04. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
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Nach zahlreichen Kriegen und ungelösten Konflikten, begann das 18. Jahrhundert mit dem Großen Nordischen Krieg. Das Gut Kolga war erneut von Zerstörung und Verfall betroffen.[1] Auch die Zuständigkeiten änderten sich einmal mehr. Als siegreiches Kaiserreich übernahm Russlands Herrscher Peter I. (Abb. 7) die Kontrolle im Baltikum. Kolga geriet in russischen Kronbesitz. Zunächst erhielt das Gut der ehemalige Generalgouverneur Finnlands Gustav Otto Graf Douglas, der nach der von Schweden verlorenen Schlacht bei Poltawa ins russische Lager gewechselt war.[2] Seit dem Tod von Christina Catharina De la Gardie befand sich Kolga eigentlich im Besitz ihres Sohnes Magnus Stenbock (Abb. 8). Um die Mitte der 1720er Jahre meldeten die Stenbock-Erben ihre Ansprüche an. Der noch lebende älteste Sohn von Magnus, Bengt Ludvig Stenbock (Abb. 9), erhielt das Gut von Peter I. zurück und ließ sich spätens 1724 in Estland nieder. Er begann das Familienanwesen wieder herzurichten.[3] Diesem Ortswechsel von politischem Ausmaß soll 1723 ein Familienrat in Schweden voraus gegangen sein, auf dem Bengt Ludvigs Verabschiedung aus dem schwedischen Militär beschlossen wurde.[4] Bengt Ludvig, 1694 in Frankfurt am Main geboren, lebte bis zu seinem Tod 1737 als russischer Untertan in Estland und arbeitete als Landrat.[5] Nach dem Tod des Bruders übernahm der nächstälteste Stenbock das Gut: Fredrik Magnus (Abb. 10). Der schwedische Militär hatte mit seiner Frau Ebba Margareta De la Gardie und seinen Kindern zuletzt auf einem bescheidenen schwedischen Gut Hjälmshults Kungsgård in der Ortschaft Allerum, unweit der Stadt Helsingborg gelebt.[6] Auch Fredrik Magnus verwaltete Kolk sowie die dazugehörenden Höfe Kida (estn. Kiiu), Könda (estn. Kõnnu) und Neuenhof (estn. Loo). Er setzte sich juristisch mit ehemaligen Pächtern und Handwerkern sowie mit Ansprüche erhebenden Verwandten auseinander. Auch die vom Bruder hinterlassenen Schulden hielten ihn in Atem.[7] Ein politischer Zwiespalt, in dem sich die Familie befand, trat beim erneuten Kriegsausbruch zwischen Schweden und Russland (Russisch-Schwedischer Krieg 1741–1743) in den Vordergrund. Fredrik Magnus wurde in die schwedische Armee eingezogen, während seine Frau mit den Kindern vermutlich in Estland blieb, das seit 1721 russisches Gouvernement war. Dieser Situation begegnete Fredrik Magnus mit einer Entscheidung, die auch für seiner Söhne eine anhaltende Bedeutung hatte. Noch vor Kriegsende bat er um seine Entlassung aus dem schwedischen Militär und kehrte 1742 nach Kolga zurück.[8] Im russischen Gouvernement Estland arbeitete Fredrik Magnus als Landrat und wurde somit offfiziell Untertan der russischen Kaiserin Elisabeth I. Er starb knapp fünfzigjährig 1745 in Kolk. Nach dem Tod des Vaters übernahm der neunzehnjährige Sohn Carl Magnus Stenbock als direkter männlicher Erbe das Anwesen Kolk.[9] Dieser wiederum hatte als russischer Staatsrat sehr gute Kontakte zum Zarenhof.
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