04. Überblick zur Anlage
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Anlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 10. Wirtschaftsanlage
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Quellen- und Literaturverzeichnis
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Laut Direktorialvermessungskarte 1763[1] (Abb. 24-25) war das Gut Prebberede als Doppelhof organisiert. Die meisten Gebäude, die diesen umschlossen, sind erneut im „Plan vom Schlossgarten und -Hof zu Prebberede“ (1764)[2] (Abb. 29) dargestellt. Mit Wahrscheinlichkeit wurde in eine bestehende Gutsanlage[3] ab um 1770 ein neues barockes Herrenhaus hineingebaut. Ein aufwendiger Gartenentwurf, ebenfalls von 1764, baut auf der bestehenden Struktur eines regelmäßig in Kompartimente aufgeteilten Gartens (Direktorialvermessungskarte 1763) auf. Das elf Gebäude umfassende Dorf bzw. die Gutsarbeitersiedlung liegt entlang einer Straße östlich des Gutes. Das barocke Herrenhaus Prebberede der Familie von Bassewitz liegt am südlichen Ende des Haupthofes der axial ausgerichteten Gutsanlage. (Abb. 8) Zwei mächtige, mit Stroh gedeckte, aus Fachwerk und Backstein errichtete Scheunen bzw. eventuell Ställe flankieren das Hauptgebäude. Eine der Scheunen trug noch 1938 das Baudatum 1732 und gehörte somit einer frühen Bauphase des Gutshofes Prebberede an.[4] Sie blieb erhalten, als das barocke Herrenhaus um 1770 errichtet wurde. Der weite, offene Hof wurde im 18. Jahrhundert nach Norden von zwei quer zu diesem und parallel zum Herrenhaus stehenden (vermutlich Marstall-) Gebäuden abgeschlossen.[5] Inschriften geben die Jahresangaben zu Errichtung bzw. Umbau dieser Gebäude wieder: rechts vom Herrenhaus: 1768/1902, links vom Herrenhaus: 17[6]5/1900).[6] Ein im September 2023 durch den Bauforscher und Archäologen Dr. Steffen-Tilo Schöfbeck erstelltes dendrochronologisches Gutachten ergab, dass das Holz (Kiefer) des Kernbaus des Herrenhauses (Abb. 32) Prebberede im Winter 1768/1769 geschlagen wurde. [7] Das wohl ab um 1770 erbaute Herrenhaus (Abb. 2, 33-34) ist ein zweigeschossiges, elfachsiges, im Erdgeschoss massiv errichtetes, im Obergeschoss außen gemauertes, innen aus Fachwerk konstruiertes barockes Gebäude. Es zeigt einen Putzsockel, eine Putzpilastergliederung in Wandfeldern von je zwei Achsen und ein hohes Mansarddach (Biber) mit steiler unterer Neigung und Standgauben. Ein Geschossgesims hinterläuft die Pilaster. Die Mitte der vorderen (ehemals hofseitigen) und rückseitigen (Garten-) Fassaden sind durch identische dreiachsige, mit Dreiecksgiebeln bekrönte Mittelrisalite betont. Mittig liegen die Portale mit Freitreppen. Im (ehemals hofseitigen) Fassadengiebel wird das Allianzwappen (Abb. 37) Bassewitz/Lützow[8] präsentiert. Die Pilasterkapitelle (Abb. 38) zeigen Köpfe und Kriegsembleme. Die Fenster sitzen in Sandsteinfassungen mit geradem Sturz und Schlussstein.[9] Die in Prebberede während der 1990er Jahre beschäftigten Restauratoren äußerten die Vermutung, dass das Herrenhaus in der Bauzeit und bis in die frühen Jahre des 19. Jahrhunderts backsteinsichtig gewesen sein könnte (und danach für eine gewisse Zeit verputzt).[10] Damit wird es auch auf dieser Ebene vergleichbarer mit den Herrenhäusern Plüschow (Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, historisch Mecklenburg-Schwerin) und Pronstorf (Deutschland, Schleswig-Holstein, historisch Herzogtum Holstein). Ein eventuell um 1764 gestalteter Barockgarten könnte sowohl nach Süden als auch nach Osten exponiert gelegen haben.[11] Der 1906 durch Adolf Graf von Bassewitz veröffentlichte „(…) Plan vom Schlossgarten und -Hof zu Prebberede“ (Abb. 29), datiert auf jenes Jahr 1764, gibt jedoch mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Entwurfsplan wieder.[12] Die möglicherweise während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Teilen erneuerte Gutsanlage Prebberede ist mit der nach barocken siedlungsplanerischen und wirtschaftlichen Überlegungen als Einheit geplanten Gutsanlage in Plüschow (Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, historisch Mecklenburg-Schwerin) vergleichbar. Beide Gutsanlagen sind als rechteckiger großer Hof mit angrenzenden Wirtschaftsbauten und dem repräsentativen Herrenhaus an einer der Stirnseiten ausgeführt (Abb. 8, 39). Eine Gutshoferweiterung Prebberedes nach Norden, ausgeführt vermutlich erst im 19. Jahrhundert, erfolgte im Hinblick auf einen Schwerpunkt in der Pferdezucht. Die „Historisch-Topografische Karte der Preußischen Landesaufnahme, M 1:25.000, Messtischblatt 2040 Laage, Reichsamt für Landesaufnahme, 1884, einzelne Nachträge 1932“[13] (Abb. 40), zeigt neben den heute noch erhaltenen zwei (Mar-) Stall-Gebäuden vier weitere Gebäude sowie eine Reithalle. Im Anschluss an den barocken Gutshof bildeten die Ställe, die zusätzlichen Gebäude sowie die Reithalle einen eigenen Gebäudekomplex und einen zweiten Hofbereich. Auf einer Achse lag nun der Eingang der Reithalle der Front des Herrenhauses gegenüber (Abb. 9).[14] Durch die von geosphere austria im Bereich des Gestütsplatzes (Nutzung als solcher mindestens während des 19. Jahrhundert) 2023 vorgenommene Bodenradarmessung[15] (siehe Bodenradarmessung) kann ein nördlich des linken historischen Marstallgebäudes liegendes Mauerfragment nachgewiesen werden. Es verläuft rechtwinklig und weist auf eine ehemalige Gebäudekante hin.
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