10. Wirtschaftsgebäude
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06.00 Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 06.01 Familie Nielsen, geadelt Werenskiold
- 06.02 Familie Elieson
- 06.03 Maren Juel und ihre drei Ehemänner
- 07.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 07.01 Vorgängerbau
- 07.02 Neubau des Herrenhauses 1758–1762
- 07.03 Beschreibung Herrenhaus
- 07.04 Architektur
- 08.00 Innenräume im 18. Jahrhundert
- 08.01 Erdgeschoss
- 08.02 Obergeschoss
- 08.03 Sockelgeschoss und Sammlungen
- 09.00 Garten und Park
- 09.01 Garten
- 09.02 Park
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 14. Quellen- und Literaturverzeichnis
Überblick |
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Von den umfangreichen Gebäuden für den Sägemühlenbetrieb, die den Reichtum Hafslunds im 18. Jahrhundert erwirtschafteten, ist heute nichts mehr erhalten (Abb. 17, 42, 234). Diese Nutzbauten sind über Karten, Gemälde und einige Fotographien nur unzureichend dokumentiert. Über die Wirtschaftsbauten der Gutsanlage (norwegisch ladegårdsanlegget) für die eigentliche Landwirtschaft in Hafslund im 18. Jahrhundert ist noch weniger bekannt. Die Ursache dafür ist sowohl in deren untergeordneter Bedeutung für die Gutserträge als auch in fehlender Dokumentation zu vermuten.[1] In Hafslund wurde Landwirtschaft offenbar vor allem zu Selbstversorgung betrieben.[2] Auch die Forschung erwähnt die Wirtschaftsgebäude Hafslunds allenfalls am Rande,[3] denn – wie Schulerud herausstellt – obwohl Landwirtschaft und Bergbau eine gewisse Rolle in Südnorwegen spielten, sei der Holzhandel bei weitem der wichtigste Wirtschaftszweig der Region gewesen,[4] und Untersuchungen über Hafslund hätten sich daher auf die vergleichsweise besser dokumentierten Sägemühlen konzentriert. |
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Wirtschaftsgebäude vor dem Brand von 1758Die früheste bekannte Darstellung mit Hafslunds Sägewerken und Gutsgebäuden ist das Gemälde des auf Portraits und Landschaften spezialisierten flämischen Malers Jacob Coning[5] (1647–1724) (Abb. 17, 20).[6] Dort sind im Mittelgrund die zahlreichen Gebäude und Anlagen zur Holzverarbeitung und wohl die Quartiere der Arbeiter als Holzbauten zu erkennen. Im Hintergrund auf dem Hügel sieht man das Herrenhaus von Hafslund, vor dem auf der Anhöhe zwei langgestreckte, im rechten Winkel angeordnete Nebengebäude – vermutlich Scheunen oder Ställe als eigenständige Holzbauten – zu erkennen sind. Im Laufe der 1720er Jahre[7] entstand eine Karte des Erdrutsches von Borregaard (Abb. 106),[8] die auch klein die Gebäude von Hafslund und die Sägemühlen zeigt. Gegenüber dem Herrenhaus sieht man sicher zwei (vielleicht drei?) längliche im Winkel angeordnete Nebengebäude, während am unteren Rand des Blatts der Stapelplatz und einige ungeordnet platzierte Gebäude zur Holzverarbeitung eingetragen sind, die weitgehend den Nebengebäuden auf Conings Gemälde entsprechen dürften. Im Jahr 1733 malte Henrich Willumsen (belegt im 18. Jhdt.)[9] eine naiv anmutende Darstellung des Wasserfalls Sarpsfossen[10] mit einem Blick in die umgebende Landschaft: Vor rechts nach links sind der übergroße Wasserfall, das Herrenhaus Hafslund, der Aussichtspunkt des so genannten Königshügels (norwegisch kongehøien), Stapelplätze der Holzverarbeitung und Unterkünfte der Arbeiter zu erkennen. Auch diese Darstellung wurde variiert und als Kupferstich kopiert (Abb. 108).