09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Quellen- und Literaturverzeichnis
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Der einstige Garten von Fossesholm ist heute verändert und im 20. Jahrhundert teilweise mit Wohnhäusern bebaut worden (Abb. 23, 130). Wenige Quellen und die einzige bekannte Karte von Fossesholm aus dem Jahr 1789 (Abb. 7) lassen Rückschlüsse auf seine Gestaltung zu, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entscheidend geprägt wurde. Einige Gartenstrukturen konnten mittels archäologischer Ausgrabungen und Bodenradaraufnahmen rekonstruiert werden. Die früheste Erwähnung des Gartens datiert auf 1741[1], doch reicht seine Existenz zweifelsohne deutlich weiter zurück. Im Rahmen von offiziellen Begehungen wurde der Garten üblicherweise nicht berücksichtigt, da man sich auf die festen Gebäude und deren Mängel konzentrierte.[2] Der Garten lag östlich des Herrenhauses[3] und nahm ursprünglich wohl nur eine kleine Fläche neben dem Haupthaus ein, wurde jedoch unter Jørgen von Cappelen und anschließend unter Niels Otto Omsted deutlich erweitert. Das stark abfallende Terrain zum Fluss und die Wirtschaftsbauten auf der Hofseite erlaubten keine andere Lage als jene seitlich des Herrenhausareals. Die langjährige Teilung des Hauses stellte in Bezug auf den Zugang zum Garten ein Problem dar. Offenbar wurde der Garten nicht von beiden besitzenden Parteien genutzt, sondern nur einer zugeteilt.[4] Im Zuge der Beendigung der Teilung und der Umbauten von Fossesholm in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bemühte sich insbesondere Jørgen von Cappelen auch im Garten um die Einführung repräsentativ-ästhetischer Gestaltungselemente. Im Sinne einer europäischen Gartenkunst entdeckte man den Garten nun – über seine Nutzfunktion hinaus – als Ort, an dem sich sozialer Status, Einfluss und adelige Lebensweise veranschaulichen ließen. Europäische Idealvorstellungen der Gartenkunst wurden auch in Norwegen rezipiert, wenn auch das Klima einen wesentlichen Einfluss auf deren Umsetzung haben musste. Auch die landschaftlichen Darstellungen in den Innenräumen von Fossesholm assoziieren eine arkadische Vorstellung der umgebenden Natur und spiegeln den neuen Anspruch an den Garten (Abb. 131).[5] Die einzige bekannte Darstellung auf der Karte von Irgens Müller aus dem Jahr 1789 (Abb. 7) zeigt einen in zwei Teile unterteilten Garten, den man durch einen Durchgang zwischen Hauptgebäude und Seitenflügel betrat. Einen direkten Zugang von der Giebelseite des Herrenhauses gab es nicht; nur zwei Fenster der havestuen erlaubten einen Ausblick in den unteren Gartenbereich (Abb. 19). Dieser älteste Teil hatte eine Trapezform, schloss an das Haupt- und Seitengebäude an und war vermutlich als formaler Garten mit einer Wegeführung und dekorativen Bepflanzungen sowie Obstbäumen angelegt. Die Karte zeigt schwach angedeutete Linien, die eventuell existierende Gartenstrukturen abbilden. An drei Seiten wird der Garten von einem Zaun umschlossen – auch zu dem oberen Teil, dessen einheitliche grüne Fläche keine weiteren Details zeigt. Dieser erst unter Ellen und Otto Omsted vermutlich ab etwa 1785 angelegte Bereich hatte wahrscheinlich den Charakter eines Landschaftsgartens im Zusammenspiel mit den dahinter liegenden Wiesen, in die er mit seiner rechteckigen Form hineinreichte. In seiner Mitte lag ein hufeisenförmiger Teich mit einer Insel, auf der ein chinesisch inspirierter Pavillon stand. Archäologische Untersuchungen offenbarten in diesem Gartenteil einen dünneren Boden als im älteren Gartenbereich, was auf eine einfache Bewirtschaftung mit Bäumen und Sträuchern verweist.