10. Wirtschaftsanlagen

From Herrenhäuser
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Das Gut Schleck ist Teil des weiträumigen Besitzes der Familie v. Behr in Kurland. Zusammen mit den Ländereien der Güter Edwahlen/Ēdole, Ugahlen/Ugāle, Virginalen/Wirginahlen/Vērgale, Popen/Pope und Groß-Iwanden/Liel-Īvande umfasst der Besitz 1920 (sechs Hauptgüter mit mehreren Beigütern und Wirtschaftshöfen) 125 179 ha.[1] Neben Schleck lässt Ulrich v. Behr im 18. Jahrhundert aus eigenen wirtschaftlichen Mitteln auch die Güter Popen/Pope und Kabillen/Kabile umbauen.[2]

Vor dem Bau des barocken Herrenhauses existierte in Schleck im 16. und 17. Jahrhundert eine umfängliche Gutsanlage mit einem Herrenhaus (Abb. 20, 21), das die natürliche Lage des Geländes an einem Teich ausnutzte (Abb. 74) und zusätzlich durch einen Wassergraben geschützt wurde. Das Gut lag nahe der Landstraße zwischen den Städten Goldingen /Kuldīga und Windau. Mit etwas Abstand aber dem Herrenhaus gegenüber stand eine um 1650 errichtete reich ausgestattete Kirche. Ob es sich dabei um die heute noch bestehende handelt, sagt Imants Lancmanis, der lettische Kunst- und Bauhistoriker, nicht aus. Etwa zeitgleich wurde der Kornspeicher des Gutes, die Kleete (Abb. 22) gebaut und durch ein giebelbekröntes Portal geschmückt.[3]

Der Gutshof von Schleck hat im 18. Jahrhundert eine symmetrische Anordnung. (Abb. 21) Über zwei portalähnliche Einfahrten findet man Zugang zu ihm.[4] Eventuell in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, so Lancmanis, werden Stallungen an die Kleete (den Getreidespeicher) angebaut sowie mehrere Häuser für Bedienstete errichtet, in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts weitere Ställe an der Einfahrt zum Herrenhaus (außerhalb des zentralen Gutshofes).[5]

Abb. 20 Quellen lettischer Denkmalpflege, altes Herrenhaus, südl. Tor, Zlēku muiža _ārskati_w-14, in: Archiv Rundale.
Abb. 21 Quellen lettischer Denkmalpflege 1949, Situationsplan des Gutes, Zlēku muiža_KM_w-04, in: Archiv Rundale.
Abb. 74 Quellen lettischer Denkmalpflege, Vogelschau des Gutes Schleck/Zlēkas, Zlēku muiža­_PDC_w-22, in: Archiv Rundale.
Abb. 22 Quellen lettischer Denkmalpflege, Kavaliersbau, nördl. Zufahrt, Zlēku muiža_ārskati_w-15, in: Archiv Rundale.

Das „Inventarium der Schleck und Abaushoefschen Güter aufgenommen von dem mittelst Regierungsbefehls vom 19ten Martz 1820 No: 1136 zur Abnahme und Uebergabe der Schleck und Abaushoefschen Güter an den Assessor Carl Philipp von Behr demandirten Executionsgericht.“[6] (z.B. Abb. 56) benennt folgende Gutsgebäude:

„2. Eine Herberge [das Kavalierhaus] (Abb. 22, 26, 24, 4, 29) massiv unter einem Ziegeldach mit zwey Schornsteinen, aus zwey Etagen bestehend. a) Erste Etage. Sechs Zimmer, zwey Stuben und zwey Küchenkammern drey Oefen und zwey Küchen. b) Zweite Etage ebenso eingerichtet. c) Untern Dach annoch zwey warme Zimmer.“[7]

„3. Neben der Herberge rechter Hand eine gemauerte Wagenremise unter einem Ziegel=Dach. [Wo sich dieses Haus befand ist zunächst unklar.]