[11] Auf diesen Vorlagen beruht auch das naiv anmutende Gemälde um 1747–1750 des Malers Johannes Rach (1720–1783) im Nationalmuseum in Kopenhagen (Abb. 107). Aufgrund der in den Größenverhältnissen verzeichneten Darstellungsweise, sind zu den Arbeiterunterkünften keine gesicherten Informationen zu erschließen, doch die Wirtschaftsgebäude gegenüber dem Geviert des Herrenhauses werden in diesem Gemälde erstmals direkt auf das Hauptgebäude bezogen und symmetrisch in Form eines Us dargestellt. Das etwa ein Jahrzehnt später 1746/47 gefertigte Gemälde von Mathias Blumenthal[12] (1719–1763) (Abb. 109),[13] stellt im Hintergrund auch die Gebäude in Hafslund dar. Die Nebengebäude ähneln jenen auf älteren Darstellungen, da sie frei stehen, doch sind die Wirtschaftsgebäude wie auf Rachs Gemälde nun u-förmig angeordnet. Von den Gebäuden im Zusammenhang mit der Holzverarbeitung sieht man aus dem Blickwinkel des Gemäldes nur einen kleinen Teil, der bestenfalls die unregelmäßige Anordnung der Bauten bestätigt (Abb. 63). Blumenthals Gemälde ist die letzte Darstellung der älteren Gebäude in Hafslund vor dem Brand 1758. |
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Wirtschaftsgebäude nach dem Neubau 1764 |
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Das Aquarell Vue de Hafslund [...] aus den 1760er Jahren (Abb. 133) zeigt gegenüber dem Herrenhaus erstmals die Kopfbauten der Wirtschaftsgebäude in Fom von zwei quadratischen Pavillons mit Zeltdach und anschließenden niedrigeren eingeschossigen Wirtschaftsbauten. Vielleicht alle diese Gebäudeteile aber zumindest die Kopfbauten wurden im Zusammenhang mit dem Neubau des Herrenhauses errichtet.[14] Bei den Kopfbauten handelt sich um Fachwerkbauten, die erst im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts mit rotem Backstein und Eckrisaliten aus hellem Haustein verkleidet wurden (Abb. 35, 237).[15] Wie in der Anzeige zur Versteigerung 1774 beschrieben, waren die Pavillone ursprünglich verbrettert und gelb gestrichen.[16] Die Innenräume wurden vor allem als Quartier für Dienstboten genutzt.[17] Die Pavillons waren mit dem Hauptgebäude durch Mauern, in denen zweiflügelige große Tore angeordnet waren, verbunden, sodass ein geschlossener 'Herrenhof' entstand (Abb. 240). Diese vermutlich im Laufe des 19. Jahrhunderts während der Nutzung als Firmenzentrale entfernten Hofmauern, wurden während der Restaurierung 1936–1937 durch den Architekten Arnstein Arneberg[18] (1882–1961) im Verlauf der ost-westlichen Querallee an der aktuellen Grundstücksgrenze in vergleichbaren Formen wieder neu errichtet (Abb. 238, 239, 241). Die Anzeige zur Versteigerung von 1774 benennt auch die Nutzungen der an die zweigeschossigen Kopfbauten anschließenden eingeschossigen Nebengebäude:[19] Die westlichen Wirtschaftsgebäude bestanden aus Wagenhaus, einem Stall mit vier Abteilungen, einer Scheune mit Taubenschlag, zwei Heuböden, weiteren Scheunen, einem Stall für Jungtiere sowie einem Schweinestall, wobei ein Eiskeller unter der Scheune angeordnet war. Die östlichen Wirtschaftsgebäude umfassten einen kleinen Wagenschuppen, einen Geräteraum, zwei Pferdeställe mit je vierzehn Boxen, zwei Heuböden, einen separaten Stall und einen Stall für junge Pferde, was eine Gutsanlage beachtliche Größe darstellt. Die benannten Taubenhäuser, die als kleine Aufbauten mit geschwungenen Hauben auf den Nebengebäuden angebracht waren, sind auf einer weiteren Zeichnung Pauelsens zu sehen (Abb. 224).