09.02 Park

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Englischer Landschaftspark

Jacob Nicolai Wilse[1] (1736–1801) stellt in seinem, nach mehreren Besuchen (letztmalig 1781), im Jahr 1791 veröffentlichten Reisebericht im Bezug auf den Garten in Hafslund fest, dass ‚man hier [in Hafslund] vom modernen englischen Geschmacke nichts sehe‘ (Abb. 212).[2] In Norwegen wurde der vielleicht erste englische Landschaftgarten in Bogståd Gård[3] (Abb. 112, 113) um 1780 gestaltet, welches das oft besuchte Elternhaus des neuen Besitzers von Hafslund, Peter Holter[4] (1723–1786), war.[5] Auf diesem Wege könnte der englische Einfluss auf die Gartengestaltung sich schnell in Hafslund ausgewirkt haben, denn deutsche Mediziner Dr. Jacob Mumsen[6] (1737–1819) berichtet kurz nach dem Tod Peter Holters von ‚einem großen parkähnlichen Garten‘[7] auf dem Besitz von Maren Juel[8] (1749–1815) in Hafslund (Abb. 230–233). Das lässt zumindest einen begonnenen Landschaftspark vermuten, denn im Jahr 1817 wird der Park bereits als ‚sehr schön‘ beschrieben.[9]

In der Zeit als Maren Juel mit ihrem dritten Ehemann Marcus Gjøe Rosenkrantz[10] (1762–1838) im Herrenhaus wohnte, wurde offenbar der nördliche formale Garten entfernt (Abb. 34),[11] der im Zuge des Geschmackswandels vielleicht als veraltet galt. In den wirtschaftlich guten Zeiten (vgl. 05. Wirtschaftlicher Kontext) war Kapital für eine grundlegende Umgestaltung und Erweiterung des Garten und Parks vorhanden.[12] Verantwortlich für die Umgestaltung war der Gärtner Oluf Nyquist[13] (1765–nach 1824), der den Park in zwei Richtungen erweiterte: südlich des Kanals entstand in einem leicht hügeligen Gebiet ein Laubwald mit einheimischen Gehölzen und mit Schlängelwegen sowie mit einem von Brücken überspannten kurvigen Wasserlauf, der in einem kleinen Teich mit unregelmäßigen Ufern mündet,[14] wie auf der heute verschollenen Karte von 1867 dargestellt (Abb. 34). Dieser Bereich des Parks ist heute noch relativ unverändert erhalten (Abb. 230–233).

Weitgehend verloren ist hingegen die Erweiterung des Parks Richtung Westen, die wahrschinlich vor 1806 erfolgte:[15] in dieser Himmelsrichtung wurde der Park bis zum kongehøien (Königshügel) ausgeweitet und mit einem ‚natürlichen‘ Holzzaun eingegrenzt.[16] Den so nochmals erheblich vergrößerten ‚wilderen‘ Parkbreich durchzog ein ausgedehntes Wegenetz, das durch stärker profiliertes Gelände zum etwa sechs Meter aufragenden Königshügel führte (Abb. 235). Dort standen um 1800 nun sieben Säulen zur Erinnerung an königliche Besuche (Abb. 234).[17] Von der Erhebung hatte man einen guten Blick auf den imposanten Wasserfall Sarpsfossen,[18] der im Zeitalter der beginnenden Romantik als eines der ‚erhabenen‘ Naturwunder Norwegens galt und viele Reisende anzog.

Noch bevor der Gärtner Nyquist Hafslund 1824 nach dem Verkauf verließ (vgl. 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert), veranlasste Marcus Gjøe Rosenkrantz[19] (1762–1838) vor 1809 auf dem Königshügel den Bau eines Rundtempels aus Holz, der bereits auf dem Aquarell von Gustaf Lewenhaupt[20] (1791–1873) aus dem gleichen Jahr zu sehen ist (Abb. 217).[21] Der Tempel war vom runden Vestatempel in Tivoli am dortigen Wasserfall angeregt.[22] Diese Tempelruine war ein Motiv, das auf zahllosen Darstellungen wiedergegeben und in englischen Landschaftsgärten nachgestaltet wurde und sich im Zeitalter der Empfindsamkeit insgesamt einer großen Beliebtheit erfreute.