4. Neben der Herberge linker Hand [eigentlich vom Hof aus betrachtet rechter Hand] eine gemauerte Kleete unter einem Ziegel Dach, mit der dazu gehörigen Einrichtung, welche durch ein Thor mit der bemerkten Herberge verbunden ist. (Abb. 22, 28)

5. Neben der bemerkten Kleete rechter Hand ein feuerfestes Steinhaus, bestehend aus zwey [vor Ort ist das Gebäude heute einstöckig] Stockwerken, unter einem Ziegeldach. (Abb. 75)

6. Neben dem bemerkten Steinhaus ein verfallenes, gemauertes, zum Gefängniß bestimmt gewesenes kleines Gebäude.

7. Hinter semselben eine gemauerte und verfallenen Handkleete [?], unter einem Ziegeldach mit einem Schornstein.

8. Linker Hand vom Wohngebäude eine Herberge [das alte Herrenhaus], massiv unter einem Ziegel Dach, mit zwey Schornsteinen, zwey etagig. Beyde Etagen haben eine gleiche Einrichtung bestehend aus fünf Zimmern, einem Kamin, die untere Etage besteht aus vier Zimmern und einer Küche.“[8] (Abb. 20)

"9. Rechter Hand von der Herberge ein großes gemauertes Thor.

10. Rechter Hand vom Thor eine Kleete (Abb. 20, 5) und das Bauernmagazin massiv unter einem Ziegeldache neben an das angebaute Brauhaus gleichfalls massiv unter einem Ziegel Dache.

11. Eine übermauerte Pumpe unter einem Ziegel Dach. (Abb. 76, 77)

12. Das Brandweinhaus hölzern unter einem Ziegel Dach, mit einem Schornstein, es besteht aus zwey warmen und zwey kalten Zimmern, einem Ofen, linker Hand der Raum zum Brandweinbrand, nebst fünf brauchbaren Kubbeln [?], und eine Parthie theils brauchbare, theil unbrauchbare hölzerne Gefäße. Nebenbey zwey verfallene Schweineställe hölzern unter einem Lubbendach[9], und einem ebenso verfallenen Ochsenstalle.

13. Ein hölzernes Gebäude unter einem Ziegeldach mit einem Schornstein, einer Küche. Auf der einen Seite die Wohnung des Böttigers bestehend aus zwey warmen und zwey kalten Zimmern auf der anderen Seite die Malzdarre.

14. Die Schmiede hölzern unter einem Ziegeldach bestehend aus zwey warmen Zimmern und einem kalten Zimmer.

15. Ein baufälliges holzerne Gebäude unter einem Ziegeldach, darin enthalten zwey Zimmer für das Lazareth, und zwey für die Einquartirung, mit einem Schornstein und zwey Ofen, einer Küche. Dabey noch zwey Kleeten und zwey Keller für die Offizianten.

16. Daneben ein kleines Gebäude unter einem Ziegel Dach bestehend aus einem Boden und zwey Kellern für die Offizianten. Nebenbey noch einige baufällige hölzerne Fasel=stellchen[10] außerhalb dem großen Thor linker Hand.

17. Ein hölzerner Baufälliger Stall unter einem Ziegel Dache.

18. Eine gemauerte Hofmutterey unter einem Ziegel Dache mit einem Schornstein, bestehend aus zwey Milchzimmern, Küche, einem Keller, drey warmen Zimmern, einem Ofen, Bodenraum.

19. Ein hölzernes Käsehaus unter einem Ziegeldach.

20. Rechts am Wege: Ein verfallener Schweinestall. Eine Heuscheune mit drey Thoren unter einem Lubbendache. Links eine alte auffällige Riege, unter einem Lubbendache. Weiter rechts am Wege, eine neuere Riege mit drey Thoren unter einem Lubbendache.

21. Ein großes im Viereck gebautes hölzernes Gebäude, auf einem steinernen Fundament, und unter einem Lubbendache, theils im gehörigen Stande, theils baufällig, dasselbe enthält Pferde, Vieh und Faselställe, nebst Vieh und Futterböden.

