07.02 Neubau des Herrenhauses 1758–1762
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06.00 Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 06.01 Familie Nielsen, geadelt Werenskiold
- 06.02 Familie Elieson
- 06.03 Maren Juel und ihre drei Ehemänner
- 07.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 07.01 Vorgängerbau
- 07.02 Neubau des Herrenhauses 1758–1762
- 07.03 Beschreibung Herrenhaus
- 07.04 Architektur
- 08.00 Innenräume im 18. Jahrhundert
- 08.01 Erdgeschoss
- 08.02 Obergeschoss
- 08.03 Sockelgeschoss und Sammlungen
- 09.00 Garten und Park
- 09.01 Garten
- 09.02 Park
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 14. Quellen- und Literaturverzeichnis
Planung |
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Für den Neubau des Herrenhauses in Hafslund haben sich keine zeitgenössischen Pläne erhalten.[1] Auf einem Miniaturportrait Anna Eliesons, geb. Collett[2] (1731–1772) (Abb. 79) ist auf dem Tisch im Vordergrund eine Architekturzeichnung zu erkennen, die den Entwurf für das Hauptgebäude in Hafslund wiedergeben soll.[3] Das Blatt zeigt die Hälfte eines wohl symmetrisch gedachten Grundrisses und die halb dargestellte Ansicht eines Herrenhauses. Die Grundrisseinteilung auf der Zeichnung entspricht der Disposition des Hauptflügels (corps de logis) der Dreiflügelanlage in Hafslund mit der charakteristischen Galerie im Erdgeschoss. Allerdings stimmt der Entwurf weder in der Proportion (ca. 1:2) mit dem heutigen Baubestand (ca. 1:4 mit 15 zu 4 Fensterachsen) noch in der Zahl der Fensterachsen mit Grund- und Aufriss in Hafslund überein. Die Ansicht zeigt eine eineinhalbgeschossige Kolossalordnung mit einem niedrigeren Erdgeschoss und einm deutlich höheren Obergeschoss als bel étage, was die bekannten Nutzungsverhältnisse aus dem 18. Jahrhundert wörtlich auf den Kopf stellt (vgl. 08.00 Innenräume im 18. Jahrhundert). Es handelt sich daher wohl um einen ersten Entwurf für den Neubau in Hafslund, der für die Realisierung noch angepasst wurde. Mit Sicherheit verweist die Architekturzeichnung allerdings auf eine aktive Rolle Anna Eliesons bei der Planung des neuen Herrenhauses. |
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Architekt James Collett?Es ist bekannt, dass Anna Eliesons, geb. Collett[4] (1731–1772) Bruder James Collett[5] (1728–1794) als Liebhaber im Bereich der Architektur dilettierte.[6] Ihm werden die Entwürfe für Bogståd Gård[7] (Abb. 112, 113) und für den Umbau des Stadthauses der Familie Collettgården[8] (Abb. 114, 115) in der Kirkegata 15 in Christiania[9] (heute im Freilichtmuseum Norsk folkemuseum in Bygdøy, Oslo) zugeschrieben.[10] Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass er als talentierter Amateur am Entwurf für das neue Herrenhaus in Hafslund beteiligt war. Hvinden-Haug geht außerdem davon aus, dass James Collett die Fassaden des neuen Herrenhauses nach dem Brand entworfen hat.[11] |
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Bauverlauf |
