09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 01. Einführung
- 02. Forschungsstand
- 03. Geschichte der Anlage vor dem 18. Jahrhundert
- 04. Überblick zur Gesamtanlage
- 05. Wirtschaftlicher Kontext
- 06. Besitzverhältnisse im 18. Jahrhundert
- 07. Herrenhaus: Baugeschichte und Architektur
- 08. Innenräume im 18. Jahrhundert
- 09. Garten und Park im 18. Jahrhundert
- 10. Wirtschaftsanlage
- 11. Kirche und Dorfstrukturen
- 12. Geschichte der Anlage nach dem 18. Jahrhundert
- 13. Quellen- und Literaturverzeichnis
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Die Anlage des Gartens (Abb. 35, 19, 124–126) in Christinehof erfolgte vermutlich zeitnahin zur Errichtung des Herrenhauses. Der Vertrag über die Errichtung des Hauptgebäudes wurde 1737 mit dem regionalen Baumeister Georg Mokelten geschlossen, der mangels Quellen auch als Urheber des umliegenden Gartens in Betracht gezogen wurde.[1] Tatsächlich liegen heute kaum aussagekräftige Quellen zu Urheberschaft und Entstehungsgeschichte des Gartens vor.[2] Einige Briefe von Christina Piper an den Direktor der Alaunhütte, Ivar Ryting, geben vereinzelte Hinweise: Am 7. August 1741 kündigt sie die Ankunft eines Gärtners mit Namen Jean Limburg an, der sich einen Überblick verschaffen soll. Sie ordnet zudem die Errichtung einer den Garten an drei Seiten umschließenden Steinmauer an – heute nur noch in Teilen erhalten (Abb. 127) – und drängt auf eine schnelle Umsetzung der Arbeiten.[3] Am 3. September unterstreicht sie die Dringlichkeit des Vorhabens erneut.[4] Bereits am 7. September zeigt sich Christina Piper zufrieden über die beträchtliche Menge an Steinen, die inzwischen angeliefert worden ist. Allerdings erweist sich in der kalten Jahreszeit die tägliche Arbeitszeit als zu kurz, so dass die Arbeit an der Mauer auf das Frühjahr verschoben werden soll.[5] Am 29. September schreibt Christina Piper, dass Georg Mokelten das fertiggestellte Haus verlasse, und äußert sich besorgt über die nun ungeschützte und leerstehende Anlage. Zu deren Sicherung müsse die Errichtung des mit drei Ellen Höhe geplanten „stengärdet“ erfolgen. Sie zeigt sich unzufrieden mit dem schleppenden Fortschritt der Arbeiten und erhöht den Druck auf Yvar Riting.[6] Die Anlage war vermutlich spätestens 1748 oder 1749 vollendet, da sie im 1750 publizierten Reisetagebuch von Carl Hårleman Erwähnung findet.[7] Carl von Linné, der Schonen 1749 bereiste,[8] verfasste zwar am 30. Mai eine längere Abhandlung zu den Produktionsvorgängen der Alaunhütte sowie botanisch-geologischen Beobachtungen vor Ort, erwähnt jedoch weder das Herrenhaus noch seinen Garten nicht.[9] Da Linné andere Gärten von Christina Piper durchaus berücksichtigte – so jene in Krageholm und Toppeladugård – lässt sein Schweigen zu Christinehof darauf schließen, dass der dortige Garten für ihn von geringem botanischen und gartenbaulichen Interesse war. Das früheste aussagekräftige Dokument zum Garten ist eine Zeichnung mit Beschreibung von Adolf Fredrik Barnekow (1744–1787). Sie entstand auf einer Reise mit Emanuel De Geer und wurde 1768 – leicht überarbeitet und aquarelliert – in einer Reihe weiterer Abbildungen von hauptsächlich schwedischen Gutsanlagen und Kirchen publiziert (Abb. 128, 24).[10] Barnekow, unter anderem als Direktor des Königlichen Theaters und der Hofkapelle sowie als Präsident der Königlichen Musikakademie in Erscheinung getreten, zeigte ein ausgeprägtes Interesse an den Gartengestaltungen seiner Zeit und tat sich als Entwerfer mehrerer Gartenanlagen hervor.