22. Die Manege von Brettern erbaut, jetzt als Heuscheune gebraucht, roth angestrichen.

23. Auf den Haferfeldern befindlich drey Kornscheunen.

24. Hinter der Magazinkleete ein alter Eiskeller unter einem Lubbendach.

25. Krüge. a) der Dobenkrug an der Windauschen Straße von Holz – an der einen Seite ein Fundament von Ziegeln, Lubbendach – ein Schornstein eine Küche – Krugstube und Wirthsstube mit einem Ofen, und einer alten Wirtschaftskammer – zwey Gaststuben mit einem Ofen – die Thüre mit eisernen Klinken. (…). b) der Floßkrug an der Windau. Von Holz mit einem Fundament von Ziegeln, einem Dachpfannendache, mit einer Stadolle einem Schornstein einer Küche, Krugs und Wirtschaftsstube, mit einem Ofen und einer kalten Kammer an einem Ende – am anderen Ende zwey Gast-Stuben mit einem Ofen. Die Fensterrauten in Bley, die Thüren mit eisernen Klinken. (…) c) der Kirchenkrug. Von Holze mit steinernem Fundamente, mit Dachpfannen gedeckt, einer Stadolle, einem Schornstein einer Küche, Krugs und Wirthschaftsstube, mit einem Ofen einer Wirtschaftskammer, am andern Ende zwey warme Zimmer mit einem Ofen zwei kalte Zimmer. Die Fenster in Bley schadhaft. Die Thüren mit eisernen Klinken. (…) d) Der Mühlenkrug. Nebst Stadolle von Holz ohne Fundament mit einem Lubbendache ein Schornstein eine Küche Krugsstube und Wirthsstube mit einem Ofen, die Gaststube mit einem Ofen und einem durchschließenden Schlosse, eine kalte Wirtschaftskammer, die Fenster in Bley in der Krugsstube schadhaft. Die Thüren mit Klinken von Eisen. (…) e) der Ameln Krug, nebst Stadolle von Holz ohne Fundament mit einem Lubbendache, einem Schornstein einer Küche, Krugs und Wirtschaftsstube, mit einem Ofen, ein kaltes Zimmer, die Fenster mit Bley, die Klinken an den Thüren von Eisen (…).

26) Eine Wassermühle mit zwey Gängen, und einem angelegten dritten Gange in der Mühlenstube vollständiges Getrieben. Das Gebäude von Holz hinten mit einem Fundament von Feldsteinen, das Dach halb mit Pfannen halb mit Lubben. Ein Schornstein, eine Küche, zwey große Zimmer mit einem Ofen, ein kleineres Zimmer mit einem Ofen, zwey kalte Zimmern. Die Fenster in Bley – das Fenster in der Mühlenstube und im Giebel sehr beschädigt. (…)“[11]

Auf Gut Schleck lebten neben der besitzenden Familie, Bedienstete und auch Handwerker. Mitte der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt es da die Familie v. Behr, zwei Hauslehrer (einer mit Namen Andrejs), einen Hausverwalter, einen Schreiber, einen Gutsverwalter, einen Förster, einen Organisten und Vorsänger, eine Haushaltsvorsteherin, einen Tischler, einen Schuster, eine Türschließerin, einen Kutscher, einen Braumeister, eine Wäscheverwalterin und sechs Diener.[12] Einige von diesen werden vermutlich auch Familien, mindestens Ehepartner gehabt haben. Hinzu kamen zahlreiche lettische Leibeigene.[13] In einem Buch über den Haushalt werden die Einnahmen und Ausgaben des Gutes notiert. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erscheinen dort auch die Namen der lettischen Maurer Jänis, Juris und Mikelis, der lettischen Zimmerleute Ansis und Jänis, der lettischen Schmiede Ermanis und Fricis sowie des deutschen Maurers Kasching, des deutschen Schlossers Wolfert und der ebenfalls deutschen Gärtner Eckert, Derek und Christ.[14] Der deutsche Schreinermeister Johann Schelinsky führt gewünschte Holzarbeiten aus.[15] Anfang des 19.Jahrhunderts beschlossen nacheinander der livländische Landtag (1804), der estländische (1811) und der kurländische Landtag (1817) die persönliche Freiheit und Freizügigkeit der Bauern (somit die Aufhebung der Leibeigenschaft).[16]

In Dobēji/Doben[17], gelegen an der alten Überlandstraße Goldingen - Windau, steht noch heute das Fachwerkgebäude des gleichnamigen historischen Dorfkrugs.[18] Der Baltische Historisch-Geographische Kalender 1913 benennt für den Ort neben der im Inventar 1820 vermerkten Wassermühle das Vorhandensein einer Sägemühle, einer „gut ausgestattete[n] große[n] zweistöckige[n] Schule“[19], einer „Holzwollenfabrik“[20], das Pastorat (Abb. 34) mit großem Garten (Abb. 33) sowie Jagdhütten in den ausgedehnten Forsten.[21] Es bleibt vor Ort zu prüfen, ob bauliche und/oder wasserbauliche Reste der Wassermühle und der Holzwollefabrik erhalten blieben.