[6] Nach der Übernahme von Fossesholm durch Jørgen von Cappelen wurde der Garten 1764 als Küchengarten mit einigen Obstbäumen beschrieben[7], umgeben von einem morschen Zaun, der ersetzt werden sollte. Vermutlich hatte der Garten zu diesem Zeitpunkt dieselben Dimensionen wie 1741.[8] Zahlreiche Maßnahmen zielten auf eine Verbesserung von Wiesen und Feldern der Umgebung und vermutlich wurde auch der Garten von Beginn an einbezogen. Aus dem Dokument geht die Schaffung eines neuen Durchgangs zum Garten hervor, geschildert als ein großes Tor mit Eisenbeschlägen und Schlössern mit einem darüber liegenden, über eine Treppe zu erreichendem Raum am Übergang von Haupthaus zu Seitenflügel.[9] Zwei Quellen vermitteln die unter Cappelen umgesetzten Veränderungen: Im Jahr 1780 besuchten die befreundeten Pfarrer Hans Strøm aus Hokksund und Jacob Nicolai Wilse gemeinsam Fossesholm – beide betätigten sich umfassend als Naturforscher und Topographen. Wilse besuchte die Region mindestens drei Mal (1763, 1780 und 1783) und verfasste unter dem Titel Reise-Iagttagelser i nogle af de nordiske Lande einen Reisebericht, der zuerst in Deutschland von Johann Bernoulli[10] und 1790 auf Dänisch in Kopenhagen veröffentlicht wurde.[11] Ein Teil seiner topographisch-historischen Reisebeschreibungen stützt sich auf ein 1784 von Hans Strøm publiziertes Werk, in dem auch Fossesholm berücksichtigt wird.[12] Wilse betont das hohe Maß der unter Cappelen erreichten Verschönerung und Verbesserung von Fossesholm, das er vor allem in einer überall herrschenden Ordnung sieht. Er zeigt sich zudem vom Posthuset und einem System hölzener Wasserleitungen beeindruckt.[13] Auch Hans Strøm beschreibt den Garten von Fossesholm im Jahr 1784 mit seinen Bepflanzungen als den schönsten und fortschrittlichsten der Gegend – ungeachtet des angeblich schwer zu bewirtschaftenden Bodens.[14] Unter den auf Cappelen folgenden Omsteds erhielt der Garten besondere Aufmerksamkeit, wie die Anwesenheit eines eigenen Gärtners schließen lässt: Elen Omsted gab 1789 an, Johan Andreas Røsler für 60 rigsdaler im Jahr zu beschäftigen. Røsler wurde um 1727 im norwegischen Skien als Sohn von Johan Michael Røsler, einem deutschen Kräuterkundler und Gärtner aus Dresden oder Leipzig (geb. 1698), geboren.[15] Diese Herkunft lässt vermuten, dass Røsler ein familiär tradiertes Wissen zur Gartenkunst mitbrachte. Bis in das späte 18. Jahrhundert kamen Gärtner in Norwegen entweder aus dem Ausland oder hatten zumindest eine Ausbildung in Schweden, Dänemark oder Deutschland erhalten, wodurch sich Austauschprozesse zur Gartenkunst intensivierten. Auch in Bogstad war beispielsweise seit etwa 1776/1777 ein Gärtner deutscher Herkunft tätig. Ende des 18. Jahrhunderts hatten Gärtner in Norwegen eine Mittelklassestellung inne.[16] Als Røsler in Fossesholm im Jahr 1786 mit der Anlage des Gartens begann,[17] bestand die wohl größte Herausforderung – vor der generell alle Gärtner in Norwegen standen – in der Anpassung an das norwegische Klima.[18] Essentielle Gestaltungselemente der europäischen Gartenkunst, wie Parterres und Quartiere, Bassins oder Brunnen, wurden vielfach übernommen. Zahlreiche Pflanzen und Obstbäume mussten jedoch importiert werden und es war viel Expertenwissen notwendig, um diese Pflanzen zu kultivieren und zu überwintern. Im Jahr 1795 gibt Røsler an, dass im Rahmen des Neubaus einer Scheune herausgesprengter Stein für die Anlage von Terrassen im Garten verwendet wurde. Die Terrassen wurden mit Obstbäumen bepflanzt.