04.02 Zur Finanzlage der Bauherrin
- 01. Forschungsstand
- 02. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 03. Wirtschaftlicher Kontext
- 04.00 Besitzverhältnisse 18. Jahrhundert
- 04.01 Bauherrin Ebba Margareta De la Gardie
- 04.02 Zur Finanzlage der Bauherrin
- 05.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 05.01 Das Gut Großenhof in einem Inventar von 1755
- 05.02 Historische Zeichnungen aus dem Estnischen Nationalarchiv Tartu
- 05.03 Das Haus der Gräfin
- 05.04 Forschungsstand Architektur
- 06. Innenräume im 18. und 19. Jahrhundert
- 07. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 08. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 09. Quellen- und Literaturverzeichnis
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Die Forschungsauffassung, die Bauherrin von Großenhof habe über große Reichtümer verfügt[1], bestätigt sich derzeit nicht. Vielmehr zeichnet sich ab, dass Ebba Margareta ihre Bauprojekte auf Dagö mit großer organisatorischer, aber auch finanzieller Anstrengung umsetzen konnte. Die Gräfin und ihr Mann wuchsen mit den Auswirkungen der Reduktion Karls XI. auf. Obwohl Ebba Margareta De la Gardie zu einer der angesehensten und über einige Zeit wohlsituiertesten schwedischen Familien gehörte, deuten verschiedenen Quellen an, dass ihr Leben in finanziellen und familiären Belangen nicht problemlos verlief. Ohne je völlig mittellos gewesen zu sein, war der große Reichtum ihrer Vorfahren für sie in der einstigen Fülle nicht mehr greifbar.[2] Nach den Güterenteignungen Karls XI. hatte es nur ein Verwandter der Gräfin Ebba Margareta mit seiner Familie erneut politisch und finanziell an die Spitze der schwedischen Gesellschaft geschafft: Ihr Onkel Magnus Julius De la Gardie heiratete mit Anfang Vierzig die vierzehnjährige Hedvig Catharina Lillie eine der reichsten Partien Schwedens. Sie war die Enkeltochter eines der Hauptakteure und Profiteure der Reduktionszeit, Fabian Wrede. Da sie und ihre Mutter die einzigen Erbinnen des einstigen Präsidenten des Reduktionskollegiums blieben, brachte Hedvig Catharina achtzehn Güter in die Ehe ein. Die Anwesen, zu denen auch ehemalige Güter der De la Gardie gehörten, lagen verstreut in verschiedenen schwedischen Landschaften, in finnischen Provinzen, in Pommern und in Stockholm. Finanziell bestens ausgestattet, beeinflusste Magnus Julius nach einer Zeit als Militär, als Riksråd (Reichrat), Hofmarschall und Parteigänger der frankreichfreundlichen Adelsfraktion (Partei der Hüte) die schwedische Politik. Mit seinem Bruder Adam Carl, dem Vater Ebba Margaretas, stritt Magnus Julius unter anderem um den Herrensitz Tullgarn. Magnus Julius konnte sich schlussendlich gegen den eigentlichen Erben – Adam Carl – erfolgreich durchsetzen.[3] Ebba Margaretas Onkel starb 1741 als ein sehr reicher Mann, dessen Wohlstand bis zuletzt auf den Werten der beweglichen und unbeweglichen Güter seiner Frau Hedvig Catharina Lillie basierte.[4] Von einem Leben im Mittelpunkt der Gesellschaft, ausgestattet mit Land und nicht versiegender Geldquelle waren Ebba Margareta De la Gardie und ihr Ehemann Fredrik Magnus Stenbock weit entfernt. Anhand weniger Archivalien zeigt sich, dass die Gräfin – zumindest zeitweilig – finanziell begrenzte Möglichkeiten zu haben schien. Das Herrenhaus Großenhof sollte auch darum kostengünstig alle Ressourcen der Insel in sich aufnehmen.
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