1928 wird ein Lageplan des enteigneten Gutes Schleck gezeichnet. Sein Autor ist unbekannt.[22] In den Erläuterungen mit 32 Positionen werden die alten deutschen Bezeichnungen aus herrschaftlicher Zeit genannt (Abb. 14, 14a). Nach diesem Plan stellt sich die historisch gewachsene Siedlungs- und Nutzungsstruktur des Gutes folgendermaßen dar: an der Stirnseite des Haupthofes liegt das als Schloss bezeichnete Herrenhaus, in gleicher Achse links das Theater und rechts das Küchenhaus (Abb. 47). Im rechten Winkel zum Herrenhaus liegen links – an den Theaterbau anschließend – die Bibliothek und das alte Herrenhaus. Daran anschließend – am Hofteich – die Kutschwagenremise. Bibliothek und altem Herrenhaus gegenüber, auf der rechten Seite des Haupthofes, befinden sich das Kavalierhaus, der Kutschpferdestall und die Reithalle. Hinter dem Herrenhaus mit Freitreppe, ist eine rechteckige Gartenfläche eingezeichnet, die auf zwei Seiten von Alleen eingefasst wird und auf der dritten Seite in einen offenbar regelmäßig bepflanzten (Obst-?) Hain übergeht. In diesem steht das Gärtnerhaus. Der Hauptfassade des Herrenhauses gegenüber liegen der Hofteich mit Insel und Badehaus sowie eine parkähnliche Anlage; in zweiter Reihe hinter dem alten Herrenhaus das Verwalterhaus und Ställe, abseits die Schmiede. An der Zufahrt des Gutes von der Überlandstraße Goldingen- Pilten liegen unregelmäßig verteilt weitere Scheunen sowie Kuh-, Pferde- und Schafstall, eine Käserei und eine Darre. Ein großer Nutzgarten mit einem Treibhaus ist scheinbar mitten in der Wirtschaftsfläche des Gutes positioniert und grenzt an den Park an (Abb. 7).

Die ungerichtete Verteilung der meisten Wirtschaftsgebäudes des Gutes Schleck auf diesem Plan könnte auf sein hohes Alter verweisen. Auch Gut Pronstorf in Schleswig-Holstein zeigt ein Konglomerat aus Wirtschaftsbauten verschiedenen Alters. Betrachtet man den Lageplan Schlecks von 1928 genauer fällt auf, dass das alte Herrenhaus und das nahebei stehende Verwalterhaus zu zwei Dritteln von der Wasserfläche des Hofteiches umgeben sind. Dieser Teich liegt am Rande einer Niederung bzw. eines Feuchtwiesengebietes (und wird von diesem gespeist), das zum Fluss Venta/Windau weist und mindestens heute von Meliorationsgräben durchzogen ist. Ein sich schlängelnder Bach entwässert dieses Gebiet in den Fluss (Abb. 31).[23] Vielleicht gab es hier in alter Zeit sogar einen größeren See, vor dessen Hintergrund und in dessen Schutz das alte Herrenhaus gebaut wurde. Die dem alten Hof zugehörigen Scheunen lagen dann höher gelegen im Bereich der landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Mit dem Bau des barocken, regelmäßigen Haupthofes des Gutes und seinem neuen Herrenhaus entsteht eine Achse rechtwinklig zur vermuteten vorbarocken Ausrichtung des Besitzes – die Fassade des alten Herrenhauses, die in Richtung der Überlandstraße zeigte, wird nun der Fassade des Kutschpferdestalls gegenüber gestellt (und der Weite ihres Blickes beraubt). Die Fassade des neuen barocken Herrenhauses ist auf die Fläche des Hofteiches ausgerichtet. Dieses Haus braucht das Wasser nicht mehr als Schutz.

Die Nutzung der Wirtschaftsgebäude des Gutes Schleck deutet nach Lageplan von 1928 sowie Inventar von 1820) auf ein vornehmlich autarkes Wirtschaften hin; Mischnutzung (Feldbau- und Viehwirtschaft, eigenes Brau- und Brandweinhaus, Käsehaus, Böttgerwerkstatt, Schmiede und Krugwirtschaften). Es gibt bislang keinen direkten Hinweis darauf, dass etwa veredelte Spezialgüter aus land- oder forstwirtschaftlicher Produktion über die nahe Venta/Windau zur Ostsee hin transportiert und dort verkauft worden wären; das Rohprodukt Holz mit einiger Wahrscheinlichkeit schon, eventuell auch Holzwolle (vermutlich im 19. Jahrhundert). Da die Venta/Windau, nahe bei Schleck/Zlēkas, auch heute durch die Abava/Abau einen größeren Wasseranteil an Zufluss erhält, könnte sie im 18. Jahrhundert schiffbar oder per Floß zu befahren gewesen sein. Der Name des Kruges Floss in der historischen „Karte von Kurland angefertiget und mit Allerhöchter Genehmigung herausgegeben von dem Kurl. Gouvernements Revisor und Ritter C. Neumann“ von 1833 nahe Hof Schleck, könnte auf einen Flößereibetrieb[24] und Holzentnahme in den Wäldern sowie Handel mit diesem Baumaterial durch die v. Behrs hinweisen.