[19] Wie der Garten von Fossesholm zu dieser Zeit im Detail aussah, lässt sich nicht rekonstruieren. Archäologische Grabungen haben Ansätze von Terrassen an der Seite des ansteigenden Hügels sowie Spuren von Kieswegen hervorgebracht. Ein vom Zugangstor ausgehender Weg war vermutlich einst von Bäumen eingefasst.[20] Eine in Fossesholm im Jahr 2022 durch GeoSphere Austria durchgeführte Bodenradaruntersuchung[21] konnte zwar eine große Anzahl an reflektierenden Strukturen im Boden nachweisen, die jedoch mehrheitlich nicht eindeutig interpretierbar waren. Nur vor der südlichen Stirnseite des Hauptgebäudes fanden sich fünf reflektierende Bereiche, die mit ihrer ansatzweisen rechteckigen Form und symmetrischen Anordnung eventuell einst hier existierende Beete mit dazwischen verlaufenden Wegen darstellen. Zu erwähnen sind zudem in der südlichsten Teilfläche des ehemaligen Gartens mehrere Mauerstrukturen: Möglicherweise standen hier dem Garten zugehörige Gebäude oder gab es durch Mauern abgegrenzte Bereiche, die dem Schutz bestimmter Pflanzen dienten. Auch Drainagen sind in diesem Bereich eindeutig nachweisbar. Fossesholm erhielt im Jahr 2023 mehr als vier Millionen NOK von der Sparebankstiftelsen DNB zur Rekonstruktion einer der einstigen Gartenanlage ähnelnden Gestaltung[22], die im August 2025 präsentiert wurde. |
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Der GartenpavillonUnter Niels Otto Omsted wurde im oberen Teil des Gartens ein Gartenpavillon errichtet. Der einzige Hinweis auf seine Form ist eine überdimensionierte Darstellung[23] auf der Karte von 1789 (Abb. 7), wo er erhöht in der Mitte eines runden Teiches gezeigt ist. Ausgrabungen in den Jahren 2016–2018 offenbarten dagegen einen hufeisenförmigen Teich, in dem eine kleine Insel einst 60–70 cm über das Gelände hinausragte und den Pavillon aufnahm. Das Ensemble wurde 2016–2017 rekonstruiert (Abb. 24, 134, 135).[24] Die Darstellung auf der Karte von Irgens Müller zeigt einen achteckigen Pavillon mit Turm und chinesisch inspirierter Architektur, somit hier ein europaweit verbreiteter Zeitgeschmack aufgegriffen wurde. Bereits seit dem 17. Jahrhundert spiegelte sich das fernöstliche Ideal in der facettenreichen Adaption ostasiatischer Bauformen, die – ebenso wie die importierten Luxusgüter – für eine verfeinerte Lebensart standen, zudem Einfluss und Reichtum demonstrierten.[25] Auch in die europäischen Gärten hatten die chinoisen Architekturen Einzug erhalten. Ein breites Spektrum literarischer Gattungen bildete die Quellen der Chinarezeption, darunter Reiseberichte, Stich- und Vorlagewerke, Musterbücher und Periodika. Ab 1750 ist im Kontext der Etablierung des englischen Landschaftsgartens die hohe Bedeutung der Werke von William Chambers hervorzuheben.[26] Pavillons waren ein typisches Element norwegischer Gärten, wobei vielfach auch bewusst Konstruktionen in einem alt-bäuerlichen Stil umgesetzt wurden, so zum Beispiel in Borgstad oder in Stubljan. Jene Gartenpavillons waren auch als nationalgeschichtliche Elemente einer eigenen norwegischen Identität in dem dänisch dominierten Land zu verstehen.