im Jahr 2015 ein sehr ähnliches Ergebnis zutage, was die Möglichkeit einer einzigen Werkstatt ins Spiel brachte. Als Herkunftsland wurden Deutschland, die Niederlande oder Belgien vermutet.[58] Insgesamt lassen sich in den Räumen im Erdgeschoss – neben den bemalten Leinwänden in storstuen und dagligstuen – mindestens zehn Tapeten vermutlich aus dem 18. Jahrhundert verorten; weitere unbestimmte Reste liegen im Obergeschoss. So ist in der auf die storstue folgende, 1741 aufgelöste storstuekammer ein kleiner Tapetenrest mit floralen Motiven erhalten. In der pikenes kammer, später als Küche genutzt, zeigt ein weiterer Tapetenrest auf hellem Grund eine florale Rankenmotivik mit Blumen und darin platzierten kleinen Vögeln und Schmetterlingen, in offensichtlicher Imitation einer chinesischen floralen Tapete (Abb. 119).[59] In dem daneben zur Flussseite liegenden Raum wurde die Tapete für den gesamten Raum rekonstruiert: Auf einem dunklen, grünblauen Hintergrund ist ein helleres Muster gedruckt, dass in Kartuschen kleinere gemalte Bildfelder mit diversen Motiven zeigt, darunter Vögel, Frucht- und Blumenstillleben oder nächtliche Landschaften (Abb. 120, 121). Im anschließenden, mit einem Fenster zur Flussseite liegenden Schlafzimmer (sengkammer) gab es eine nicht erhaltene sjablongtapet.[60] Auch in dem folgenden, von Gabriel von Cappelen genutzten Raum wurde ein Tapetenrest mit roten Blumenmotiven auf grauem Grund und weißen, feinen Mustern freigelegt (Abb. 122, 123). In der havestuen am Endpunkt der Enfilade hat sich eine Tapete mit kleinen roten und blauen Blumen auf ockerfarbenem Grund erhalten, die teilweise reproduziert wurde (Abb. 124, 125). Datei:127. Tapetenrest aus Fossesholm.webp Abb. 127 Tapetenrest aus Fossesholm, 18. Jahrhundert, Drammens Museum Weitere Tapetenreste, die keinem Raum zugeordnet werden können, zeigen ähnliche dekorative Motive. Auch im Drammens Museum befinden sich einige Tapetenreste aus Fossesholm, auf denen Kartuschen mit kleinen Bildfeldern in ein weiß gedrucktes Muster eingelassen sind (Abb. 127–129). Die Tapeten beschränkten sich in Fossesholm nicht auf das Erdgeschoss, sondern auch im Obergeschoss sind entsprechende Ausstattungen überliefert.[61]
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Datei:125. Fossesholm, Tapete in der havestuen.webp Abb. 125 Fossesholm, reproduzierte Tapete in der havestuen im Erdgeschoss Datei:129. Tapetenrest aus Fossesholm.webp Abb. 129 Tapetenrest aus Fossesholm, 18. Jahrhundert, Drammens Museum |