11. Kirche und Dorfstrukturen
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 10. Wirtschaftsanlagen
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Quellen- und Literaturverzeichnis
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Die Kirche des Gutes Schleck (Abb. 58) wird von 1643 bis 1645 gebaut und zwischen 1648 und 1652 weiter ausgeschmückt[1]. Dem dreischiffigen Kirchenraum ist ein monumentaler, wehrhaft aussehender Turm mit heute unproportional wirkender Turmspitze vorangestellt. In der Fassadenwirkung erscheint das Langhaus der Kirche abgetreppt. Ein niedriges Portal ermöglicht den Zugang und unterstreicht die wehrhafte Anmutung des Turms,[2] dessen Bau um 1700 abgeschlossen wird. Mit 64 m Höhe ähnelt er, so Imants Lancmanis, der Turmspitze der Petrikirche in Riga. Jene fällt durch zwei Galerien und Kuppeln im Panorama der Stadt besonders auf. Nachdem der Turm der Kirche in Schleck 1834 von einem Blitz getroffen worden war, ging seine imposante Höhe verloren.[3] Dem dreischiffigen gewölbten Langhaus ist ein niedrigerer, polygonaler Altarraum vorgeschaltet. Laut der Einschätzung Spārītisʼ zeigt diese lettische Kirchenarchitektur Merkmale der späten Renaissance.[4] Unter der Kirche liegt die „Präsidentengruft“[5]. Dies ist die Grablege aller Präsidenten und Landräte der Familie v. Behr und des Stifts Pilten.[6] Ulrich v. Behr wurde 1749 in einem Sarkophag in der Familiengruft zur Ruhe gebettet.[7] Die Familie war evangelisch-lutherischen Glaubens.[8] Der Innenraum der Kirche zeigt in Farben, Ornamenten und Schnitzereien Elemente des „nordeuropäischen Manierismus“[9] und wurde, laut Spārītis, vermutlich von einem Lehrling des kurländisch herzoglichen Hoftischlers Franz Hoppenstädt ausgestaltet. Die künstlerische Handschrift Hoppenstädts ist in fünf Kirchen Kurlands, entstanden zwischen 1643 und 1652, nachweisbar.[10] Der Altar der Kirche zu Schleck, eine hervorragende manieristische Holzschnitzarbeit, wird von den v. Behrs gestiftet.[11] Die Familie besitzt eine Familienloge, die unter Ulrich George v. Behr während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch Arbeiten des Holzschnitzers Joseph Slawitzek modernisiert wird.[12] Die Kirchenbänke zeigen allegorischen Malereien.[13] Der Silberschatz der Kirche umfasste Gegenstände, die in Hamburg, Riga und Augsburg gefertigt worden waren.[14] Ob Hausandachten, wie sie bei Erich von Schrenck in der „Baltischen Kirchengeschichte der Neuzeit“ als typisch für das tägliche Leben auf den Gütern benannt werden,[15] in einer Kapelle oder einem besonderen Raum auf dem Gut stattfanden, kann bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden. Während Lancmanis 2009 die Familienkapelle als Vorgängerbau des Theaters (links des barocken Herrenhauses) vermutet,[16] sagt Ulrich Baron von Behr-Edwahlen 1979, bezugnehmend auf den in seinem Buch veröffentlichten Lageplan von 1928 aus, dass sich die bis 1860 bestehende Kapelle anstelle eines Wirtschaftsgebäudes/der Bibliothek befand.[17]
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