[27] In Fossesholm verrät sich dagegen der Anspruch, dem Garten ein „modernes“ und allein auf die plaisirs zielendes Element mit Bezug auf die europäisch verbreiteten Chinoiserien hinzuzufügen – ganz im Sinne der adeligen Bestimmung des Gartens als Ort von Vergnügen und Müßiggang. Für die Rekonstruktion des Pavillons in Fossesholm fertigte Lars Jacob Hvinden-Haug einen Entwurf an. Modell stand der Gartenpavillon in Odals Vaerk, der Omsted mit großer Wahrscheinlichkeit bekannt war und als direktes Vorbild in Frage kommt (Abb. 136). Zwischen Odals Vaerk und Fossesholm gab es verwandtschaftliche Beziehungen, denn Iver Hansen Neumann, der Odals Vaerk 1764 übernahm, war der Enkel von Jørgen Poulsen, der Fossesholm 1697 erworben hatte.[28] Im Garten muss der Pavillon mit seiner erhöhten Position einen Blickfang geboten haben und ermöglichte zugleich eine Aussicht auf die umliegende Landschaft und den Fluss. Die Vermutung liegt nahe, es habe hier einst eine Sichtachse bis zum Endpunkt des alten Gartens gegeben. Die archäologischen Untersuchungen 2011 konnten zwar nicht die Existenz beispielsweise eines Weges bestätigen, doch ist nicht ausgeschlossen, dass eine solche Achse vegetativ markiert worden war. [29] Für ihre Existenz spricht auch ein auf dem Plan von 1789 im Zaun auf dieser Höhe angedeutetes kleines Tor und eine in der Rasterung schwach erkennbare Andeutung eines Weges. Ein weiterer, kleiner Pavillon stand im alten Gartenteil und wird auf Karten von 1906 und 1916 etwa 25 m vom Südflügel entfernt gezeigt; auch auf einem Luftbild von 1938 ist er noch zu sehen, jedoch nicht mehr 1956.[30] Die Fundamente dieses Pavillons konnten 2011 ausgegraben werden. Vermutlich handelt es sich jedoch nicht um seinen ursprünglichen Standort und ist der Pavillon zudem auf das 19. Jahrhundert zu datieren.[31] Die Lage des Gartens seitlich von Herrenhaus und Hofsituation ließ kaum eine Umsetzung von Perspektiven und Sichtachsen mit Bezug auf das Hauptgebäude zu. Es erstaunt durchaus, dass auf einen direkten Zugang aus der havestuen in den Garten verzichtet wurde. Zumindest in der Innenraumausstattung sind die Bezüge zur umgebenden Landschaft jedoch äußerst präsent und bestimmen die figürlichen Wanddekorationen der repräsentativen Räume. Ähnlich zu Tunmarcks Darstellungen in der storstuen ist der Garten von Fossesholm als ein enges Nebeneinander von Nützlichem und ästhetischer Gestaltung vorstellbar: Der ursprüngliche Nutzgarten wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert zu einem Garten mit aristokratisch-gestalterischem Anspruch erweitert. Die dem Müßiggang und den Naturfreuden vorbehaltenen Areale gingen vermutlich unmittelbar in die funktionalen Bereiche über und griffen ineinander. Einar Sørensen verweist im norwegischen Kontext auf die besondere Relevanz des Konzepts der ferme ornée, eine zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstehende Form des englischen Landschaftsgartens, in der die ästhetische Gestaltung des Gartens mit dem ökonomischen Nutzen der Landwirtschaft verbunden werden sollte.[32] Das PosthusetDas Posthuset (Abb. 22, 137, 138) steht in exponierter Lage im Hof und sicherte die Wasserversorgung von Fossesholm, womit es auch für den Garten essentiell war. Es diente zudem der Haltung von lebenden Forellen und anderen Fischen in großen Becken sowie dem Tränken von Tieren. Uhr und Windfahne tragen die Jahreszahl 1773, womit vermutlich das Baujahr bezeichnet ist – eventuell anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Gutsübernahme durch Jørgen von Cappelen.