09.01 Garten
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06.00 Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 06.01 Familie Nielsen, geadelt Werenskiold
- 06.02 Familie Elieson
- 06.03 Maren Juel und ihre drei Ehemänner
- 07.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 07.01 Vorgängerbau
- 07.02 Neubau des Herrenhauses 1758–1762
- 07.03 Beschreibung Herrenhaus
- 07.04 Architektur
- 08.00 Innenräume im 18. Jahrhundert
- 08.01 Erdgeschoss
- 08.02 Obergeschoss
- 08.03 Sockelgeschoss und Sammlungen
- 09.00 Garten und Park
- 09.01 Garten
- 09.02 Park
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 14. Quellen- und Literaturverzeichnis
Formaler Nordgarten |
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Das älteste norwegische Werk über die Gartenkunst, Christian Gartners[1] (um 1642–1716) Horticultura von 1694 belegt das aufkommende Interesse an Gartenanlagen in der dänisch-norwegischen Doppelmonarchie. In Hafslund könnte ein erster formaler Garten mit geometrischen Parterrequartieren im Norden des Herrenhauses um die Wende zum 18. Jahrhundert angelegt worden sein.[2] Als älteste überlieferte Bildquelle zeigt das Landschaftsgemälde Jacob Conings[3] (1647–1724) (Abb. 20) von 1699 den Blick aus Südosten auf das Anwesen, ohne dabei den hinter dem Gebäude des Herrenhauses vermuteten formalen Gartenbereich im Norden darstellen zu können. Im südlichen Bereich des Anwesens, wo sich die Wirtschafts- und Zweckbauten sowie die Sägewerke befanden, weist nur der kongehøien (Königshügel) mit der anlässlich des Besuchs Christians V. 1685 errichteten Gedenksäule auf eine bewußte Gestaltung des Außenraums.[4] Der Kupferstich von 1726 nach einer Karte mit der Darstellung des Erdrutsches in Borregård im Jahr 1702 zeigt am unteren rechten Bildrand eine kleine isometrische Darstellung des Gutshofs Hafslund (Abb. 29, 104–106). Dort ist das Anwesen mit einer umfriedeten Fläche neben und nördlich hinter dem Hauptgebäude eingetragen, ohne diese weiter zu differenzieren: der abgegrenzte Bereich könnte vielleicht einer ersten Gartenanlage im formalen Stil entsprechen (Abb. 105, 106).[5] Wenig detailliert wird diese umfriedete Fläche ebenso in den Darstellungen aus dem Jahr 1733[6] von Henrich Willumsen (belegt im 18. Jhdt.)[7] und dem Maler und Kupferstecher Johannes Rach[8] (1720–1783) wiedergegeben, die als Kupferstich von Bartholomæus Roque (Barthélemy de la Rocque, belegt im 18. Jhdt.) überliefert ist (Abb. 108). Südlich des Herrenhauses Hafslund ist neben den Nutzbauten als gestaltete Fläche erneut der Aussichtspunkt des so genannten Königshügels (norwegisch kongehøien) zu erkennen. Auf diesen Vorlagen beruht auch das naiv anmutende Gemälde um 1747–1750 des Malers Johannes Rach (1720–1783) im Nationalmuseum in Kopenhagen, in dem der Gartenbereich ebenfalls nur flächig dargestellt ist (Abb. 107). Nach den Verwüstungen durch die schwedischen Truppen im Zuge des Großen Nordischen Kriegs[9] (1700–1721) wurde das Anwesen in Hafslund verschönert und es ist davon auszugehen, dass bei der Instandsetzung auch der formale Garten im Norden spätestens zu diesem Zeitpunkt angelegt oder erneuert wurde.