03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 10. Wirtschaftsanlage
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Quellen- und Literaturverzeichnis
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Während das Herrenhaus von Christinehof ab 1737 als Neubau ohne Vorläufer an diesem Standort errichtet wurde, existierte die durch den dänischen Adeligen Jochum Beck (Abb. 6) gegründete Alaunhütte bereits seit den 1630er Jahren (Abb. 7). Zuvor befanden sich an diesem Ort die beiden kleinen Höfe Kullstorp und Sjöstorp. Die Besitzverhältnisse von Sjöstorp können bis in das Jahr 1387 zurückverfolgt werden, als der mecklenburgische Ritter Johann Snakenborg dort ansässig war. Bis zum Erwerb des Hofes 1641 durch Beck lassen sich verschiedene besitzende Familie nachweisen, darunter zeitweise auch Mitglieder der dänischen Königsfamilie.[1] Die genaue Lage des Hofes von Sjöstorp ist nicht bekannt, jedoch deutet der Name auf eine Nähe zu einem See hin, für den nur der Verkasjön in Frage kommen kann. Jochum Beck errichtete in Sjöstorp 1641–1643 selbst einen Gutshof, der jedoch im Zuge des im selben Jahr ausbrechenden Torstenssonkrieges zwischen Schweden und Dänemark zerstört worden zu sein scheint.[2] Nach Kriegsende verlegte Beck um 1646 den Hof an einen neuen Standort östlich des Kesselhauses, fortan mit Andrarums gård bezeichnet. 1647 erwarb er mit Kullstorp auch den zweiten Hof auf dem Gelände.[3] Infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Schweden und Dänemark, die auch nach dem Übergang von Schonen an Schweden 1652 immer wieder aufflammten, sah sich Beck zunehmend finanziellen Belastungen ausgesetzt, was ihn zu notwendigen Verkäufen und Verpfändungen zwang. So wurde auch Andrarums gård 1651 an Axel Juel verpfändet, der 1666 Kullstorp ladugård erbauen ließ.[4] Bis ins frühe 18. Jahrhundert bemühten sich Jochum Beck und später sein Sohn Lave weitgehend erfolglos, die Alaunhütte rentabel zu machen. Ihre bauliche Entwicklung lässt sich in dieser Phase nur vage nachzeichnen. Die einzige bekannte bildliche Darstellung vor 1700 von Gerhard von Burman (Abb. 8[5]) zeigt eine vermutlich relativ realistische Abbildung von Andrarums gård, während die im Hintergrund erkennbaren Wirtschaftsgebäude eher schematischer Natur sind.[6] Neben Produktionsstätten wie Kessel- und Pfannenhaus standen auf dem Areal mehrere größere Verwaltungsgebäude, darunter ein Gerichtsgebäude und das Inspektorenhaus. Zudem gab es landwirtschaftlich genutzte Scheunen und Ställe sowie zahlreiche Arbeiterwohnungen. Mit der wachsenden Bevölkerung im Laufe des 18. Jahrhunderts entstanden auch ein Krankenhaus, eine Schule, ein Gefängnis und weitere Infrastruktur (Abb. 9–11). Viele dieser Gebäude existierten jedoch nur für kurze Zeit, wurden wieder abgerissen oder an anderer Stelle neu errichtet. Insgesamt lässt sich die Entwicklung von Infrastruktur und Bebauung um die Alaunhütte als dynamisch und wenig konzeptuell beschreiben. Das alte Herrenhaus: Andrarums gårdDas unmittelbar neben den Produktionsstätten errichtete Herrenhaus – Andrarums gård – hatte zweifelsohne bereits einen repräsentativen Anspruch. Auf Karten von circa 1650, 1685 und 1711 ist das Gebäude eingezeichnet. Ein 1756 publizierter Stich von Gerhard von Burman (Abb. 8), vermutlich entstanden in den 1680er Jahren, scheint ein weitgehend realistisches, wenn auch in den Details nicht immer korrektes Abbild zu liefern. Die Bildquellen lassen sich über eine im Archiv von Christinehof erhaltene Beschreibung des Hauses ergänzen, verfasst im Zuge einer Kreditanfrage von Jochum Beck in den Jahren 1757–1758. Zudem konnte das Herrenhaus im Rahmen einer Bodenradaruntersuchung im September 2023 lokalisiert werden.