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Wie auf Mathias Blumenthals[12] (1719–1763) Gemälde (Abb. 63) dargestellt besaßen alle vier Flügel des Herrenhauses vor dem Brand 1758 offenbar eine einheitliche Höhe von eineinhalb Geschossen. Nach zeitgenössischen mitteleuropäischen Vorbildern wurde beim Wiederaufbau für die geplante Dreiflügelanlage um einen Ehrenhof eine Differenzierung der Geschosshöhen vorgesehen: Der Hauptflügel im Norden wurde als corps de logis zweigeschossig ausgeführt, während die nebengeordneten Seitenflügel im Osten und Westen nur ein Vollgeschoss und ein ausgebautes Dachgeschoss besitzen. Spätestens nach dem Brand hat man den Südflügel des vorhandenen Gebäudegevierts, der eventuell am stärksten durch das Feuer beschädigt worden war,[13] abgebrochen. Bei geologischen Prospektionen 2016 im Auftrag der NIKU (Abb. 116) und 2022 im Rahmen des Forschungsprojekts (Abb. 117) konnten allerdings am Ort des vermuteten Südflügels (Abb. 118) keine Fundamentreste nachgewiesen werden (vgl. 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation). Möglicherweise wurden alle vorhandenen Steine einschließlich der Fundamente für den Neubau eingesetzt; möglicherweise wurde die Prospektion durch den vorhandenen reflektierenden Pflasterbelag so stark gestört, dass keine kongruenten Ergebnisse erzielt werden konnten. Die vorhandenen übereinstimmenden Darstellungen Hafslunds vor dem Brand deuten mit Nachdruck auf einen ehemaligen Südflügel (laut einer Quelle in schlechtem baulichen Zustand) hin, der spätestens im Zuge des Neubaus abgetragen wurde.[14] In Hafslund ist über dem Eingangsportal unterhalb einer Rokokokartusche mit dem Buchstaben E für Elieson[15] das Jahr 1761 angegeben (Abb. 119),[16] was sicher für eine Vollendung des Rohbaus spricht. Vermutlich umfast das Datum sogar die Fertigstellung einer geschlossenen äußeren Gebäudehülle mit eingebauten Fenster und Türen sowie gedecktem Dach, während der Innenausbau noch einige Zeit bis 1762 in Anspruch nahm.[17] Als der dänische Topograf Magnus Theiste[18] (1725–1791) Hafslund im Jahr 1761 besuchte, beschrieb er das neue Hauptgebäude als ‚fast fertig und wieder aus holländischem Stein‘ (Ziegelstein) gebaut.[19] Während der Restaurierung 1936–1937 wurde beobachtet, dass ‚die Mauer des Nordflügels auf der Nordseite bis etwa 2,5 m aus gelbem Ziegelstein‘ bestünde, während darüber roter Ziegel (festere Qualität) verbaut sei.[20] Aufgrund der kurzen Bauzeit des großen Gebäudes ist es sehr wahrscheinlich, dass ältere Teile des Vorgängerbaus (aus gelbem Ziegel) mit in den Neubau integriert wurden und für neue Bauteile die höherwertige rote Ziegelqualität eingesetzt wurde.[21] Auch Teile der Seitenflügel stammen aus der Zeit vor dem Brand wie Ole Hvinden-Haug beschrieben hat: So besteht der Westflügel über dem Bruchstein-Sockelgeschoss aus gelben Ziegeln und der Ostflügel wurde – abgesehen von den Kellergewölben, die man aus gelb gebrannten Ziegeln hergestellt hat, – komplett aus Bruchstein errichtet.[22] Heute finden sich an der Südfassade beider Seitenflügel zwei vermutlich originale Steine mit Initialen der jeweiligen Erbauer, die wohl nicht mehr am ursprünglichen Ort und – nach den neuesten Ergebnissen der Bauforschung von Hvinden-Haug – vertauscht auf die ursprünglichen Bauherren der jeweiligen Seitenflügel verweisen sollen: am Ostflügel B für (Daniel) Bildt[23] (1590–1664) (Abb. 120) und am Westflügel NV für Niels Werenskiold[24] (1669–1741) (Abb. 121).[25] Vergleichbar verweist die kleine Kartusche mit dem E für Elieson[26] über dem Portal (Abb. 119) des corps de logis im Nordflügel ebenso wie das Allianzwappen der Familien Elieson[27] und Collett[28] im Giebelfeld (Abb. 122) auf die Erbauer des neuen Herrenhauses, das 1762 vollendet war.
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