11. Kirche und Dorfstrukturen

From Herrenhäuser
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Patronatskirche

Anders als es in Norwegen vielfach üblich war,[1] befand sich die Grablege von Hafslund im 18. Jahrhundert nicht auf dem Gutsgelände sondern in Skjeberg[2] (Abb. 33, 59). Die Patronatsrechte der Kirche[3] (Abb. 32) wurden erst im Jahr 1723 von Niels Werenskiold[4] (1669–1741) für Hafslund erworben,[5] doch die Kirche erfuhr schon zuvor Stiftungen der Besitzenden aus Hafslund[6] und diente spätestens seit dem Begräbnis von Werner Nielsen[7] (1625–1695) als deren Grablege.[8]

Der schlichte rechteckige Bau der Kirche[9] (Abb. 32) aus dem 13. Jahrhundert in Skjeberg[10] wurde bereits im Jahr 1016 von König Olav II. Haraldsson[11] dem Heiligen (um 995–1030, 1015 König) gegründet.[12] Dieser altehrwürdige Bau erhielt von den Besitzenden aus Hafslund schon vor der Übernahme der Patronatsrechte im frühen 18. Jahrhundert immer wieder Stiftungen: so sind vielleicht der Dachreiter (1650) (Abb. 32), die Kanzel (1623) (Abb. 247) – wohl gestiftet von Daniel Ottesen Bildt[13] (1590–1664) – und im Verlauf des 17. Jahrhunderts die Galerie mit dem sogenannten ‚Hafslundstuhl‘ als Gestühl für die Familie des Gutsbesitzers (Abb. 249) – sowie weitere Ausstattung im 17. Jahrhundert auf Stiftungen aus Hafslund zurückzuführen.[14]

Der Schalldeckel der Kanzel wurde in den 1730er Jahren von Niels Werenskiold[15] (1669–1741) gestiftet.[16] Das Altargemälde mit einer von Rembrandt inspirierten Kreuzabnahme (Abb. 248) kam 1760 als Stiftung von Peter Elieson[17] (1729–1773) und seiner Frau Anna Elieson, geb. Collett[18] (1731–1772) in die Kirche.[19] Auch der Hochaltar mit schwerer Retabelarchitektur stammt vermutlich aus dieser Zeit (Abb. 248). Der Einbau der Orgel 1785–1790 (Abb. 249) erfuhr – nach seiner Heirat 1791 neuer Herr auf Hafslund – die Förderung durch Ole Christopher Wessel[20] (1744–1794).[21] Für den plötzlich Verstorbenen ließ seine Frau Maren Juel[22] (1749–1815) in der Kirche von dem Architekten Jørgen Henrik Rawert[23] (1751–1823) ein Epitaph errichten (Abb. 95).[24]

Auf dem Kirchhof (Abb.33 ) stehen die Grabkapellen der Familien Werenskiold[25] (Abb. 64) und Holter (Abb. 91) aus Hafslund.[26] Die Kapellen sind einfache Bauten über quadratischem Grundriss mit einem Zelt- (Familie Werenskiold, 1748 oder 1753[27] erbaut) oder Segmentbogendach (Familie Holter, von Jørgen Henrik Rawert[28] (1751–1823) erbaut in den 1790er Jahren)[29] und bewahren noch heute die Särge bzw. Grabmonumente der Verstorbenen (Abb. 250, 251).[30] Die ganze Anlage in Skjeberg zeugt von der jahrhundertealten Partonage der Herren auf Hafslund.

Abb. 59 Skjeberg, Screenshot Openstreetmap, 2025
Abb. 247 Skjeberg, Kirche, Innenraum, Kanzel mit Schalldeckel, 2022
Abb. 248 Skjeberg, Kirche, Innenraum, Chor mit Hochaltar, Ansicht, 2022
Abb. 249 Skjeberg, Kirche, Innenraum, Orgel, Ansicht, 2022
Abb. 95 Skjeberg, Kirche, Innenraum, Wandgrab von Ole Christopher Wessel, 2022