[33] In der Gestaltung des Posthuset vermittelt sich das Zusammengehen von Funktionalität und Symbolik. Architektonisch lehnt sich das kleine Haus an einen Gartenpavillon an, was von Jacob Nicolai Wilse nach seinem Besuch im Jahr 1780 bereits so benannt wird: Er spricht von einem „Huus, som et Lysthuus med Pavillon=Tag“[34]. Einar Sørensen erkannte in der Form des Turms zudem eine Anleihe bei dem Kirchturm der Kongsberger Kirche, an deren Ausstattung sich Cappelen finanziell beteiligte.[35] Auch im Innenraum des Posthuset wurden Elemente idealisierter Gartengestaltungen aufgegriffen. So wurde die zentrale Säule als Baum interpretiert, die Decke als Wolkenhimmel illusioniert (Abb. 139, 140) und fünf Gemälde mit allegorischen Darstellungen der Sinne angebracht[36], letzteres vermutlich auch eine Anspielung auf die im Garten geweckten Sinnesempfindungen und zugleich ein verbreitetes Thema der Genremalerei. Wilse beschrieb im Posthuset in einem der Wasserbecken einen Springbrunnen und fühlt sich an eine Grotte, folglich an ein elementares Motiv der Gartenkunst, erinnert.[37] Durch das Posthuset liefen hölzerne Wasserleitungen, die J. von Cappelen von einem Bach in etwa 12 km Entfernung nahe des Hofes von Såsen bis nach Fossesholm verlegen ließ und dafür etwa 1400–1500 rigsdaler investierte, wie Wilse und Strøm berichten.[38] Die Wasserleitung wird in einem odelsløsningssak 1794 beschrieben: Demnach soll sie zum Garten weitergeführt worden sein, wo sie über das bryggerhuset zum alten Garten und dort in einen Brunnen mit einem Auffangbecken führte („Vandspring med Kum“).[39] Einen ähnlichen Hinweis gibt auch Wilse: Er bemerkte – offensichtlich kritisch ob des betriebenen Aufwands –, die Leitungen hätten in ein Marmorbad in einer künstlichen Steingrotte mit Verzierungen und Bildern aus norwegischem Marmor führen sollen.[40] Bei Ausgrabungen 2009 und 2011 konnten keine Spuren dieser hölzernen Leitungen gefunden werden – eventuell führten diese nicht bis in den Garten hinein und mündeten nur in einen einfachen Behälter, der keine Spuren hinterlassen hat.[41] Es wurden jedoch mehrere Drainage-Gräben gefunden.[42] In welchem Umfang die Besitzenden selbst in die Gestaltung des Gartens intervenierten, muss unklar bleiben.[43] Generell bleibt ihre Bedeutung für die Entwicklung der Gärten und die hier stattfindenden Gestaltungsprozesse mangels aussagekräftiger Quellen relativ spekulativ. Netzwerke sowie Reise- und Handelserfahrungen der Besitzenden sollten indes nicht unterschätzt werden und standen zweifelsohne oftmals als treibende Kraft hinter Austauschprozessen, Innovationen und Umgestaltungen.[44] In zahlreichen Gärten Norwegens der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beobachtet man einen Eklektizismus, der vornehmlich von England beeinflusst war und ein stilistisches Nebeneinander diverser Gartenelemente favorisierte, wohingegen Einheitlichkeit und Größe des Gartens in den Hintergrund traten. Gartenelemente wurden an lokale Traditionen und Voraussetzungen angepasst und eigene Ideen mit ästhetischen Idealen aus dem europäischen Kontext kombiniert.[45] Die Entwicklung des Gartens von Fossesholm ist ähnlich vorstellbar und zielte spätestens seit J. von Cappelens Interventionen darauf, eine vorrangig funktionale Bestimmung mit als modern erachteten Gestaltungsprinzipien und einer Inszenierung adeligen Landlebens zu verbinden.
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