07. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 01. Forschungsstand
- 02. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 03. Wirtschaftlicher Kontext
- 04.00 Besitzverhältnisse 18. Jahrhundert
- 04.01 Bauherrin Ebba Margareta De la Gardie
- 04.02 Zur Finanzlage der Bauherrin
- 05.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 05.01 Das Gut Großenhof in einem Inventar von 1755
- 05.02 Historische Zeichnungen aus dem Estnischen Nationalarchiv Tartu
- 05.03 Das Haus der Gräfin
- 05.04 Forschungsstand Architektur
- 06. Innenräume im 18. und 19. Jahrhundert
- 07. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 08. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 09. Quellen- und Literaturverzeichnis
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Wie in einem Inventar aus dem Reduktionsjahr aufgeführt, gab es bereits 1691 einen großen Garten.[1] Die estnische Landschaftsarchitektin Kristiina Hellström beschäftigt sich viele Jahre intensiv mit der Geschichte des Gartens des Herrenhauses Suuremõisa (Großenhof). Sie ermittelte unter anderem, dass bereits der Urgroßvater der Bauherrin Ebba Margareta, Jakob De la Gardie, Obstbäume, Sträucher, Blumenzwiebeln und Samen aus Lübeck liefern ließ. Auch gab es seiner Zeit einen umfangreichen Gemüsegarten, in dem Weißkohl, Gurken, Rüben, Karotten, Pastinaken, Petersilie, Zwiebeln, Rote Beete, Bohnen, Kürbisse und Melonen angebaut wurden. Sie dienten Jakob der eigenen Versorgung in Schweden. Der Garten wurde von drei Männern gepflegt. Einer von ihnen trug den Namen Hansu. Dieser berichtete einst, so Hellström, dass der Obstgarten keine großen Erträge einfuhr.[2] Kristiina Hellström erklärt diesen Umstand mit einer Kalkschicht im Boden.[3] Einige Elemente stimmen in Inventaren aus den Jahren 1691 und 1755 überein. So gab es 1691 einen Obstgarten, in dem Apfel- und Kirschbäume wuchsen; auf acht quatratisch angelegte Beete verteilten sich Beerensträucher.[4] Von Planken umgeben, war der Garten in zwei Teile geteilt. Für 147 Apfel-, 55 Kirsch- und 6 Pflaumenbäume standen circa 209 x 137 Meter (116 x 76 Klafter) zur Verfügung. Für die Beerensträucher, deren Beete mit Längs- sowie Quergängen versehen waren, wurden circa 270 x 103 Meter (150 x 57 Klafter) angegeben. Den Garten betrat man durch ein Doppeltor oder eine Gartentür vom Wohnhaus aus.[5] Letztes bestätigt auch auch das Inventar von 1755, in dem es heißt, dass der Garten hinter dem (...) Wohnhause liegt[6]: „Hinter dem großen Wohnhause, ist ein großer Garten, worinnen verschiedene alte Äpfel, und Kirschen Bäume, wie auch Johanns Beeren Sträucher und viele große Wilde Bäume befindlich, ist auch mit dreyen Teichen versehen und mit einem guten Stacketen Planck umgeben.“[7] Interessant ist, dass 1755 drei Teiche erwähnt werden. Da die Teiche, die zum Teil von einer natürlichen Quelle gespeist werden, noch existieren, kann man die Lage des alten Herrenhauses im nordwestlichen Bereich des heutigen Gutsgeländes vermuten. Kristiina Hellström ist davon überzeugt und mit den Aussagen der schriftlichen Zeugnisse ist ihre Annahme belastbar.[8] Hellström vermutet, dass das alte Haus in nachfolgende Bauten in diesem Areal - wie der einer ehemaligen Klete (estn. Ait, Speichergebäude) - integriert worden sein könnte. Die Ruine des Gebäudes befinden nahe der Einfahrt auf das heutige Gutsgelände, vor dem ehemaligen Terrain des Renaissancegartens (Abb. 27, 28).[9] Eine weitere Theorie besagt, dass das heute erhaltene Herrenhaus auf dem Grund des alten Hauses errichtet wurde .[10] Ein inzwischen von Bäumen verdeckter Hügel, auf dem bis ins 19. Jahrundert ein Pavillon stand, könnte bereits zu Zeiten der Gräfin entstanden sein (Abb. 29). Er befindet sich vis-à-vis dem barocken Herrenhaus inmitten der heutigen westlichen Parklandschaft. Dieser auch im Zeitalter des Barocks beliebte point de vue (Aussichtspunkt) bot einen idealen Blick über den Garten auf das herrschaftliche Haus. Im 19. Jahrhundert entstanden ein gewundenes Wegesystem und eine weitläufige umliegende Parklandschaft.[11] Zwei Karten dokumentieren die Veränderungen hin zum Landschaftspark anschaulich.[12] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ein neuer Garten südlich des Hauses angelegt („Kirschgarten“, heutiger Schulgarten). Dieser ist von Hellström und ihrem Team rekonstruiert worden.[13] Es wurden im 19. Jahrhundert Alleen mit Eichen, Kastanien und Schwarzerlen angelegt (insgesamt ca. 4,7 km lang). Ende des 19. Jahrhunderts betreute der Förster Karl Ahrens die Baumbestände. Er experimentierte in der Nähe des Flusses Suuremõisa Jõgi mit neuen Sorten. Am besten passten sich dort russische und sibirische Lärchen, Fichten und europäische Tannen an. Im gesamten Park dominieren aber vor allem einheimische Bäume, so zum Beispiel Eichen, Eschen, Ulmen, Linden, Kiefern, Erlen und Birken.[14]
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