Stola/08.01 Erdgeschoss: Unterschied zwischen den Versionen
TW (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung Markierung: 2017-Quelltext-Bearbeitung |
TW (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung Markierung: 2017-Quelltext-Bearbeitung |
||
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt) | |||
Zeile 29: | Zeile 29: | ||
Das Erdgeschoss (Nr. 10–12) beherbergt im Norden in den Jahren 1948–1951 eingebaute Wirtschaftsräume und ein Quartier für ein Dienstmädchen, die zwar weitgehend in den originalen Raumzuschnitten untergebracht wurden, aber kaum sichtbare Details aus dem 18. Jahrhundert bewahrt haben.<ref>Vgl. Gullbrandsson 2010, S. 58–59.</ref> Diese Räume werden daher nicht berücksichtigt. Der Architekt Lundberg trennte klar zwischen alt und neu. Die Umbauten stehen als Beispiel für die Restaurierungspraxis der Zeit mittlerweile unter Denkmalschutz. | Das Erdgeschoss (Nr. 10–12) beherbergt im Norden in den Jahren 1948–1951 eingebaute Wirtschaftsräume und ein Quartier für ein Dienstmädchen, die zwar weitgehend in den originalen Raumzuschnitten untergebracht wurden, aber kaum sichtbare Details aus dem 18. Jahrhundert bewahrt haben.<ref>Vgl. Gullbrandsson 2010, S. 58–59.</ref> Diese Räume werden daher nicht berücksichtigt. Der Architekt Lundberg trennte klar zwischen alt und neu. Die Umbauten stehen als Beispiel für die Restaurierungspraxis der Zeit mittlerweile unter Denkmalschutz. | ||
| | | | ||
[[Datei:Stola Umbau 1948 EG Gullbrandsson 2010 S 57.webp|mini|Abb. 69 Erik Lundberg, Stola, Herrenhaus, Grundriss Erdgeschoss, Umbau 1948]] | [[Datei:Stola Umbau 1948 EG Gullbrandsson 2010 S 57.webp|mini|Abb. 69 Erik Lundberg, Stola, Herrenhaus, Grundriss Erdgeschoss, Umbau 1948, Erik Lundbergs ritningsarkiv]] | ||
|- | |- | ||
| | | |
Aktuelle Version vom 1. April 2025, 15:42 Uhr
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06.00 Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 06.01 Claes Ekeblad d.Ä. und Hedvig Mörner
- 06.02 Claes Ekeblad d.J. und Eva de la Gardie
- 06.03 Claes Julius Ekeblad und Brita Horn
- 07.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 07.01 Vorgängerbau
- 07.02 Neubau des Herrenhauses 1713–1719
- 07.03 Beschreibung Herrenhaus
- 07.04 Architektur
- 08.00 Innenräume im 18. Jahrhundert
- 08.01 Erdgeschoss
- 08.02 Obergeschoss
- 08.03 Untergeschoss und Dachgeschoss
- 08.04 Sammlungen
- 09.00 Garten und Park
- 09.01 Garten und Park vor 1700
- 09.02 Garten und Park 1728
- 09.03 Garten und Park um 1750
- 09.04 Die Ekeblad-Eiche
- 09.05 Garten und Park 1790
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12.00 Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 12.01 Besitzverhältnisse nach dem 18. Jahrhundert
- 12.02 Das Herrenhaus nach dem 18. Jahrhundert
- 12.03 Garten und Park nach dem 18. Jahrhundert
- 12.04 Nebengebäude nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 14. Quellen- und Literaturverzeichnis
Der in unvollkommener Symmetrie ausgeführte Grundriss des Herrenhauses wird von Erik Lundberg[1] (1895–1969) nicht als charakteristisches Beispiel für Gebäude aus der Bauzeit unter Karl XII.[2] (1682–1718, 1697 König) sondern als ‚eher veraltet‘ und typisch für Herrenhäuser des 17. Jahrhunderts gewertet.[3] Der ursprüngliche Grundriss im Erdgeschoss zur Zeit Claes Ekeblad d.Ä.[4] (1669–1737) entsprach in groben Zügen dem heutigen (Abb. 67): der L-förmige Eingangsbereich (Nr. 1) erstreckte sich – wie nach den Rückbauten des 20. Jahrhunderts heute erneut – bis zur Gartenfassade. Der Flur teilt das Haus in eine südliche und nördliche Hälfte,[5] die beide hof- und gartenseitig jeweils zwei Räume besaßen. Die halbkreisförmig gewendelte Treppe[6] zum Obergeschoss und eine weitere einläufige Steintreppe zum Keller sind im nördlichen Bereich am Hof angeordnet und mit dem Eingangsbereich verbunden.