[10] Das Ölgemälde des Sarpsfossen (Abb. 109, 110) des Malers Mathias Blumenthal[11] (1719–1763), auf dem im Hintergrund auch Hafslund zu erkennen ist (Abb. 63),[12] kann aus diesem Blickwinkel allerdings keine Gartenanlage im Norden zeigen. Sein Gemälde ist die letzte Darstellung der älteren Gebäude in Hafslund vor dem Brand 1758. Es bleibt daher unklar aber wahrscheinlich, das im Aquarell Vue de Hafslund [...] aus den 1760er Jahren (Abb. 133) dieser ältere Garten im Norden des Herrenhauses wiedergegeben wird wie Gabrielsen annimmt.[13] Das Aquarell zeigt ebenfalls die bereits zuvor dargestellte Einfriedung des Gartenbereichs neben und hinter dem Herrenhaus mit drei Flügeln. Nach dem Brand des Hauptgebäudes 1758 hat man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Garten zumindest in Teilen erneuert und möglicherweise erweitert.[14] Anders als Gabrielsen und zuvor Schnitler vermutet haben,[15] wurden die zwei sich kreuzenden Alleen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung, die heute noch in Teilen zu erkennen sind, wahrscheinlich jedoch nicht sofort nach Fertigstellung des neuen Herrenhauses 1762 angelegt,[16] denn dafür gibt es keine klaren Belege im vorhandenen Kartenmaterial aus den 1790er Jahren (Abb. 211).[17] Ein Teil der Querachse – die Allee in östlicher Richtung – ist als Pflanzung junger Bäume auf dem Aquarell um 1760 zu erkennen (Abb. 133), doch das Alleenkreuz wird erst auf einer Karte von 1794 eindeutig dargestellt (Abb. 211).[18] Somit entstand die Wegeführung möglicherweise im Laufe des späten 18. Jahrhunderts oder in Teilen erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, denn die Karte von Jacob Nicolai Wilse[19] (1736–1801) aus dem Jahr 1798 (Abb. 212) zeigt gar keine Nord-Süd-Achse und die Ost-West-Querachse entspricht nur im östlichen Teil der geraden Wegeführung einer Allee.[20] Dafür stellt Wilse detailliert einen nördlich gelegenen Parterregarten – ähnlich demjenigen auf dem Aquarell von 1760 – dar. Im Zentrum des Gartens war vielleicht ein rundes Beet oder Wasserecken angeordnet, das jedoch keine natürliche Wasserversorgung haben konnte.[21] Laut der Karte von 1794 (Version B) (Abb. 211) verlief die Hauptachse von Nord nach Süd in der Mittelachse des Gebäudekomplexes und erstreckte sich über fast einen Kilometer (Abb. 215, 34).[22] Deren nördlicher Teil begann an einer Brücke über einen Flußarm des Glomma (Abb. 213, 217, 218) und führte bis zu der Nordfassade des neuen Hauptgebäudes (Abb. 214), was heute durch die Verkehrsbauten des 20. und 21. Jahrhunderts, die diese Allee zerschneiden, nur noch zu erahnen ist (Abb. 13, 216).[23] Die Allee setzt sich auf der Südseite des Hauptgebäudes fort (Abb. 34, 219, 220), führt über den Ehrenhof an den Wirtschaftsbauten vorbei in den südlichen Gartenbereich und endete, nachdem der Kanal als weitere Querachse überquert wurde, in einem kreisförmigen ca. 50 m im Durchmesser großen Reitplatz wie Gabrielsen erläutert (Abb. 18).[24] Die Allee führte dann als Sichtachse weiter in die Landschaft hinein und verläuft sich heute ohne Anschluss an eine Wegeführung. Der Reitplatz wie die Alleen im Parkbereich waren mit Linden gesäumt.[25] Auch die kürzere Allee in Ost-West-Richtung wurde mit Linden bepflanzt (Abb. 221, 222).[26] Diese etwa vielleicht 400 m lange Querachse endete – laut Gabrielsen – ebenfalls in zwei Rondellen,[27] was aber in der Karte von 1794 (Version B) nicht zu erkennen ist (Abb. 223). Auch die außerhalb des im Süden gelegenen Obstgarten von Gabrielsen beschriebene angelegte Reitallee (Abb. 18),[28] die zum Reitplatzrondell jenseits des Querkanals führte, ist auf der Karte nicht dargestellt. Letztlich war die Querallee vermutlich die bedeutendere Wegeführung, führte sie als Landstraße doch in Verlängerung östlich zur Kirche in Skjeberg[29] sowie Schweden und in süd-westlicher Richtung nach Fredrikstad[30] und Fredrikshald[31] (heute Halden[32]). |
