04. Überblick zur Gesamtanlage
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06.00 Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 06.01 Familie Nielsen, geadelt Werenskiold
- 06.02 Familie Elieson
- 06.03 Maren Juel und ihre drei Ehemänner
- 07.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 07.01 Vorgängerbau
- 07.02 Neubau des Herrenhauses 1758–1762
- 07.03 Beschreibung Herrenhaus
- 07.04 Architektur
- 08.00 Innenräume im 18. Jahrhundert
- 08.01 Erdgeschoss
- 08.02 Obergeschoss
- 08.03 Sockelgeschoss und Sammlungen
- 09.00 Garten und Park
- 09.01 Garten
- 09.02 Park
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 14. Quellen- und Literaturverzeichnis
Geographische Lage |
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Das Anwesen Hafslund Hovedgård[1] (Abb. 2, 13) liegt im südlichen Norwegen in der Provinz Østfold[2] (Abb. 22, 24, 25) in der Nähe des Wasserfalls Sarpsfossen[3] (Abb. 23) am Fluss Glomma[4], dem längsten Fluß des Landes. Der Fluß und der große Wasserfall stellten mit Wasserrechten und Wasserkraft bis ins 20. Jahrhundert die größte Einnahmequelle des Besitzes dar. Hafslund ist Teil der Kommune Sarpsborg[5] im ehemaligen Bezirk Viken[6] und liegt in der norwegischen Grenzregion zum benachbarten Mittelschweden. Die historische Reiseroute über den Landweg[7] von der dänischen Hauptstadt Kopenhagen[8] in die norwegische Hauptstadt Christiania[9] (heute Oslo) führte über den Fredrikshaldske kongevei[10] (Friedrichshalder Königsweg) an Hafslund vorbei. Über diese königliche – und damit gepflegte – Straße kamen im 18. Jahrhundert fast alle dänischen Könige und zahlreiche Reisende sowie im späten 18. Jahrhundert erste Touristen auf dem Landweg an den berühmten Wasserfall Sarpsfossen[11] und ins benachbarte, allzeit gastliche Hafslund.[12] |
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UmgebungDie Region ist seit der Frühgeschichte besiedelt (Abb. 26) und das unmittelbar benachbarte Sarpsborg[13] am anderen Flussufer des Glomma[14] wird als drittälteste Stadt Norwegens bereits 1016 erwähnt, wurde aber 1567 im Krieg mit den Schweden niedergebannt und dann bis in das 19. Jahrhundert weitgehend aufgegeben.[15] Am Sarpsborger (West-)Ufer liegt das Gut Borregård[16] (Abb. 28), das mit den wenigen Überresten von Sarpsborg 1702 in einem Erdrutsch zerstört wurde (Abb. 29). Das wiederaufgebaute Haus Borregård[17] gilt als Zwillingsgut von Hafslund, da beide Anwesen ihren wesentlichen Gewinn über die Wasserrechte der Anwesen mit von Wasserkraft betriebenen Sägewerken erwirtschafteten (Abb. 27).[18] Bis zum Brückenbau über den Wasserfall Sarpsfossen[19] im Jahr 1854[20] (Abb. 30) war das heutige Sarpsborg nur eine kleine Ansiedelung, die sich erst im Laufe der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wieder zu einer Stadt entwickelte (Abb. 31).[21] So erklärt sich die historische Wegeführung im Umfeld der am östlichen Ufer des Glomma[22] gelegene Gutsanlage Hafslund. Es war kein direkter Weg in das kleine Dorf Sarpsborg am anderen Flussufer erforderlich (vgl. 09. Garten und Park). Die dem Gut zugehörige Kirche[23] (Abb. 32), deren Patronatsrechte erst im frühen 18. Jahrhundert für Hafslund erworben wurden,[24] liegt etwa 7,5 km südlich in Skjeberg[25]. Auf dem Kirchhof stehen zwei Grabkapellen der Familien Werenskiold[26] und Holter (Abb. 33) aus Hafslund.[27] |
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Gutsanlage |
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Die Gebäude in Hafslund stehen im Mittelpunkt zweier langer Alleen, die etwa in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung durch den Hof der Gutsanlage verlaufen (vgl. 09. Garten und Park) (Abb. 34). Der Haupthof bestand ursprünglich aus einem im Laufe der Zeit gewachsenen Gebäudegeviert, dem anfangs ungeordnet und dann in symmetrischer Form Wirtschaftsbauten in südlicher Richtung vorgelagert waren (Abb. 20). Nach dem Brand im Jahr 1758 (vgl. 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur) wurde das Herrenhaus an alter Stelle als Dreiflügel-Anlage (Abb. 3) wieder aufgebaut, wobei sich der Ehrenhof zur (Quer-)Achse in Ost-West-Richtung öffnet (Abb. 8, 38), während die längere Nord-Süd-Hauptachse das corps de logis in der Mittelachse kreuzt. Die beiden Seitenflügel des Herrenhauses werden von den gegenüberliegenden Wirtschaftsgebäuden mit deren Kopfbauten in Form von zweigeschossigen Pavillons (Abb. 35, 37) aufgenommen. Die spiegelsymmetrisch an der südlichen (Längs-)Achse angeordneten in Teilen im späten 18. Jahrhundert erbauten Wirtschaftstrakte stehen den Seitenflügeln des Herrenhauses gegenüber und bilden im Grundriss ungefähr die Form des Buchstaben „J“ (Abb. 36). Hinter den pavillonartigen Kopfbauten schließen sich erst eingeschossige und dann zweigeschossige Scheunen und Ställe (Abb. 35) an.[28] Ein historisches Speichergebäude (norwegisch kornmagasinet) (Abb. 39) aus dem frühen 19. Jahrhundert hat sich am Rand auf dem Gelände der Anlage erhalten (vgl. 10. Wirtschaftsgebäude). Am originalen Platz an der Ost-West-Achse steht auch ein wohl um 1800 errichtetes Gebäude in Ziegelbauweise (Abb. 40, 41), das als Verwalter- bzw. Aufseherhaus (heute auf norwegisch als portnerboligen bezeichnet) genutzt wurde.[29] Erträge aus der Agrarproduktion bildeten nicht die Haupteinnahmequelle der Gutswirtschaft, sondern die am Flußufer des Glomma[30] gelegenen wasserbetriebenen Sägewerke, die heute komplett verschwunden aber auf einigen älteren Darstellungen als Teil der Gutsanlage dokumentiert sind (vgl. 05. Wirtschaftlicher Kontext).[31]
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