[7] Im Erdgeschoss durchmaß ursprünglich ein Dienergang das Haus in der Mitte.[8] Der in Teilen noch heute vorhandene interne Korridor mündete in zwei runde Räume (Nrn. 5, 13), die laut Erik Lundberg[9] (1895–1969) vor dem Umbau Mitte des 18. Jahrhunderts zwei Wendeltreppen für das Personal enthielten.[10] Ob in der südlichen Haushälfte ehemals ein direkter Korridor ausgehend von der mittleren Tür in der Diele zur südlichen Wendeltreppe hinter dem Alkoven (der erst später unter Claes Ekeblad d.J.[11] (1708–1771) eingerichtet wurde) abgetrennt war, muss genauso offen bleiben wie die Frage, ob ein zweiter Korridor in der nördlichen Hälfte des Hauses durch die vorhandene mittlere Tür im Eingangsbereich zur nördlichen Wendeltreppe führte. Gemäß der vorhandenen Wanddimensionen wäre das – wie in der Rekonstruktion eingetragen und von Lundberg untersucht – zumindest denkbar.[12] Diese Art der versteckten Wege der Dienerschaft (französisch dégagement) wurde im Frankreich des späten 17. und vor allem 18. Jahrhunderts in der Kunst der disposition zur Perfektion entwickelt und über architekturtheoretische Werke in ganz Europa rezipiert.[13] Über die Nutzung der Räume im Erdgeschoss aus der Bauzeit unter Claes Ekeblad d.Ä.[14] (1669–1737) ist wenig bekannt. Das knappe Inventar von 1729 gibt darüber keinen Aufschluss.[15] Westrin geht davon aus, dass die Räume wohl überwiegend als Schlafräume genutzt wurden,[16] denn notwendige Neben- und Wirtschaftsräume wie befanden sich außerhalb – die Küche beispielsweise im nördöstlichen Flügelpavillon. In der nächsten Generation nutzte Claes Ekeblad d.J.[17] (1708–1771) den südlichen gartenseitigen Raum als Schlafzimmer (Nr. 7),[18] der spätestens zu dieser Zeit einen Alkoven erhielt. Auch der gegenüberliegende gartenseitige Raum (Nr. 9) wurde zunächst wohl als Schlafzimmer genutzt.[19] Westrin berichtet weiterhin, dass auch Zimmermädchen im Erdgeschoss des Herrenhauses in Stola lebten.[20] Wie aus dem detaillierten Inventar von 1796 hervorgeht (Abb. 9, 68),[21] bewohte Claes Julius Ekeblad[22] (1742–1808) den südlichen Teil des Erdgeschosses (Nrn. 2–7): Von der Diele gelangte man in ein Vorzimmer (Nr. 2 grefvens lilla förmak, wohl ohne Tür zum Alkoven?) und dann in den ersten von zwei Bibliotheksräumen (Nrn. 3+6). Dazwischen lag ein kleines Kabinett mit Rückraum (Nrn. 4+5). Claes Julius bezog das Schlafzimmer seines Vaters im Erdgeschoss (Nr. 7). Doch weil er seinen Kammerdiener in der Nähe haben wollte, veranlasste Claes Julius ein Umbau: Dabei wurde der hintere Teil der Diele (Nr. 1) mit einer Wand abgetrennt, die Fenstertür zum Garten in ein Fenster verkleinert und auf diese Weise ein neuer Raum für den Kammerdiener des Grafen (Nr. 8) eingerichtet. Durch den Umbau wurde es nötig, die in Enfilade[23] angeordnete Tür zum gartenseitigen Raum in der nördlichen Hälfte des Hauses zu versetzen, um in den Raum (Nr. 9) zu gelangen. Diesen Raum nutzen Claes Julius Ekeblad und Brita Margareta Horn[24] (1745–1791) als kleinen Speisesaal. Die angrenzenden Räume waren den ‚mademoisellernas‘ und anderem Personal vorbehalten.[25] |
|
Innenräume Erdgeschoss |
|