Abb. 56 Quellen lettischer Denkmalpflege, Schleck, Inventar 1820, LNA_LVVA_412-2-836(3), in: Archiv Rundale.
Abb. 24 Kavalierhaus und nördliche Toreinfahrt, Zlēku_m RPM_neg_22249_eka_nr_4_1982, in: Archiv Rundale.
Abb. 4 Ruine Zlēkas, Nordseite des historischen Kavalierhauses, Foto: Vienna Institute for Archaeological Science 2023.
Abb. 29 Quellen lettischer Denkmalpflege 1949_Zlēku muiža_Bauaufnahme Kavaliershaus_KM_w-18, in: Archiv Rundale.
Abb. 28 Quellen lettischer Denkmalpflege 1949, Kavalierhaus, Zlēku muiža_1949_PDC_w-27, in: Archiv Rundale.
Abb. 75 Ruine Zlēkas, Nordseite des historischen Pferdestalls, Foto: Vienna Institute for Archaeological Science 2023.
Abb. 20 Quellen lettischer Denkmalpflege, altes Herrenhaus, südl. Tor, Zlēku muiža _ārskati_w-14, in: Archiv Rundale.
Abb. 5 Ruine Zlēkas, vermauerte Südzufahrt, Foto: Vienna Institute for Archaeological Science 2023.
Abb. 76 Quellen lettischer Denkmalpflege, Brunnenhäuser, Zlēku muiža_ārskati_w-18, in: Archiv Rundale.
Abb. 77 Archiv Rundale, Brunnenhaus, Zleku_m_RPM_neg_22290_eka_nr_15_1982, in: Archiv Rundale.
Abb. 34 Pfarrhaus Schleck, Lizete-Harmsena, www.literatura.lv.
Abb. 33 Zlēkas, Pastorat, 2023-04-23, google earth.
Abb. 14 Schleck, Hoflage 1928, Behr/Senning 1979, S. 97.
Abb. 14 a Schleck, Hoflage 1928, Benennungen Gebäude, Behr/Senning 1979, S. 97.
Abb. 47 „Schleck – Gesamtansicht“, in: Behr/Senning 1979, S. 100.
Abb. 7 Ruine Zlēkas, Fläche des Nutzgartens, Schornstein der Gärtnerei, Blick zu Park und Kirche, Foto: Vienna Institute for Archaeological Science 2023.
Abb. 31 Zlēkas, Ruine Gut­, 2023-04-23, google earth.

Johann Georg Büttner (1779-1862), Pastor in Schleck, Naturforscher und Lehrer (Abb. 32) sammelte während seines Lebens auch lettische Volkslieder und fühlte sich damit der Aufklärung sowie der Nachfolge Herders verpflichtet. Seine Tochter L. Harmsen/Lizete Harmsena übersetzt diese Sammlung ins Deutsche und publiziert sie 1913. Die Lieder umfassen die Themen „Waisenlieder“, „Liebeslieder“, „Hochzeit und Ehestand“, „Bilder aus der Natur“, „Lieder ernsten Inhalts“[25]. Zwei von diesen seien hier beispielhaft zitiert:

„Dem nebelumhüllten Meere,/ Entstiegen zwei greise Rosse./ Die Sternendecke das eine trägt (Der nächtliche Sternenhimmel, der in die Tiefe des Meeres schaut.),/ Ums andere ein goldener Zaun sich legt./ Wo das Ende der Welt – war diesem kund,/ Und jenem, wie tief des Meeres Grund (Die von der untergehenden Sonne goldgesäumten Wolken am Horizonte.).“[26]

„Silbernes Bächlein durchschritt ich,/ Am Füßchen den goldenen Schuh./ Im Grunde da drunten es silbern fließt/ Und flüssiges Gold sich darüber ergießt! – / Schwesterlein, du des Hofes Magd,/ Schreitest weinend einher und geplagt (Im vollen Genuß der Freiheit und im Hinblick auf die ältere Schwerster, die dem Hof Frohndienste leisten muß, erscheint ihr [der jüngeren Schwester] das Wasser silbern, der nackte Fuß darin mit goldenem Schuh bekleidet.).“[27]