[11] Beinahe zeitgleich erschien 1767 eine längere Beschreibung des Gartens durch den Landvermesser Johan Lorentz Gillberg.[12] Die Gesamtanlage von Christinehof wirkt – gerade im Vergleich zu anderen Anwesen in Piperschem Besitz –verhältnismäßig schlicht und ohne besondere Raffinesse. Ein näherer Blick auf die Gestaltungsmittel offenbart jedoch, das auch hier eine gezielte Inszenierung des Herrenhauses im Zusammenspiel mit seiner Umgebung stattfand und eine repräsentative Dimension dazu angetan war, den Status und die dominierende Rolle von Christina Piper in der Region sichtbar zum Ausdruck zu bringen. Eine bis heute in weiten Teilen erhaltene Kastanienallee[13] führt nach Christinehof und beschreibt etwa 200 m vor dem Haupthaus eine 90°-Biegung, womit sich der Blick auf das Herrenhaus öffnet. Hier beginnt eine Achse, die zentral durch das Hauptgebäude verläuft und sich über den rückseitig gelegenen Garten hinaus in das angrenzende Terrain fortsetzt (Abb. 129–130). Wie auf einer Karte aus dem frühen 19. Jahrhundert (1812–1820) zu erkennen ist (Abb. 22),[14] zog sich diese Achse auf einer Länge von etwa 1,5 km durch das heute bewaldete Gelände. Sie war etwa 30 m breit und beidseitig von Bäumen gesäumt, die in einem Abstand von etwa 5–10 m gepflanzt waren.[15] Mit einer zentralen Sichtachse wurde in Christinehof ein zentrales Gestaltungsprinzip barocker Anlagen aufgegriffen. Auf dem Weg zum Hauptgebäude passierte man rechterhand zunächst ein rechteckiges, einst ummauertes Feld mit gerade gepflanzten Lindenreihen. Anschließend liegt linkerhand, auf abfallendem Gelände, ein ursprünglich rechteckiger Fischteich – wahrscheinlich zur Haltung von Karpfen oder Flusskrebsen gedacht (Abb. 32). Auf Barnekows Zeichnung ist der Teich dreiseitig von vermutlich geschnittenem Buxbaum sowie allseitig von einer gelben Fläche umgeben, bei der es sich eventuell um farbige Steine handelte.[16] Auf der gegenüberliegenden Seite liegt eine freie Fläche, deren Funktion bislang ungeklärt ist. Entsprechend eines barocken Strebens nach Symmetrie wurde hier mitunter ein zweiter, spiegelbildlich angelegter Teich vermutet[17], was indes bislang nicht durch Quellen untermauert werden konnte. Auch im Jahr 2023 durchgeführte Bodenradaruntersuchungen ergaben keine entsprechenden Hinweise.[18] Ein weiterer, größerer Fischteich liegt weiter hangabwärts und ist über einen schmalen Bachlauf mit dem ersten verbunden (Abb. 131). Bereits Gillberg bestätigt die Existenz dieser beiden Teiche zwischen „Borg och Ladugården“[19]. Der Garten selbst erstreckt sich dreiseitig um das Haupthaus und liegt auf zwei hohen Terrassen, die über Aufschüttungen entstanden waren – überwiegend aus Schieferabfällen, die bei der Alaunproduktion anfielen.[20] Wie auf Barnekows Zeichnung und einer Karte aus dem 19. Jahrhundert (Abb. 23, 24) erkennbar, waren die breiten Terrassen in geometrisch angelegte Quartiere unterteilt. Nur direkt vor dem Gebäude befand sich auf der oberen Terrasse ein Zierelement: Zwei Broderieparterres rahmten eine ovale Fläche, die prädestiniert war für die Platzierung eines Wasserbeckens, einer Skulptur oder einer Fontäne.