Abb. 212 Jacob Nicolai Wilse, Plan des berühmten Wasserfalls Sarp im Glommen Strom in Norwegen mit dem grossen Erdfalle daneben, 1798, Königliche Bibliothek Kopenhagen
Abb. 112 Elias Meyer, Bogstad gård, Oslo Museum
Abb. 113 Elias Meyer, Bogstad gård, Oslo Museum
Abb. 34 Hafslund, Gutsanlage, Karte 1867, verschollen
Abb. 235 Hafslund, Königshügel, Weg, 2022
Abb. 42 Johan August Anckarswärd, Sarpsfossen, © Nationalmuseum

Wasserraduhr

Eine weitere Besonderheit im Park stellte ein Wasserraduhr dar.[23] Von Gabrielsen umfänglich untersucht und in der Mechanik beschrieben,[24] stand diese um die Wende zum 19. Jahrhundert erbaute Uhr südlich vom kongehøien (Königshügel) und wurde mit Wasserkraft betrieben.[25] Zusätzlich veranlasste Marcus Gjøe Rosenkrantz[26] (1762–1838) den Bau eines hölzernen Turms, der zusammen mit dem Rundtempel auf dem Königshügel auf der Zeichnung Sarpsfossen in Norwegen von Johan August Anckersvärd[27] (1783–1874) aus dem Jahr 1827 abgebildet ist (Abb. 42).[28] Vermutlich um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Park in Hafslund zu verfallen und mit ihm wohl auch die Wasserraduhr.[29] Heute hat sich lediglich ein Teil des metallenen mechanischen Uhrwerks erhalten (Abb. 236).

  1. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q1669655 (08.05.2025); https://nbl.snl.no/Jacob_Nicolaj_Wilse (08.05.2025).
  2. Vgl. Wilse 1791, S. 208, https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10621025?page=220,221 (08.05.2025).
  3. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q4937788 (28.08.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Bogstad_gård (28.08.2024).
  4. Auch Peder, vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q17130849 (31.07.2024).
  5. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 29.
  6. Auch Mumssen, vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q1449731 (31.07.2024).
  7. Zitiert nach Schulerud 1974, S. 115.
  8. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q3719487 (11.07.2024).
  9. Vgl. Schnitler 1916, S. 184.
  10. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q1894190 (11.07.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Marcus_Gjøe_Rosenkrantz (11.07.2024).
  11. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 30.
  12. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 30. Zu Oluf Nyquist vgl. Skard 1936, S. 134 sowie Gabrielsen 1959, S. 56–57.
  13. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 30.
  14. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 31.
  15. Vgl. Hvinden-Haug 2009, S. 45.
  16. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 35.
  17. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 34–37. Der hölzerne Rundtempel auf dem Hügel wurde erst 1815 errichtet und 1905 bei einem Sturm zerstört. Der heute im Park vorhandene Tempelbau orientiert sich an dem hölzernen Rundtempel.
  18. https://www.wikidata.org/wiki/Q2225091 (12.07.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Sarpefossen (12.07.2024). Der Sarpsfossen ist der wasserreichste Wasserfall in Europa mit – bei gleicher Fallhöhe – einer deutlich höheren Durchflussmenge als der Rheinfall bei Schaffhausen, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Sarpsfossen (12.07.2024).
  19. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q1894190 (11.07.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Marcus_Gjøe_Rosenkrantz (11.07.2024).
  20. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q5949070 (02.07.2025).
  21. Vgl. Hvinden-Haug 2009, S. 43, Anm. 151.
  22. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 36, spricht vom Vorbildcharakter des 1777–1778 durch Richard Mique errichteten Armortempels in Versailles, der über Druckgraphik wohl bekannt war. Der Monopteros in Versailles besitzt zwölf korinthische Steinsäulen im Gegensatz zum hölzernen Rundbau in Hafslund mit nur acht toskanischen Säulen. Auch dieser auf einer Garteninsel gelegene Tempel in Versailles geht motivisch letztlich ebenfalls auf den Vestatempel in Tivoli zurück.
  23. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 38–47.
  24. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 41–46.
  25. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 38.
  26. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q1894190 (11.07.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Marcus_Gjøe_Rosenkrantz (11.07.2024).
  27. Auch Anckarswärd, vgl. AKL, Bd. III, 1992, S. 344; https://www.wikidata.org/wiki/Q5552875 (09.05.2025); https://sv.wikipedia.org/wiki/Johan_August_Anckarsvärd (09.05.2025).
  28. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 38.
  29. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 40.
Abb. 236 Mechanik der Wasseruhr aus dem Park in Hafslund