04. Überblick zur Gesamtanlage
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 09. Garten und Park
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 14. Quellen- und Literaturverzeichnis
Geographische Lage |
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Ungurmuiža mõis (ehemals Orellen) ist eine historische Gutsanlage im Norden Lettlands, im Raiskuma pagasts der Gemeinde Cēsis (ehemals Wenden) in der historischen Landschaft Vidzeme (Livland) gelegen.[1] Das Gut befindet sich etwa 15 km nordöstlich von Cēsis und rund 80 km nordöstlich von Riga, im Gebiet des heutigen Nationalparks Gauja. Diese strategische Lage im Hinterland der livländischen Hauptstadt Riga und in der Nähe bedeutender Verkehrswege beeinflusste die wirtschaftliche und politische Bedeutung des Gutes über Jahrhunderte.[2] |
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Gutsanlage |
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Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts waren die Gebäude des Landguts um einen eckigen Hof angeordnet.[3] Im Laufe der Jahrzehnte erweiterte die Familie Campenhausen die Anlage kontinuierlich und fügte dem Ensemble zahlreiche Nebengebäude hinzu. Im Jahr 1738 entstand eine Kornkammer, 1750 wurde ein Viehstall errichtet, der allerdings 1880 abbrannte.[4] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine grundlegende Neuordnung der Wirtschaftsgebäude.[5] Diese wurden außerhalb des Hofes versetzt und rund um einen Teich neu errichtet.[6] Dort entstanden ein neuer Stall, ein Viehstall, ein Knechthaus und weitere Wirtschaftshäuser.[7] Die alten Wirtschaftsgebäude innerhalb des Hofareals wurden abgetragen.[8] Das Hauptgebäude der Gutsanlage Orellen ist als heute wohl einziges erhaltenes Beispiel eines hölzernen Herrenhauses aus dem 18. Jahrhundert in Lettland von außerordentlicher kunsthistorischer Bedeutung.[9] Das weitgehend in seiner Ursprungsform erhaltene Herrenhaus zeugt von der herrschaftlichen Wohnkultur des livländischen Adels zur Zeit der russischen Zaren im 18. Jahrhundert.[10] |
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Besitzverhältnisse |
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Die Familie von Campenhausen war von 1728 bis zur Umsiedlung der Deutsch-Balten im Jahr 1939 Eigentümer des Herrenhauses und der zugehörigen Gebäude, wenngleich das Anwesen im Zuge der lettischen Agrarreform von 1920 den größten Teil des Grundbesitzes verlor.[11] Bereits zuvor hatte die Gutsanlage während des Ersten Weltkriegs und der revolutionären Ereignisse von 1917 erhebliche Schäden erlitten.[12] Nach 1939 ging das Anwesen in das Eigentum des lettischen Staats über.[13] In der Sowjetzeit beherbergte das Herrenhaus von 1952 bis 1989 eine Schule, wodurch es vor dem Verfall bewahrt blieb, aber auch bauliche Veränderungen erfuhr.[14] Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Lettlands fiel die Anlage in den Besitz der Gemeinde Raiskums (heute Cēsu novads).[15] Ab den 1970er Jahren begannen systematische Restaurierungsarbeiten.[16] Im Jahr 2024 erfolgte die Privatisierung des Herrenhauskomplexes durch die Gemeinde, verbunden mit der Auflage, die öffentliche Zugänglichkeit des Kulturdenkmals zu gewährleisten.[17] Die Bewirtschaftung erfolgte lange Zeit durch den Verein Ungurmuiža.[18] Die Familie Campenhausen selbst erhebt heute keine Besitzansprüche mehr, pflegt aber den Kontakt zu ihrem ehemaligen Stammsitz in Orellen.[19] Heute steht Ungurmuiža unter Denkmalschutz und wird als Museum, Kultur- und Veranstaltungsort genutzt.[20]
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