09.02 Garten und Park 1728

Aus Herrenhäuser
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Die Vermessung von 1728

Etwa ein Jahrzehnt nach Fertigstellung des neuen Herrenhauses in Stola wurde ein geometrisches Aufmaß des Gutshofs vom staatlichen Landvermesser Torsten Lohm durchgeführt, das in zwei Karten der Gutsanlage von 1728 (Karte 1, Karte 2) (Abb. 10, 11) mit weitgehend identischer Darstellung von Haus und Garten festgehalten wurde. Aufgrund der auf den Karten beigefügten Legenden, kann man die Ziffern auf dem Plan auflösen und die Nutzung der verschiedenen Gartenteile im Bereich des Herrenhauses wird klar: Die oben beschriebene Zufahrtsallee ist nun – über Punkte auf der zweiten Kartenversion deutlich – mit Sicherheit baumbestanden und führt direkt zum neuen Hauptgebäude (Nr. 1). Dieses steht in einem umgrenzten Bereich mit einem Zufahrtstor im Osten und wird von vier kleineren Flügelbauten in Form von quadratischen Pavillons (Abb. 25) begleitet. Auf dem Vorplatz des Hauptgebäudes gibt es in beiden Kartenversionen von 1728 keinen Hinweis auf einen dort gepflanzten Solitärbaum, die berühmte Eiche, welche – bedeutungsvoll den Familiennamen symbolisierend – sicher vermerkt worden wäre. Dort ist jedoch auf beiden Karten kein Baum eingetragen.

Auf der Rückseite des Herrenhauses ist ein Bereich mit einem Abschluss in Form eines Halbrunds als „Blumengarten“ (Nr. 5) abgetrennt, den die hinteren kleineren Flügelpavillons flankieren. Mit einem kleinen Wasserbecken befindet sich nördlich vom Herrenhaus – wie aus der Legende ersichtlich – ein neu angelegter Kräuter- bzw. Küchengarten (Nr. 6), in dessen östlicher Ecke auch der Flügelpavillon für die Küche steht. Dieser Nutzgarten ist in zwei Bereiche geteilt und achsial auf die Nordfassade des Herrenhauses ausgerichtet.

Der größte Gartenbereich befindet sich südlich des Hauptgebäudes (Nr. 3 und 4): Diese Fläche ist vielleicht doppelt so groß wie der abgegrenzte Bereich direkt um das Herrenhaus und wird durch zwei ost-westlich verlaufende Hauptwege in rechteckige Flächen geteilt, die von kleineren Bäumen gesäumt sind. Das westliche Drittel (Nr. 4) wird als Küchengarten bezeichnet, während der östliche Teil als Kräuter- und Nutzgarten (Nr. 3) beschrieben ist. Wenngleich diese Gartenfläche symmetrisch auf die Südfassade des Herrenhauses ausgerichtet und ein achsialer Durchgang zwischen Haus und Garten vorhanden ist, durchschneidet der anschließende Weg nur den ersten von drei Parterrestreifen. Damit ist diese Querachse im Garten zu dieser Zeit schwach ausgeprägt. Eine weitere Querachse beginnt am hinteren Flügelpavillon des Haupthauses und durchquert die drei Pflanzstreifen und setzt sich sogar – leicht verschwenkt – in einem Weg fort, der dem heutigen Pfad zum Gedenkhain entspricht. Am westlichen Ende des Gartens steht auf einer kleinen geländebedingten Anhöhe oberhalb des mittleren Parterrestreifens ein Gebäude, das vermutlich ein Gewächshaus war und als eine Art Point de Vue für die Gartenfläche diente. Dieser Garten verband durch die geometrische Anpflanzung als Ziergarten das Schöne mit dem Nützlichen, denn wie in der Legende erläutert handelte es sich um einen Kräuter- und Küchengarten.

Ganz im Westen hinter beiden formal gestalteten Gartenbereichen des Haupthauses und des Nutzgartens befindet sich abgegrenzt von der Landschaft laut Beschriftung noch eine Eichenplantage (Ekeplantering), die sich dem Geländeprofil folgend über die felsige Abbruchkante in die Ebene hinein erstreckt. In diesem park- oder waldähnlichen Bereich befindet sich auch der Eiskeller (schwedisch Iskällare) des Anwesens (Abb. 156, 157).


Abb. 10 Torsten Lohm, Vermessung von Stola, Karte 1, 1728
Abb. 11 Torsten Lohm, Vermessung von Stola, Karte 2, 1728
Abb. 156 Stola, Park, Reste des Eiskellers, 2022
Abb. 157 Stola, Park, Reste des Eiskellers, 2022