03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06.00 Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 06.01 Familie Nielsen, geadelt Werenskiold
- 06.02 Familie Elieson
- 06.03 Maren Juel und ihre drei Ehemänner
- 07.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 07.01 Vorgängerbau
- 07.02 Neubau des Herrenhauses 1758–1762
- 07.03 Beschreibung Herrenhaus
- 07.04 Architektur
- 08.00 Innenräume im 18. Jahrhundert
- 08.01 Erdgeschoss
- 08.02 Obergeschoss
- 08.03 Sockelgeschoss und Sammlungen
- 09.00 Garten und Park
- 09.01 Garten
- 09.02 Park
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 14. Quellen- und Literaturverzeichnis
ÜberblickDas erstmals 1344 in einem Brief erwähnte Hafslund war 1399 im Besitz der Kirche.[1] Im 15. Jahrhundert gelangte es in den Besitz der Familie Gyldenhorn[2] (Abb. 4) und in der Folge im 16. Jahrhundert in den der Familie Rosensverd (Abb. 5).[3] Aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten war die Familie Rosensverd[4] gezwungen, das Anwesen zu Beginn des 17. Jahrhunderts an Otte Bildt[5] (1565–1622) (Abb. 6) zu verpfänden.[6] Nach dem Besitzerwechsel erhielt Hafslund im Jahr 1608 seine Privilegien als adeliges (d.h. steuerbefreites) Gut.[7] Zwei Generationen der Familie Bildt[8] lebten auf Hafslund, bevor das Anwesen im späten 17. Jahrhundert in den Besitz von Werner Nielsen[9] (1625–1695) gelangte (Abb. 7).[10] UrsprüngeDie Gutsanlage, die ursprünglich aus zwei Teilen Store Hafslund und Lille Hafslund bestand, war 1399 im Besitz der Diözese von Christiania[11] (heute Oslo) und wurde zum ersten Mal 1344 in einem Brief erwähnt.[12] Im 15. Jahrhundert ging das Anwesen von der Kirche in den Besitz der Familie Gyldenhorn[13] aus altem dänischen Hochadel über.[14] Diese Familie wurde ebenso nach dem Emblem auf ihrem Wappen – einem goldenen Horn (Abb. 4) – benannt[15] wie die Besitzenden von Hafslund im 16. Jahrhundert: die Familie Rosensverd.[16] Diese bezeichnete sich zu der Zeit selber nach ihrem Wappen mit grünenden (also blühenden) Rosen (Abb. 5). Weil die Rosensverds nicht in Hafslund residierten, wird dieses Geschlecht heute in der Regel nach ihrem Stammsitz in Skjeberg[17] Østby-ætten genannt.[18] In Hafslund gab es zu der Zeit sehr wahrscheinlich nur ein Hauptgebäude aus Holz und es war vermutlich Otte Bildt[19] (1565–1622), der dort einen ersten Steinbau errichtete.[20] Familie BildtObwohl es im 16. Jahrhundert zu einer langsamen wirtschaftlichen Erholung in Norwegen kam, entstand in Hafslund eine finanzielle Schieflage, da es durch Erbteilung in der Familie Rosensverd[21] Streitigkeiten über die Führung der Sägemühlen und des Gutsbetriebs gab.[22] Die Lage spitzte sich so zu, dass Tjost-Ulf Bardsen Rosensverd[23] um die Wende zum 17. Jahrhundert gezwungen war, das Anwesen an Otte Bildt[24] (1565–1622), der aus einem alten dänischen Adelsgeschlecht (Abb. 6) stammte, zu verpfänden.[25] Otte Bildt, der bereits zahlreiche Güter besaß, übernahm die Schuldverschreibungen aus Hafslund vermutlich 1604 komplett und besaß das Anwesen bis zu seinem Tod 1622.[26] Er war mit Inger Jespersdatter (Vognsen) verheiratet[27] und erwirkte im Jahr 1608 für Hafslund die Anerkennung als adeliges Gut,[28] was wirtschaftlich erhebliche Vorteile in Form von Steuerbefreiungen oder -nachlässen bedeutete.[29] Vermutlich zu dieser Zeit um 1608 errichteten Otte Bildt und Inger Jespersdatter den heutigen Westflügel der Anlage,[30] der über einem Sockelgeschoss aus Bruchsteinen eine Hauptetage aus Ziegelmauerwerk aufweist (vgl. 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur).[31] Der älteste Sohn des Paares, Oberstleutnant Daniel Ottesen Bildt[32] (1590–1664), übernahm das Anwesen nach dem Tod des Vaters mit einer einiger Verzögerung erst 1624.[33] Daniel Bildt war in erster Ehe mit Margrethe Holgersdatter Gagge (†1649) verheiratet,[34] bevor er nach deren Tod 1655 Birgitte Bjelke,[35] Tochter des norwegischen Kanzlers Jens Bjelke[36] (1580–1659),[37] ehelichte. Seine Frau stammte damit aus einer reichen und baufreudigen Familie, sodass es plausibel erscheint, dass das Ehepaar nach der Eheschließung und bis spätestens 1664, dem Todesjahr Daniel Bildts, den großen Ost- und Südflügel in Hafslund errichteten (vgl. 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur).[38] Beide im Winkel angeordneten Flügel hatten ein ähnliches Aussehen mit Außenwänden aus grobem Bruchstein und hohen Giebeln aus Ziegeln sowie einem Treppenturm (Abb. 20).[39] Nach dem Tod von Daniel Bildt[40] (1590–1664) verließ Birgitte Bjelke[41] 1664 Hafslund und das Gut fiel an ihren Schwager Jens Bildt[42] (nach 1590–vor 1673) und seiner Schwester Kirsten Bildt (1597–1692), die mit Oberst Marquard Otto von Mangelsen (1640–1703) verheiratet war.[43] Um 1660/1670 waren die Besitzenden gezwungen das Gut Hafslund an einen lagmann[44] (Landrichter) in Fredrikstad[45] zu verpfänden:[46] In neuerer Forschung wird von 1678–1683 zunächst lagmann[47] Christen Jensen (†1683) und dann von 1683–1692 Maren Madsdatter als Besitzerin von Hafslund genannt,[48] bevor das Anwesen im letzten Drittel des Jahrhunderts endgültig in die Hände von lagmann[49] Werner Nielsen[50] (1625–1695) (Abb. 21) überging (vgl. 06.01 Familie Nielsen, geadelt Werenskiold).[51]
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