Bei der Restaurierung des Architekten Erik Lundberg[26] (1895–1969) in den Jahren 1948–1951 wurde Stola als Privathaus mit teilweise kritisierten Umbauten vor allem im Erdgeschoss (Abb. 69) an einen modernen Wohnkomfort angepasst.[27] Daher haben sich im unteren Stockwerk im Gegensatz zum museal eingerichteten Obergeschoss weniger originale Ausstattungen des 18. Jahrhunderts erhalten [Link zu 12]. Der südliche Teil des Erdgeschosses (Nr. 2–7) wird heute als Wohnung für den Verwalter des Hauses im Auftrag der Stola-Stiftung genutzt und besitzt nur vereinzelt noch Spuren der wandfesten Ausstattung des 18. Jahrhunderts, sodass diese Räume hier nicht beschrieben werden.[28] Das Erdgeschoss (Nr. 10–12) beherbergt im Norden in den Jahren 1948–1951 eingebaute Wirtschaftsräume und ein Quartier für ein Dienstmädchen, die zwar weitgehend in den originalen Raumzuschnitten untergebracht wurden, aber kaum sichtbare Details aus dem 18. Jahrhundert bewahrt haben.[29] Diese Räume werden daher nicht berücksichtigt. Der Architekt Lundberg trennte klar zwischen alt und neu. Die Umbauten stehen als Beispiel für die Restaurierungspraxis der Zeit mittlerweile unter Denkmalschutz. |
|
Eingangsbereich |
|
Der langgestreckte Eingangsbereich (Nr. 1), der weniger einer Diele oder Halle, sondern mehr einem funktionalen Flur ähnelt, hat – für ein Herrenhaus recht überraschend – keine besonderen räumlichen Qualitäten (Abb. 70). Die ‚förstugan‘ bewahrt ungeachtet dessen einige interessante Ausstattungen aus dem 18. Jahrhundert, wie etwa originale Türen der Bauzeit mit zeitgenössischen Beschlägen (Abb. 71) und sogar eine niedrigere abweichend gestaltetet Kellertür (Abb. 72), die vermutlich aus einem älteren Gebäude übernommen wurde.[30] Zwei der für den Bauablauf wichtigen Datumsinschriften befinden sich hier: am Aufgang zur Treppe die Jahreszahl 1715 (Abb. 52) für die Vollendung des Rohbaus (mit Sicherheit des Erdgeschosses) und am Schlüsselschild des Hauptportals die Zahl 1717 (Abb. 53), als der Bau wohl mit Fenstern und Eingangsportal geschlossen war.[31] Auch der im Schachbrettmuster verlegte Bodenbelag aus rötlich-grauem Kalkstein (Abb. 73) ist bauzeitlich.[32] Abgesehen von gemalten Wappenschilden und Portraits aus dem 18. Jahrhundert wird an den Wänden die ‚Stola-Karte‘ (Abb. 50) ausgestellt.[33] Ein ursprünglich außen aufgestellter[34] Gedenkstein (Abb. 40) erinnert an ein wichtiges naturwissenschafltiches Ereignis im Sommer 1748 als der Astronom und Mathematiker Pehr Elvius[35] (1710–1749) mit erstaunlicher Präzision den Längen- und Breitengrad von Stola bestimmt hat.[36] Während des Umbaus 1948–1951 wurde der Raum für den Kammerdiener (Nr. 8) aus dem 18. Jahrhundert zurückgebaut und die im Eingangsbereich ursprünglich vorhandene Sichtachse vom Portal zum Garten wieder hergestellt. |
|
Kleines Speisezimmer |
|
Der direkt von der Diele zugängliche gartenseitige Raum (Nr. 9) diente bauzeitlich vermutlich als Schlafraum[37] und ist möglicherweise mit dem im Nachlassinventar von Eva de la Gardie[38] (1724–1786) erwähnten ‚steensalen‘ (Steinsaal) identisch.[39] Die letzte Generation der Ekeblads – Claes Julius Ekeblad[40] (1742–1808) und Brita Margareta Horn[41] (1745–1791) – wandelten den Raum in einen kleinen Speisesaal um (Abb. 74, 75).[42] Im Speisezimmer hat sich eine bemerkenswerte wandfeste Dekoration des 18. Jahrhunderts erhalten:[43] Laut Inventar von 1796 zierten den Speiseraum 49 direkt auf die Wand geklebte Kupferstiche mit gemalten Bilderrahmen sowie Aufhängungen einschließlich der Nägel (Abb. 76).[44] Diese kostengünstige Dekoration war zeitgenössisch nicht so selten, hat sich in der Regel jedoch nicht bis heute erhalten. In Stola könnte die Ausstattung von einem ähnlichen Raum im Palais Hessenstein[45] (Abb. 77, 78) auf der Insel Riddarholmen in Stockholm angeregt worden sein,[46] den die Familie Ekeblad aufgrund ihrer Aufenthalte in der Hauptstadt mit Sicherheit gekannt haben dürfte. |
|
|