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Südlicher NutzgartenUm die nord-südliche Hauptachse fortzusetzen wurde das geschlossene Geviert der Wirtschaftsbauten (vgl. 10. Wirtschaftsgebäude) – vermutlich verbunden mit dem Neubau des Herrenhauses nach dem Brand 1762 oder im Laufe der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – geöffnet (Abb. 8, 224).[33] Entsprechend der Lage bei den Wirtschaftsbauten wurde dieser Gartenbereich als Nutzgarten konzipiert (Abb. 225). Der Obstgarten war auf beiden Seiten der Hauptallee symmetrisch angelegt (Abb. 8, 225, 227) und nach Ost und West durch zwei Bogengängen aus Haselnußgewächsen abgegrenzt (Abb. 226).[34] Das leicht abfallende Gelände besitzt bei den Nebengebäuden eine damals angelegte vielleicht zwei Meter hohe steinerne Stufe, die man im Jahr 1936 restauriert hat.[35] Auf dem hinter der Steinmauer in zwei kleinen natürlichen Stufen gestaffelten Gelände ersteckte sich die Baumpflanzung bis zum als Querachse wirkenden Kanal (Abb. 18, 228),[36] der den Obstgarten im Süden begrenzte. Wohl im frühen 19. Jahrhundert wurde im östlichen Obstgarten ein größerer länglicher Bau – vielleicht eine Orangerie – und ein Gärtnerhaus errichtet,[37] wie sie auf der heute verschollenen Karte von 1867 zu sehen sind (Abb. 34). Die Fundamente dieser Gebäude konnten 2022 bei der geophysikalischen Prospektion dokumentiert werden (Abb. 117) (vgl. 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation).[38] |
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Gartenhäuser |
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Auf dem Gemälde Jacob Coning[39] (1647–1724) (Abb. 20) von um 1699/1700 ist vermutlich bereits ein erster achteckiger, zweigeschossiger Gartenpavillon mit glockenförmigem Dach zu erkennen, der in der Darstellung lange Zeit als Treppenturm am Herrenhaus interpretiert wurde.[40] Über die weitere Geschichte dieser Gartenarchitektur ist nichts konkretes bekannt, allerdings spekuliert Hvinden-Haug, ob es sich bei dem zweigeschossigen Pavillon auf dem Aquarell Vue de Hafslund [...] aus den 1760er Jahren (Abb. 133) um eben diesen Bau handeln könnte.[41] Auf dem Aquarell (Abb. 133) kann man ein rechteckiges zweigeschossiges Gartenhaus im formalen Gartenbereich im Norden sehen, von dem heute nur noch verschüttete Fundamente erhalten sind (Abb. 229).[42] Der Bau soll um 1700–1719 errichtet worden sein und verblieb im formalen Garten nördlich des Herrenhauses, bis ‚der alte Pavillon im Hauge‘ vermutlich im Jahr 1779 nach ‚Aspenlunden‘ versetzt wurde, wie eine Rechnung aus dem besagten Jahr belegt.[43] Auf der Karte aus dem Jahr 1794 (Version A) ist im südlichen Parkbereich ein Bau mit ‚Lysthaus‘ bezeichnet, der möglicherweise den umgesetzten Pavillon benennt (Abb. 223). Das Untergeschoss des Gartenhauses wurde um 1800 zu einer Grotte umfunktioniert und auf der Karte von 1867 führt ein Weg dorthin.[44] In den 1920er Jahren schon völlig überwuchert, wurde der Keller im Zuge der Restaurierungen 1934 dokumentiert (Abb. 229), aber 1937 zugeschüttet und ist heute im Gartengelände nicht mehr zu erkennen.[45]
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