03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert

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Der dänische König Erik IV. Plovpenning bestätigte 1249 Besitzungen im Gebiet Kusall, welche bereits der Herzog Knut (Canuto) Zisterziensermönchen aus dem Roma Kloster auf Gotland zugesprochen hatte.[1] Die Erwähnung eines Dorfes „Kolco“ erfolgte nachweislich 1290.[2]

Im Jahr 1519 tauschten die Mönche Kolk gegen Dänemarknahe Besitzungen mit König Christian II. von Dänemark. Es folgten einige Pächter. Der dänische König Christian III. verlieh das Gut 1558 an den Militär Christoph Mönnikhusen (Christoph von Münchhausen). Im selben Jahr brach der Livländische Krieg, als einer der frühen, zur langen Folge der Nordischen Kriege gehörend, aus. Er brachte Tod und Zerstörung nach Kolga. Das Gut wurde ein erstes Mal von den Truppen des russischen Zaren Ivans IV. („der Schreckliche“) auf deren Weg nach Reval (heute Tallinn) zerstört; die Soldaten brandschatzten und mordeten. Während der weiteren Kriegsjahre gelangte Kolga in schwedischen Kronbesitz. Schließlich belehnte der schwedische König Johann III. seinen findigen Feldherrn Pontus De la Gardie 1581 mit Colko.[3]

Zum neuen Besitzer und zum Ausmaß des Gutes im Jahr 1591 heißt es in der Chronik von Carl Julius Paucker: „In einem Land= und Wackenbuch von 1591 ist Kolcka=gardh, welches König Johann III. schon am 13. und 20. Juni 1581 seinem Feldherrn Pontus de la Gardie verliehen hatte, mit 101 Haken u. 14. Lostreibern, 32 Standbauern, 4 Mühlen mit 4 Haken und 4 Einfußlingen, auch 4 Kruger mit 51/2 Haken Land verzeichnet.“[4] Außerdem zählten die Ruine eines Steinhauses, ein Burghaus, eine Scheune, eine Brauerei, ein Viehhof sowie ein Stall zum Gut.[5]

Mit Pontus De la Gardie begann die lange Herrschaft der einflussreichen schwedisch-stämmigen Familien De la Gardie und Stenbock auf dem Gut Kolga. Während der andauernden Konflikte der Nordischen Kriege wurde Kolga 1602 ein weiteres Mal zerstört. Beim zweiten Mal waren es polnische Truppen, die brandschatzen und das Gut in Trümmer legten. Aber auch ruinös diente Kolga während des Krieges als Rastplatz und Unterschlupf für durchziehende Boten und Söldner.[6] Ein frühes bildliches Zeugnis von Kolga zeigt diesen Umstand anschaulich. Es handelt sich dabei um eine Zeichnung des holländischen Gesandten Antonis Goeteeris, die er 1615 während der Durchreise anfertigte. In dem nach der Zeichnung gefertigten Stich erkennt man ruinöse, aber auch erhaltende bzw. instandgesetzte Gebäude. Der estnische Kunsthistoriker Armin Tuulse schrieb dazu:

„(…) Die Zeichnung von Goeteeris aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts zeigt, dass es sich dort um eine ziemlich ansehnliche Gebäudegruppe gehandelt hat (…). Die einstige Höhe des rechts liegenden Gebäudes zeigt der damals noch erhalten gewesene Schornstein, der die Annahme eines turmartigen Wohnhauses gestattet, welche Traditionen noch im 15. Jahrhundert weiterlebten. Nach dem Aufkommen der Feuerwaffen wurde die ursprüngliche Anlage an einer Ecke durch einen grossen Rundturm ergänzt. Auch das links befindliche kleine Nebengebäude kann aus dem Spätmittelalter stammen, worauf auch der kleine Danskererker zwischen den beiden später erweiterten Fenstern hinweist.“[7]

Ab 1615 gehörte das Anwesen dem Sohn von Pontus, Jacob De la Gardie (schwedischer Generalgouverneur von Livland) (Abb. 4). Er wurde zum ersten ambitionierten Bauherrn nach der längst vergangenen Herrschaft der Mönche. Für Kolga ließ er Hans Jacob Kristler einen Entwurf anfertigen. Umgesetzt wurde der Bau, vom dem bisher kein Zeugnis bekannt ist, von einem Maurermeister und Ingenieur Hoffmann, den Jacob für seine Dienste gut bezahlte. Der Kunsthistoriker Juhan Maiste geht davon aus, dass das Herrenhaus Kolga Ähnlichkeit mit den Bauten des Grafen in Schweden gehabt haben muss und führt unter anderem Jacobsdal (später Ulriksdal) an.[8]