Büttners Pastorenvorgänger im Pastorat zu Schleck war: Friedrich Dullo (geb. in Preußen 1698, gest. 1755, verheiratet mit Maria geb. Stavenhagen, Tochter des Pastors Dietrich zu Durben, gest. 1750). Aus der Ehe zwischen Friedrich und Maria gingen acht Töchter und vier Söhne hervor. Die zweite Tochter, Christine Amalie, heiratete Johann Georg Büttner – Vater des oben genannten Büttners – (geb. 1723, gest. 1803, Pastor in Schleck und Piltenscher Superintendent.[28] Erich von Schrenck, Dozent am Herderinstitut zu Riga, beschreibt in der 1933 erschienenen „Baltische[n] Kirchengeschichte der Neuzeit“ das größere Umfeld Büttners in Kurland während des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts: „In Kurland sind es (…) namentlich folgende Geistlichen, deren aufklärerische Tätigkeit weite Kreise gezogen. Der kurländische Gen.-Sup. Ernst Friedrich Ockel (1742-1816) gab Schriften heraus, die ihn auch in Deutschland bekannt machten. Ferner Hermann Friedrich Dullo [der Großvater Pastor Büttners auf Schleck], über 50 Jahre lang Pastor zu Kabillen, der ausser vielen kleineren religiösen Schriften ein 2bändiges Werk über die „Kurländische Landwirtschaft“ verfasste, Ein dritter ist der bekannte Karl Friedrich Watson (geb. 1777, Pastor zu Lesten 1803-1826). (…) Er ist einer von den rührigen Predigern, die sich um Erforschung der baltischen Geschichte, der lettischen Sprache und Kultur verdient machten, und die zugleich die Aufklärung in den Dienst sozialer Zwecke stellten.“[29] Watson begründete 1822 die erste lettische Zeitung „Latweeschu Awise[30]. Johann Georg Büttner, Pastor zu Schleck zwischen 1803 und 1862 wird von Schrenck als „ein grosser Freund der Natur und der Landwirtschaft“[31] beschrieben. Er war wiederum mit Pastor Johann Heinrich Carl Kawall (1799-1881) befreundet, der neben seinem Amt Naturforschung in umfassendem Stile betrieb. Er legte eine Sammlung von über 10 000 Insekten an, war Mitglied in 31 gelehrten Gesellschaften und erarbeitete einen ersten Überblick über lettische Säugetiere, Fische, Vögel und Insekten.[32] Kawall war 1827-1829 Hauslehrer in Abaushof, einem Nachbargut bzw. Beigut von Schleck gewesen.[33] Hier könnten sich Büttner und er kennengelernt und angefreundet haben.

Johann Georg Büttner (1779-1862) unterrichtet als Pastor die Kinder des Gutes. 1836 lebten auf diesem 821 Jungen und Männer sowie 1053 Mädchen und Frauen. Es gab eine kleine deutsche und eine große lettische Kirchgemeinde sowie eine Schule für lettische Kinder.[34] Büttner bildet sich wohl autodidaktisch zum Landwirt weiter und wird aufgefordert, angehende Gutsverwalter anzuleiten. So sind neben seinen Schülern auch diese Auszubildenden im Pastorat anzutreffen. Emil Kupfer wird später Amtmann auf dem Gut Pope, was wie Schleck im Besitz der Familie v. Behr ist. Büttner führt die Kartoffel im Feldanbau ein und realisiert 1836 mit der Trockenlegung des Wiedel-Sees in Dondangen/Dundaga ein erstes großes Meliorationsprojekt[35]. In seinem Pfarrgarten baut er eine Wetterwarte auf.[36] Neben seiner Arbeit als Pastor ist Büttner Mitglied in 16 wissenschaftlichen Vereinigungen und steht in Korrespondenz mit Gelehrten im In- und Ausland. Für seine landwirtschaftliche Arbeit erhält er zwei Preis-Medaillen[37]. 1841 druckt er für seine Schule in Schleck eine eigens erstellte ABC-Fibel und gibt 1847 ein deutsches Wörterbuch für Letten heraus.[38] Er verfasste weitere lettische und deutsche Lehrbücher.[39] Während der Lebenszeit Johann Georg Büttners auf Schleck sind der musisch begabte Ulrich George v. Behr (1745-1813), dessen Neffe Ulrich v. Behr (1772-1831) a.d.H. Popen und wohl dessen Sohn Karl Baron v. Behr (1810-1872) Gutsherren. Laut des Baltischen Historisch-Geographischen Kalenders von 1913 tritt Ulrich-Karl v. Behr 1832 die Herrschaft in Popen und Schleck an. Mindestens Friedrich Baron v. Behr (1845-1909), Sohn Karl Baron v. Behrs, übergibt Schleck mit Generalvollmacht in die Hand eines Verwandten; vielleicht auch bereits sein Vater. Friedrich Baron v. Behr lebte vornehmlich in Dresden[40]. Ulrich-Karl v. Behr zeichnet zielstrebige Bewirtschaftung und geschäftliches Geschick aus. Er tätigt für beide Güter – Popen und Schleck – erhebliche Investitionen und verbessert die Ertragslage wesentlich.[41]

