09.05 Garten und Park 1790
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06.00 Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 06.01 Claes Ekeblad d.Ä. und Hedvig Mörner
- 06.02 Claes Ekeblad d.J. und Eva de la Gardie
- 06.03 Claes Julius Ekeblad und Brita Horn
- 07.00 Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 07.01 Vorgängerbau
- 07.02 Neubau des Herrenhauses 1713–1719
- 07.03 Beschreibung Herrenhaus
- 07.04 Architektur
- 08.00 Innenräume im 18. Jahrhundert
- 08.01 Erdgeschoss
- 08.02 Obergeschoss
- 08.03 Untergeschoss und Dachgeschoss
- 08.04 Sammlungen
- 09.00 Garten und Park
- 09.01 Garten und Park vor 1700
- 09.02 Garten und Park 1728
- 09.03 Garten und Park um 1750
- 09.04 Die Ekeblad-Eiche
- 09.05 Garten und Park 1790
- 09. Garten und Park
- 10. Wirtschaftsgebäude
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12.00 Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 12.01 Besitzverhältnisse nach dem 18. Jahrhundert
- 12.02 Das Herrenhaus nach dem 18. Jahrhundert
- 12.03 Garten und Park nach dem 18. Jahrhundert
- 12.04 Nebengebäude nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Geophysikalische Prospektion und digitale Dokumentation
- 14. Quellen- und Literaturverzeichnis
Die Sunnerström Karte von 1790 |
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Die Charta öfver Tomtplatzen och Trädgården med mera till Säteriet Stola (Abb. 48) entstand als Dokumentation des Vorhandenen im Zusammenhang mit der Beschreibung der Gemeinde Sunnersberg[1] durch Anders Sunnerström im Jahr 1790. Auf der Karte erkennt man, wie wenig vom vorherigen Ideal-Entwurf aus der Jahrhundertmitte in Stola tatsächlich umgesetzt worden ist. Außerdem wird deutlich, dass der Entwerfer des „Plan général“ (Abb. 8) die Gegebenheiten vor Ort in Stola offenbar doch nicht so gut kannte, weil er etwa die auf der „Charta öfver Tomtplatzen“ als graue ‚Wolke‘ eingetragene bestehende Felserhebung im „Plan général“ bei der Anordnung der Alleen nicht berücksichtig hat. Vielleicht war der Entwurf des „Plan General“ – gefertigt für Claes Ekeblad d.J.[2] (1708–1771) und Eva de la Gardie[3] (1724–1786) – daher eher als Anregung und Idealplan für eine Gartengestaltung denn zur konkreten Umsetzung gedacht. Dagegen zeigt die „Charta öfver Tomtplatzen“(Abb. 48) eine pragmatische Weiterentwicklung der Gärten in Stola, die bestehende Achsen und Wege fortschreibt, statt die Landschaft wie im „Plan General“ vorgeschlagen mit neuen Alleen zu gliedern. Der Wirtschaftsbereich nördlich des Haupthauses wurde lediglich etwas verändert, jedoch der Küchenpavillon im Nordosten des Herrenhauses 1781 aus Stein neu errichtet.[4] Zusätzlich finden sich einige kleinere neue Gebäude dort, die vermutlich zu Wirtschafts- oder Wohnzwecken der Angestellten dienen. Der Gartenbereich im Süden des Herrenhauses wurde vergrößert, wobei bestehende Wege pragmatisch verlängert und durch neu gezogene Querachsen[5] entstehen wiederum rechteckige Flächen, die wie die älteren Teile umpflanzt waren. Aufgrund der andersfarbigen Lavierung in den südlichsten Flächen ist jedoch von einer anderen Nutzung auszugehen. Die kräftig grüne Farbe wird sonst beim Blumenparterre hinter dem Herrenhaus eingesetzt, sodass der Bereich eventuell für die Blumenaufzucht genutzt wurde oder vielleicht ein Rasenparterre (Parterre à l‘anglois) war. Bei den angrenzenden bläulich lavierten Flächen handelt es sich nicht etwa Wasser, sondern der Buchstabe ‚d‘ bezeichnet in der Umgebung lichte Waldstücke.[6] Ausgehend von der Südseite des Haupthauses verläuft eine Wegeachse zu einem Aussichtspunkt auf einer natürlichen Felserhebung mit einem kleinen Gebäude darauf. Alle anderen Wegeachsen gehen nach und nach in gewundene Pfade über, die diesen Aussichtshügel umrunden. Bereits im Jahr 1790 war von Claes Julius Ekeblad[7] (1742–1808) am südwestlichsten Punkt der Anlage auf einer Anhöhe der noch bestehende Aussichtspunkt mit dem ‚Popeln‘ genannten Gedenkstein (Abb. 162, 163) errichtet worden.[8] Der merkwürdige Name leitet sich vom berühmten englischen Dichter Alexander Pope[9] (1688–1744) ab, dessen „Universal Prayer“[10] in schwedischer Übersetzung auf dem Gedenkstein eingemeißelt ist (Abb. 164, 165). Dies spiegelt die Gedankenwelt der Zeit und der letzten Ekeblads als Besitzer von Stola wieder. Claes Julius war seit seiner Zeit in Frankreich mit der deistisch geprägten Philosophie der Aufklärung vertraut.[11] Dieser in natürlichen Formen gestaltete Bereich des Parks wurde auch als Gedenkhain (schwedisch Minneslund) (Abb. 166, 167, Steine Nr. 1–7) genutzt. Erstmals stellte Claes Ekeblad d.J.[12] (1708–1771) dort einen Gedenkstein für den 1753 verstorbenen Architekten Carl Hårleman[13] (1700–1753) (Nr. 7, Abb. 43) und seinen Vater (Nr. 1, Abb. 168) auf, die sich noch heute dort befinden.[14] Sein Sohn Claes Julius Ekeblad[15] (1742–1808) ergänzte 1786 Gedenktafeln für seine verstorbenen Eltern (Nrn. 3, 4, Abb. 169, 170) und für seine Brita Margareta Horn[16] (1745–1791) (Nr. 2, Abb. 171).[17] Vor allem die Gedenksteine und der Aussichtspunkt mit dem ‚Popeln‘ (Abb. 162, 163) weisen heute noch auf den Bereich des englischen Landschaftsparks in Stola hin, der sonst ziemlich verwildert ist.[18] Von den Entwerfern des Gartens in Stola scheint neben Carl Hårleman[19] (1700–1753) niemand namentlich bekannt,[20] doch Gärtnerei und Ackerbau zählten im Allgemeinen zu den Interessensgebieten des Landadels und der Familie Ekeblad[21] im Besonderen. Daher kann man vermuten, dass zumindest ein Teil der Gartengestaltung unmittelbar von den Mitgliedern der Familie veranlasst wurde. Der Außenraum verkörpert somit den Geist der Familie Ekeblad auf ihrem Stammsitz – ausgedrückt in der Garten- und Parkanlage und insbesondere bekundet durch die aufgestellten Gedenksteine und deren Inschriften.
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