06. Innenräume im 18. und 19. Jahrhundert
- 01. Forschungsstand
- 02. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 03. Wirtschaftlicher Kontext
- 04.00 Besitzverhältnisse 18. Jahrhundert
- 04.01 Bauherrin Ebba Margareta De la Gardie
- 04.02 Zur Finanzlage der Bauherrin
- 05.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 05.01 Das Gut Großenhof in einem Inventar von 1755
- 05.02 Historische Zeichnungen aus dem Estnischen Nationalarchiv Tartu
- 05.03 Das Haus der Gräfin
- 05.04 Forschungsstand Architektur
- 06. Innenräume im 18. und 19. Jahrhundert
- 07. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 08. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 09. Quellen- und Literaturverzeichnis
Spuren des Interieurs aus dem 18. Jahrhundert und Umbauten im 19. JahrhundertDas Herrenhaus Suuremõisa[1] wird im ehemaligen Corps de Logis zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einer Berufsschule (Ametikool) genutzt, der Nordflügel beherbergt eine Grundschule und der Südflügel ein Café. Größere Umbauten, sowohl im Inneren des Hauses als auch Außen, wurden erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch Ewald von Ungern-Sternberg (1824-1899) angeordnet.[2]
Über den ursprünglichen Grundriss des Wohnhauses gibt es keine genaue Kenntnis. Laut einer handgeschriebenen Raumliste (18./19. Jahrhundert, Entstehungszeit unklar), befanden sich im Corps de Logis vom Keller bis zur oberen Etage ca. 42 Zimmer (Abb. 14). Zeitweilig, so heißt es, hatte das Herrenhaus einschließlich der Räume in den Seitenflügeln 64 Zimmer.[3] Über eine repräsentative Treppe im Vestibül des Hauses, gelangt man in die Galerie des oberen Geschosses. Sowohl in der ersten als auch in zweiten Etage gehen im Nordtrakt hofseitig Räume ab, die Enfiladen bilden. In beiden Geschossen des Südtraktes trennt ein Flur die Räume der Gartenseite von denen der Hofseite. Von den Sälen abgehende Räume bilden in beiden Etagen Enfilden. Von der Symmetrie einer barocken Raumorganisation weicht der Bau jedoch erheblich ab: Im ersten und zweiten Geschoss des Südtraktes gibt es einen Flur, im Nordtrakt hingegen nicht (Abb. 17, 18 Grundrisse 2011). Zu einer weiteren Eigenart des Baus gehört, dass es im Eingangsbereich keinen Zugang zum unteren Saal gibt. Der untere Saal im Herrenhaus Großenhof verfügt allerdings - wie üblich - über einen direkten Zugang über die Terrasse in den Garten bzw. Park auf der Ostseite des Hauses. Bauspezifische Untersuchungen konnten einen ursprünglichen Zugang vom Vestibül in den unteren Saal nicht nachweisen.[4] ParadetreppeDie Paradetreppe in der Eingangshalle des Hauses wurde im Laufe der Jahrhunderte an jeweilige Moden angepasst.[5] Laut einer an der Treppe angebrachten Informationstafel fertigte die noch vorhandenen Baluster der Inseltischler Mihkel Mei im 19. Jahrhundert an (Abb. 19). In einem Schaukasten im Keller des Hauses ist ein flaches geschwungenes Holzelement (Brett-Traille) aufbewahrt, das einst zur Treppe gehört haben soll. Man kann annehmen, dass zur Zeit der Gräfin statt der Baluster, geschwungene Brett-Traillen das Treppengeländer formten (Abb. 20). Im 19. Jahrhundert erhöhte man den Boden im unteren Saal um 20 cm. Dieses Prozedere wurde in weiteren Räumen der ersten Etage durchgeführt. Unter dem Parkett des heutigen Museumsraums, der erste hofseitige Raum im Nordtrakt des Haupthauses, liegt zum Beispiel ein zur Bauzeit entstandener, grau gefasster Dielenboden. Für das Vestibül müsste das bedeuten, dass der Boden in Folge dieser Veränderungen ebenfalls angehoben wurde. Die heutig Treppenkonstruktion könnte demnach in den reduzierten Raum eingepasst worden sein. Eine Anhebung der ursprünglichen Treppe wäre prinzipiell möglich gewesen. Genaues weiß man leider nicht, da Untersuchungen dazu bisher nicht durchgeführt wurden. Eines ist jedoch schnell ersichtlich: An vielen Stellen der Paradetreppe sind Unregelmäßigkeiten in der Konstruktion zu erkennen, die eine nachträgliche Einpassung in die Eingangshalle nahelegen (Abb. 21).[6] Barocke Details
Während heute Tapeten aus dem 19. Jahrhundert, zum großen Teil restauriert, die Wände des Herrenhauses schmücken, scheinen einige Räume zur Zeit der Gräfin mit Wandmalereien verziert worden zu sein. Wenige Reste ursprünglicher Wandbemalungen wurden unter den Tapeten und anderen Farbschichten gefunden (Abb. 25, 26).[9] Die Reste von Wandmalereien sind sehr gering und Aussagen zur Gestalt des ursprünglichen Dekors demzufolge schwer zu treffen.[10]
|
|