Dorfstrukturen

Eine 'richtige' Dorfanlage hat es in Hafslund nie gegeben, aber vielfältige Bauten für die Angestellten der Sägewerke. Von den zahlreichen Gebäuden aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die als Unterkünfte dienten und neben den Sägemühlen lagen (Abb. 234), hat sich bis heute nichts erhalten (vgl. 10. Wirtschaftsgebäude). Nach den überlieferten Bildquellen zu urteilen folgte die Anordnung der Häuser für die Arbeitenden keinem größeren Generalplan, sondern war viel mehr durch den Verlauf des Flussufers und des Geländes bestimmt. Allerdings weichen die bekannten Darstellungen auf zeitgenössischen Karten voneinander ab, wobei die Mehrheit entlang eines Weges angeordnete Bauten zeigt, die – je nach Karte – anfänglich in unterschiedlicher Größe an einem gewundenen Weg (1794) (Abb. 211) und später gleichgroß in einer Reihe an einem geraden Weg (1804, 1822, 1905) (Abb. 215, 245, 25) dargestellt werden. Vieles spricht daher dafür, dass Häuser für die Arbeitenden im späten 18. Jahrhundert neu und geordnet errichtet wurden, jedoch ohne dabei wie in einer barocken Planung auf das auf der Anhöhe gelegenen Herrenhaus ausgerichtet zu sein. Mit den auf den Karten von 1804 dargestellten vorgelagerten Gärten (Abb. 245) scheinen eher englische humanistische Ideale von einer Verantwortung der Besitzenden für ihre Angestellten die Planungen beeinflusst zu haben.

  1. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 12.
  2. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q1988168 (11.07.2024).
  3. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q6495600 (11.07.2024).
  4. Auch Nils, vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q18370164 (11.07.2024).
  5. Vgl. Hvinden-Haug 2009, S. 49.
  6. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 12–14; Hvinden-Haug 2009, S. 35.
  7. Auch Verner, vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q107353176 (11.07.2024).
  8. Vgl. Schulerud 1974, S.
  9. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q6495600 (11.07.2024).
  10. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q1988168 (11.07.2024).
  11. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q208331 (16.06.2025); https://de.wikipedia.org/wiki/Olav_II._Haraldsson (16.06.2025).
  12. Olaf der Heilige war eine Symbolfigur für die nationale Identitätsbildung insbesondere im 19. Jahrhundert. Seine Bestrebungen zur Christianisierung des Landes dienten vor allem zur Vergrößerung und Zentralisierung der königlichen Macht in Norwegen, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Olav_II._Haraldsson (16.06.2025)
  13. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q17764719 (27.08.2024).
  14. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 12–13, Hvinden-Haug 2009, S. 35.
  15. Auch Nils, vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q18370164 (11.07.2024).
  16. Vgl. Schulerud 1974, S. 63.
  17. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q30278327 (11.07.2024).
  18. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q16275226 (30.07.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Collett (30.07.2024).
  19. Vgl. Trapness 2006.
  20. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q7085824 (17.07.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Ole_Christopher_Wessel (17.07.2024).
  21. Vgl. Trapness 2006.
  22. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q3719487 (11.07.2024).
  23. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q11979691 (03.09.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Jørgen_Henrik_Rawert (03.09.2024).
  24. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 12–13.
  25. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q18182660 (11.07.2024).
  26. Gabrielsen 1959, S. 12 beschreibt die fehlende Grablege auf dem Gut als unüblich.
  27. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 13 spricht von 1748, Schulerud 1974, S. 72 von 1753.
  28. Vgl. https://www.wikidata.org/wiki/Q11979691 (03.09.2024); https://no.wikipedia.org/wiki/Jørgen_Henrik_Rawert (03.09.2024).
  29. Vgl. Schulerud 1974, S. 106–107.
  30. Vgl. Gabrielsen 1959, S. 13.
Abb. 234 Erik Pauelsen, Sarpfossen og Konghøjen ved Hafslund, um 1788, (Foto einer Zeichnung), Detail, Kgl. Bibliothek, Dänemark
Abb. 242 Sarpsfossen, Wasserfall mit Blick auf Sägewerke und Königshügel, Ölgemälde, Norsk Folkemuseum