  1. Vgl. Lancmanis 2009, S. 22. Spārītis 2015a, S. 29. Spārītis 2015b, S. 20.
  2. Vgl. Behr/Senning 1979, S. 94, 96.
  3. Vgl. Lancmanis 2009, S. 24-25.
  4. Auf den ehemals ostpreußischen Gütern Steinort/Sztynort und Schlobitten/Słobity (heute eine Ruine) – ersteres 1683 bis 1695, letzteres 1622 bis 1624 und 1696 bis 1721 erbaut – existierte nach Lancmanis eine ähnliche Anordnung. Vgl. Lancmanis 2009, S 26. In Steinort/Sztynort war das Herrenhaus jedoch nicht Teil des rechteckigen Gutshofes. Und auch das Herrenhaus Schlobitten/Słobity stand als Solitär neben seiner Gutsanlage.
  5. Vgl. Lancmanis 2009, S. 30.
  6. Quellen lettischer Denkmalpflege_Schleck_Inventar_1820_vermtl. Abschrift_LNA LVVA 412-2-836(3)-(8), in: Archiv Rundale.
  7. Quellen lettischer Denkmalpflege_Schleck_Inventar_1820_ vermtl. Abschrift_LNA LVVA 412-2-836(3), in: Archiv Rundale. In Quellen lettischer Denkmalpflege, aufbewahrt im Archiv des Schlosses Rundale, befindet sich eine Bauaufnahme bestehend aus Ansicht (aquarelliert) und Grundriss des Kavalierhauses von Schleck aus dem Jahr 1949 (Abb. 29). Auf dieser sowie auf einem Bauaufnahmeblatt von 1954 ist die Tür des Hauses abgebildet (Abb. 39). Siehe: Quellen lettischer Denkmalpflege 1949_Zleku muiza_Bauaufnahme Kavalierhaus_KM_w-18, in: Archiv Rundale. Quellen lettischer Denkmalpflege_Zeichnung Tür 1_vkpai_uzm_0000_374-1, in: Archiv Rundale.
  8. Quellen lettischer Denkmalpflege_Schleck_Inventar_1820_ vermtl. Abschrift_LNA LVVA 412-2-836(3-4), in: Archiv Rundale.
  9. Ein Lubbendach hat eine Deckung aus Baumrinde oder aus zugehauenen Holzscheiten und ist Teil eines traditionellen lettischen Blockholzbaus. Vgl. https://digi-alt.ub.hu-berlin.de/viewer/fullscreen/DE-11-001832357/97/ (26.08.2025).
  10. Faselställe auch Sprungställe waren Ställe, in denen die für die Zucht und Besamung bestimmten Ochsen, Eber und Ziegenböcke gehalten wurden. Vgl. Faselställe: https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/f/faselstaelle.html (05.08.2025).
  11. Quellen lettischer Denkmalpflege_Schleck_Inventar_1820_ vermtl. Abschrift_LNA LVVA 412-2-836(4-8), in: Archiv Rundale.
  12. Vgl. Lancmanis 2009, S. 29.
  13. Vgl. Lancmanis 2009, S. 29. Vorstellungen von der Beziehung zwischen Herrschaft und Leibeigenen auf dem Gut Schleck gibt Sēle 2015 u.a. auf S. 62 wieder.
  14. Vgl. Lancmanis 2009, S. 29-30.
  15. Vgl. Lancmanis 2009, S. 29.
  16. Vgl. Schrenck 1933, S. 22.
  17. Vgl. Karte von Kurland angefertiget und mit Allerhöchster Genehmigung herausgegeben von dem Kurl. Gouvernements Revisor und Ritter C. Neumann, publiziert in Mitau (Jelgava, Latvia) 1833 vom Verlag von G.A. Reyher und lithographiert von B. Herder in Freiburg im Breisgau, Deutschland. Link: https://www.raremaps.com/gallery/detail/90034/latvia-karte-von-kurland-angefertiget-und-mit-allerhoc-neumann-herder#:~:text=Karte%20von%20Kurland%20stands%20as%20an%20important,broader%20administrative%20context%20within%20the%20Russian%20Empire. (30.04.2025)