[7] Die Karte von 1685 von Lorentz Kreuger (Abb. 12)[8] zeigt einen langgestreckten Grundriss des Hauptgebäudes mit auf beiden Seiten zentral vorspringenden Bauteilen. Angrenzend daran schließen sich beidseitig freistehende Flügel an. In der Karte von 1711 (Abb. 13)[9] wird hingegen ein langes, zusammenhängendes Gebäude gezeigt. Vor dem Haus befindet sich ein offenbar mit einem einfachen Zaun umgrenzter Nutzgarten ohne Repräsentationsanspruch, aber von beachtlicher Größe: Während die Fläche 1685 mit Trägården („Baumgarten“, also wohl ein Obstgarten) bezeichnet ist, zeigt die Karte von 1711 eine Unterteilung in zwei etwa gleich große Bereiche, von denen der zweite als Krӱddegården (Kräutergarten) benannt wird. Burmans Darstellung erweitert die Informationen der Karten: Zu sehen ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit einem Vorbau und beidseitig anschließenden Nebengebäuden. Auf jeweils ein kleineres Gebäude mit Walmdach folgt ein weiteres Gebäude mit Satteldach. Die schmucklose Fassade ist durchgängig dargestellt; Fenster und mehrere kleinere Eingänge sind unregelmäßig angeordnet. In dem zentralen Vorbau, der eventuell eine Treppe aufnahm, befindet sich ein größerer Eingang. Hinter dem Haus erstreckt sich ein mit einem einfachen Zaun umgrenzter Nutzgarten, in dem einige Beete angedeutet sind. Die Struktur des Hauses lässt vermuten, dass zunächst nur das zentrale Gebäude als Wohnhaus errichtet und anschließend sukzessive um die Nebengebäude erweitert wurde. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die drei Satteldach-Häuser ursprünglich ohne Verbindung nebeneinanderstanden und erst später durch weitere Gebäude verbunden wurden. Aus der schriftlichen Beschreibung von 1757–1758 geht hervor, dass die Nebengebäude – entgegen der Burmanschen Darstellung – nur eingeschossig waren und sich folglich deutlicher von dem zentralen Gebäude absetzten.[10] Dies entsprecht auch den im Text genannten Funktionen: Der zentrale Teil diente als Wohnhaus, während die seitlichen Gebäude als Kutschenhäuser und Lagerräume genutzt wurden. Dies bestätigt sich auch in den Lukarnen auf den Walmdächern mit großer Öffnung, die an Lagerhäuser mit darüber angebrachten Kränen erinnern. In den 1730er Jahren wurde Andrarums gård, inzwischen in baufälligem Zustand, abgerissen. Im Jahr 2023 konnte die Bodenradaruntersuchung das Haus auf ganzer Länge auf dem in der Karte von 1711 markierten Standort nachweisen (Abb. 14–16)[11]. Die Aufteilung in Haupt- und Seitengebäude sowie die vorspringenden zentralen Bauten (von 3 x 8 m) wurden bestätigt; ebenso traten in den Nebengebäuden Raumunterteilungen zutage. Das Haus stand auf einer etwa 0,8 m breiten Sockelmauer und hatte eine beachtliche Länge von etwa 107 m bei einer Breite von etwa 7 m. Es ist daher anzunehmen, dass die meisten Räume die ganze Breite des Gebäudes einnahmen. Funktionalität und Repräsentation, Wohnen und Arbeit gingen so in unmittelbarer Nähe zur Alaunproduktion nahtlos ineinander über. Lave Beck bewohnte in den 1680er Jahren ein anderes, deutlich bescheideneres Holzhaus, das 1706 und 1715 mit neun Querbalken, einer Steinmauer und einem Strohdach beschrieben wird. Der mittlere Teil enthielt ein Stockwerk mit vier Zimmern und einer Küche, während die beiden Giebelseiten als Ställe genutzt wurden.[12] Christina Pipers Entscheidung, das neue Herrenhaus weit abseits der Produktionsstätten in einem nach barocken Grundsätzen gestalteten Umfeld zu errichten, verweist auf dessen prestigeträchtige Funktionen und anders gelagerten Anspruch. Der Beck’sche Vorläuferbau war dagegen gänzlich im Kontext der vorindustriellen Arbeitsstrukturen verhaftet gewesen – in seiner Größe zwar durchaus imposant, aber integraler Bestandteil der Alaunproduktion.
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