Jacob vererbte das Gut zusammen mit der Insel Hiiumaa an seinen jüngsten Sohn Axel Julius De la Gardie (schwedischer Generalgouverneur von Estland). Dieser verkaufte Kolga an seine Schwester Christina Catharina De la Gardie (Abb. 5), die in zweiter Ehe mit dem schwedischen Flottenadmiral Gustav Otto Stenbock (Abb. 6) verheiratet war. Diese Verbindung sicherte das Gut für die zukünftigen Grafen Stenbock. Kolk wurde während der schwedischen Güterreduktion höchstwahrscheinlich nicht enteignet und durch das Bestreben Christina Catharinas um 1699 zum Fideikommiss.[9]

Im Jahr 1686

Revisionsprotokolle belegen, dass Kolga bereits im späten 17. Jahrhundert eine überdurchschnittliche Größe hatte.[10] Um das Jahr 1686 existierten zwei Herrenhäuser, ein großes aus Stein, schmal und lang (ca. 45 x 10,8 m) sowie ein ebenfalls schmales und etwas kleineres Haus aus Holz (34,2 x 9 m). Das Gut umgaben Holzzäune. Es gab zahlreiche Nebengebäude sowie einen großen Garten. Auf der Südseite befanden sich zum Beispiel zwei aneinandergebaute Speicher und eine Wagenremise (24 x 7,8 m).[11] Im westlichen Areal des Gutes gab es ein weiteres hölzernes Haus, ein Badehaus, zwei Sommerküchen, einen Viehhof sowie eine Vielzahl Ställe.[12] Auch der Küchengarten lag westlich. Der barocke Garten war in Quadratische Beete geteilt, es existierten drei Fischteiche.

Im Norden des Gutes wurde Hopfen angebaut, außerdem gab es Bienenstöcke, mit denen Honig und Wachs gewonnen wurden. Beeindruckend ist die Zahl der überlieferten Obstbäume: Insgesamt wurden im Garten 72 tragende Apfelbäume, 11 junge Apfelbäume, 218 tragende Kirschbäume sowie 200 junge Kirschbäume gezählt.[13]

Detaillierte Informationen zum Gutsensemble um das Jahr 1686 sind bei Maiste 2023, Bd. 2, S. 174-177 zu finden. Außerdem gibt es Informationen zum Gut im Revisionsprotokoll Harjumaa adramaarevisjon (dt. Landesrevision Harju) 1686-1689, EAA.1.2.940 (14-99; 8-48p): https://ais.ra.ee/en/description-unit/view?id=200251171132

  1. Vgl. Hiärn 1942, S. 287.
  2. Vgl. Bunge, Toll 1856, No. 25, S. 24. Vgl. außerdem: Maiste 2023, Bd. 2, S. 164.
  3. Vgl. Maiste 2023, Bd. 2, S. 167-168.
  4. Paucker 1847, S. 63.
  5. Vgl. Maiste 2023, Bd. 2, S. 167-169.
  6. Vgl. Maise 2023, Bd. 2, S. 169.
  7. Tuulse, Armin: Die Burgen in Estland und Lettland, Dorpat 1942, S. 287-288.
  8. Vgl. Maiste 2023, Bd. 2, S. 169-171.
  9. Vgl. Maiste 2023, Bd. 2, S. 177. Vgl. außerdem: Feldmann, Mühlen, Westermann, Bd. 1 Estland, 1985, S. 246; Ravusarhiv Tartu EAA.858.2.1416, Extract aus dem Testament der Gräfin Christina de la Gardie über Errichtung des Fideicommisses. Kolk den 30. August 1699; EAA.858.2.2799, Testament und Fideicomissstiftung der Gräfin Christina de la Gardie, Witwe des Reichsadmirals Grafen Gustav Otto Stenbock, zu Kolck etc. Torpa den 30. August 1699. Kopie.
  10. Vgl. Maiste 2023, Bd. 2, S. 175.
  11. Vgl. Maiste 2023, Bd. 2, S. 175. J. Maiste bezieht sich auf die Protokolle Harjumaa adramaarevisjon (dt. Landesrevision Harju) 1686-1689, EAA.1.2.940 (14-99; 8-48p).
  12. Vgl. Maiste 2023, Bd. 2, S. 175.
  13. Vgl. Maiste 2023, Bd. 2, S. 175-176.
Abb. 4 Jacob De la Gardie (1583–1652)
Abb. 5 Christina Catharina De la Gardie (1632–1704)
Abb. 6 Gustav Otto Stenbock (1614–1685)