[20] Nach 1764 waren die Gebäude für die Landwirtschaft demnach unmittelbar auf die Seitenflügel des Herrenhauses bezogen (Abb. 237) und entsprachen vermutlich in der Ansicht an der Mittelachse weitgehend dem heutigen Aussehen. Aus der Anzeige zur Versteigerung von 1774 geht auch hervor, dass die Zahl der Sägemühlen – wie im königlichen Dekret festgelegt (vgl. 05. Wirtschaftlicher Kontext) – immer noch bei siebzehn lag, die jährlich etwa 213.400 Bretter herstellen konnten. Weiterhin gab es vierzehn Häuser, die als Unterkünfte für die Angestellten dienten, sowie vier Mühlen mit insgesamt vierzehn Mahlwerken.[21] Diese Bauten sind auf der Zeichnung vom Sägewerk am Sarpsfossen von Erik Pauelsen[22] (1749–1790) eingetragen (Abb. 234). Das Blatt entstand, als der dänischer Zeichner, Kupferstecher und Maler Hafslund im Jahr 1788 besuchte.[23] eine weitere Zeichnung (Abb. 242), die noch vor der Errichtung des Rundtempels auf dem Königshügel im Jahr 1815 entstanden ist (vgl. 09.02 Park) und daher vielleicht auch aus der Hand von Pauelsen stammen könnte, zeigt das frühindustrielle Sägewerk mit seinen Gebäuden am Flussufer aus einem anderen Blickwinkel. Die drei Landkarten aus den Jahren 1794 und 1795 (Abb. 211, 223, 243, 245) geben die Gutsanlage leider sehr unterschiedlich wieder, sodass daraus keine zuverlässigen Erkenntnisse für den Gebäudebestand gezogen werden können. Gleiches gilt für das Sägewerk und die Gebäude am Flussufer, die in der Darstellung voneinander abweichen. Ähnlich unzuverlässig erweist sich die die Karte von Jacob Nicolai Wilse[24] (1736–1801) aus dem Jahr 1798/1799 (Abb. 212), auf der die Flügel des Herrenhauses nicht in einer Flucht mit den Wirtschaftsgebäuden liegen. Alle anderen Darstellungen nach dem Brand sind in diesem Punkt einheitlich wiedergegeben, wenngleich die wohl existierende Hofsituation mit der Verbindung von Herrenhaus und Wirtschaftsbauten durch eine Mauer mit Tor wie Aquarell Vue de Hafslund [...] aus den 1760er Jahren (Abb. 133) dargestellt, teilweise als durchgängier Flügelbau interpretiert werden wie beispielsweise auf den Karten von 1794/1795 (Abb. 211, 223, 243, 245). Diese Karten aus dem späten 18. Jahrhundert zeigen erstmals eine Systematisierung der Nebengebäude des Sägewerks, bei denen es sich vermutlich um neue Quartiere für die Arbeiter handelt, die geordnet in einer Reihe errichtet wurden und auf den Karten von 1804 mit gegenüberliegenden grün eingetragenen Gartenparzellen zu erkennen sind (Abb. 245, 246). Erst auf diesen Karten aus dem frühen 19. Jahrhundert werden die Gebäude für die Landwirtschaft weitgehend korrekt wiedergegeben, wie etwa auf den Karten von 1804 (Abb. 245, 246) und vor allem im Aquarell Gustaf Lewenhaupts[25] (1791–1873) aus dem Jahr 1809 (Abb. 240). Auf dem Blatt ist sowohl die begrenzende Hofmauer mit dem Durchfahrtstor klar zu erkennen, als auch das Herrenhaus mit den in einer Flucht angeordneten Wirtschaftsbauten.[26] Die auf einem weiteren Aquarell Lewenhaupts[27] (1791–1873) aus südwestlicher Blickrichtung rechts dargestellte Gebäudegruppe – bestehend aus Herrenhaus, Portiersgebäude, Verbindungsmauer und Kopfbau der Wirtschaftsbauten (Abb. 244) – wird sowohl durch die Karte von 1822 (Abb. 215) als auch dem Lageplan für die norwegische Feuerkasse von 1846 (Abb. 36) bestätigt.[28] Die dort nicht dargestellte Sägewerksanlage bestand bis ins späte 19. bzw. frühe 20. Jahrhundert (Abb. 215), bevor die jahrhundertealte Holzwirtschaft nach und nach durch die Produktion von Elektrizität aus Wasserkraft als Haupterlös der Gutsanlage abgelöst wurde.[29] Die Karte von 1905 zeigt sowohl ein Sägewerk, eine Sulfitfabrik als auch ein Elektrizitätswerk am Flussufer (Abb. 25), wobei die Stromgewinnung aus Wasserkraft mehr und mehr an Bedeutung gewinnen sollte.[30]
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