05. Wirtschaftlicher Kontext
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 10. Wirtschaftsanlagen
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Quellen- und Literaturverzeichnis
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Als Jakob Kettler (1610-1681) Herzog von Kurland war, erlebte dieses eine kulturelle Hochzeit. Jakob Kettler war sehr versiert in Wirtschaftsfragen und gilt bis heute als bedeutendster Herzog Kurlands. Auch in der Lettischen Geschichtsschreibung ist er eine positive Gestalt. Unter seiner Herrschaft wurde Windau an der Mündung des Flusses Windau in die Ostsee ab 1638 zur Hafenstadt ausgebaut. Hier wurden unter der Leitung des Lübecker Meisters Albrecht Petersen auch Schiffe gefertigt. Die herzogliche Flotte exportierte Getreide, Flachs, Hanf und Holz sowie gewerbliche Produkte in westlich gelegene Häfen. 1650 wurde der südnorwegische Hafen Flekkeroe/Flekkerøya bei Kristiansand/hist. Christianssand am Skagerrak als Stützpunkt für die Seefahrt gepachtet. Im landwirtschaftlich geprägten Kurland sind zahlreiche Manufakturbetriebe wie Eisen- und Kupferhämmer, Stückgießereien, Säge-, Papier- und Pulvermühlen, Teebrennereien, Glashütten, Tuchmanufakturen und anderes gegründet worden.[1] Leider gibt die „Karte von Kurland angefertiget und mit Allerhöchter Genehmigung herausgegeben von dem Kurl. Gouvernements Revisor und Ritter C. Neumann“ von 1833 in ihrer „Erklaerung“ bzw. Legende außer Wasser- und Windmühlen keinerlei Signaturen für Manufakturbetriebe wieder. Dementsprechend erscheinen deren Standorte nicht in der Karte. Das Gut Schleck lag jedoch im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts – und womöglich auch mindestens während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – in der wohl landwirtschaftlich genutzten Flussebene der Windau, umgeben von ausgedehnten Waldgebieten. Da die Windau/Venta, nahe bei Schleck, auch heute durch die Abau/Abava einen größeren Anteil an Zufluss erhält, könnte sie im 18. Jahrhundert schiffbar oder per Floß zu befahren gewesen sein (Abb. 65). Der Name des Kruges Floss in der historischen Karte, nahe des Hofes Schleck, würde auf einen Flößereibetrieb und eine Holzentnahme in den Wäldern sowie Handel mit diesem Baumaterial durch die v. Behrs hinweisen. Ulrich von Schlippenbach spricht in seinem 1809 veröffentlichten Buch „Malerische Wanderungen durch Kurland“ vom Vorhandensein einer Fähre.[2]Im „Baltischen Historisch-Geographischen Kalender“ von 1913 wird berichtet: „Auf rechtem Ufer der Windau breiten sich die gewaltigen Forste bis zum Usmaitensee [Usmas ezers] hin aus und große Strecken harren noch künftiger Kultivierung.“[3] In derselben Quelle werden als dieses Holz verarbeitende Betriebe eine Wasser- und Sägemühle sowie eine „Holzwollenfabrik“[4] benannt, deren Standorte noch lokalisiert werden müssten.[5] Die Schleckschen Forste sind reich an Elchen, Rehen und Auerhähnen und werden bejagt. An entsprechenden Schneisen im Wald liegen Jagdhütten.[6] |
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Neben der Jagd wurden Fische in künstlich angelegten Teichen gezogen. Johann Georg Büttner (1779-1862, Abb. 32), wie sein Vater Pastor in Schleck, hatte auf den Ländereien des Pastorats zwölf Teiche angelegt, „(…) die zum Teil mit Karpfen, Karauschen, Schleien, auch Hechten und Krebsen besetzt waren. Der Hechtteich hatte einen Wasserfall – unter ihm ein Strauß gelber Iris – und umfloß eine Insel im Garten.“[7] (33, 33a) Auch die Flüsse Abau und Windau, die vor Schleck zusammenfließen, bargen Fisch, ebenso die nahen Binnenseen: „In der Abau wurde ein 20 Pfund schwerer Hecht mit einem doppelten Angelhaken in Mengen gefangen. Frische Neunaugen und Lachse lieferten die Windau, und zwar wurde der Lachs hier schöner geräuchert als in Riga. Rebse [?], Wemgallen [?], Barsche, Brachsen [Brassen] und Stinte gab der Rabbensche[8], sowie Usmaitensche See.“[9] |
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