  18. Vgl. Zlēkas: https://de.wikipedia.org/wiki/Zl%C4%93kas (20.05.2025).
  19. Baltischer Historisch-Geographischer Kalender 1913.
  20. Baltischer Historisch-Geographischer Kalender 1913.
  21. Vgl. Baltischer Historisch-Geographischer Kalender 1913.
  22. Siehe: „Lageplan aller Gutsgebäude 1928“, Reproduktion angebracht vor Ort sowie veröffentlicht in: Gallmeister, Michael: „Glanz der adeligen Vergangenheit und die herrliche Schlossruine Schleck (heutiges Zlēkas) in Kurland“, https://lettlandweit.info/glanz-der-adeligen-vergangenheit-und-die-herrliche-schlossruine-schleck-heutiges-zlekas-in-kurland/ (24.04.2025). Dieser Lageplan wird vermutlich zuerst in Behr/Senning 1979, S. 97 abgebildet. Auch dort wird jedoch kein Autor vermerkt.
  23. Vgl. Zlēkas, Zlēkas parish, Bezirk Ventspils, Lettland: https://earth.google.com/web/search/Zl%c4%93kas,+Zl%c4%93kas+parish,+Bezirk+Ventspils,+Lettland/@57.11534019,21.8162898,12.12425415a,163.05172289d,35y,0h,0t,0r/data=CmoaPBI2CiUweDQ2ZjAyYjQ4MTIyMWI0NWY6MHgzOTUwZjBiMzM2ODMwZTViKg1abMSTa3UgbXVpxb5hGAEgASImCiQJrsHCR3P-SkAReZFBzvn5SkAZGq3g6v4JJUAhMvBst7rHJEBCAggBQgIIAEoNCP___________wEQAA (10.04.2025).
  24. Sinohlen, das heuige Sinole liegt am Fluss Gauja/Livländische Aa und dient hier als illustrierende Abbildung für einen Flößereibetrieb in Lettland.
  25. Harmsen 1913, S. 93-110.
  26. Harmsen 1913, S. 103.
  27. Harmsen 1913, S. 107-108.
  28. Harmsen 1913, S. 111. Die Familiengeschichte Johann Georg Büttners ist in den „Materialien zur Personenkunde der Ostseeprovinzen“ aufgezeichnet. Online: https://dom.lndb.lv/data/obj/file/27414214.pdf (31.07.2025).
  29. Schrenck 1933, S. 29-30.
  30. Schrenck 1933, S. 30.
  31. Schrenck 1933, S. 30.
  32. Vgl. Schrenck 1933, S. 30-31.
  33. Vgl. https://bbld.de/0000000013330878 (26.08.2025).
  34. o. A., „Etwa 700 Jahre lang, haben wir – Letten, Liven und Deutsche in diesem Land gelebt und unsere Spuren hinterlassen.“, 2008, S. 18.
  35. Auch in der unmittelbaren Umgebung von Schleck/Zlēkas finden sich mehrere Meliorationsflächen.
  36. o. A., „Etwa 700 Jahre lang, haben wir – Letten, Liven und Deutsche in diesem Land gelebt und unsere Spuren hinterlassen.“, 2008, S. 18.
  37. Silbermedaille (1834, 1835) der Gesellschaft für Forstwissenschaft, Silbermedaille (1845, 1846) der Kaiserlich Ökonomischen Gesellschaft in St. Petersburg. Vgl. Büttner, Johann Georg (1779-1862) in BBLd-Baltisches Biografisches Lexikon digital: https://bbld.de/GND117146358 (15.07.2025).
  38. o. A., „Etwa 700 Jahre lang, haben wir – Letten, Liven und Deutsche in diesem Land gelebt und unsere Spuren hinterlassen.“, 2008, S. 19.
  39. Vgl. Büttner, Johann Georg (1779-1862) in BBLd-Baltisches Biografisches Lexikon digital: https://bbld.de/GND117146358 (15.07.2025).
  40. Vgl. Baltischer Historisch-Geographischer Kalender 1913.
  41. Vgl. Behr/Senning 1979, S. 114-115.
Abb. 32 „J. G. Büttner Pastor zu Schleck“, Fotografie in Harmsen 1913, s.p.