[21] Seitlich des Gebäudes war je ein weiteres Parterre angelegt, dessen Gestaltung auf Barnekows Skizze nicht präzisiert wird. Zwischen den drei Parterres sind diagonal vom Haus wegführende Wege gezeigt: die Bodenradaruntersuchung konnte hier 2023 rechterhand eine lineare Struktur abbilden (Abb. 81, 82). Eine kleine, nach unten geschwungene Treppe führte auf der zentralen Achse in die untere, etwa fünf Meter tiefer gelegene Gartenebene. Auch diese war mit quadratischen oder rechteckigen Quartieren gestaltet. Gillberg zählt die Elemente innerhalb des ummauerten Gartenareals auf: „qwarter, häckar, Ritningar och Frukteträn, alt omlagt med en hög stenmur.“[22] Die offenbar von Hecken umstandenen Quartiere nahmen demnach hauptsächlich Obstbäume auf. Die Bodenradaruntersuchung konnte insbesondere seitlich der Wege eine Reihe ehemaliger Pflanzgruben nachweisen, die auf einst vorhandene Bäume hinweisen. Auch Fotografien aus dem frühen 20. Jahrhunderts zeigen noch einzelne Bäume sowie Reste einer die obere Terrasse stützenden Mauer – letztere ist auch auf der indes wenig verlässlichen Lavierung von Matthias Flensburg aus den 1790er Jahren (Abb. 132) abgebildet. Am Endpunkt des Gartens führt eine schmale Treppe auf der zentralen Achse aus dem Garten hinaus (Abb. 133) und ist auf Barnekows Skizze vage eine patte d’oie angedeutet. Auf der Karte aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Abb. 23) ist der Garten allseitig vermutlich von Bäumen umstanden, die indes bei Barnekow noch nicht abgebildet und eventuell also späteren Datums sind. In seiner Dimension ist der Garten in Christinehof überschaubar. Seine relativ schlichte Gestaltung weist auf eine zuerst funktionale Funktion als Nutzgarten, ohne dass eine repräsentative Dimension außer Acht gelassen wurde. Die künstliche Topographie und Terrassierungen formen ein Ensemble, in dem das Haus im Zusammenspiel mit dem Garten effektvoll inszeniert wird: Die großen Niveauunterschiede erheben das Hauptgebäude zu einem dominanten Blickpunkt in der Landschaft. Zugleich musste auf der Gartenseite ein willkommener Überraschungseffekt entstehen, denn die Terrassierungen und Ausblicke blieben auf der Hofseite dem Blick zunächst verborgen. Die Symmetrie der Anlage, die Broderieparterres, die linearen Wegestrukturen und die zentrale Sichtachse greifen das Vokabular des barocken Gartens auf, wenn auch auf prestigeträchtigere Elemente – wie beispielsweise Wasserspiele, Gartenarchitekturen, Skulpturen oder Labyrinth – verzichtet wurde. Auch aufwendigere oder exotische Bepflanzungen sind nicht überliefert. Es gab augenscheinlich viele Obstbäume. Der Gärtner logierte in einem unter Carl Fredrik Piper errichteten Haus am Ende der unteren Terrasse, das nicht mehr erhalten ist, aber über die Bodenradaruntersuchung 2023 nachgewiesen werden konnte. Dieselbe Untersuchung brachte am unteren Rand der östlichen Terrasse zudem drei rechteckige Strukturen (ca. 8 x 9,5 m) zutage, bei denen es sich offenkundig um Unterbauten hier ehemals stehender Gebäude handelt (Abb. 81, 82).[23] Auf den bekannten Karten sind sie nicht eingezeichnet. Die relativ schlichte Gartengestaltung in Christinehof erklärt sich nicht mit fehlendem Engagement Christina Pipers, die in ihren Anwesen eine Reihe äußerst aufwendiger Gärten realisieren ließ und darin ein langes und intensives Interesse an der Gartenkunst bezeugt. Die zurückhaltende Ausführung in Christinehof spiegelt vielmehr die temporäre und vorwiegend praktische Nutzung des Anwesens wider. Zudem spielten eventuell die Beeinträchtigungen der nahen Alaungewinnung, insbesondere die monatelang brennenden Schiefertürme, eine Rolle. Unter Carl Fredrik Piper, der über die Sommermonate ständig in Christinehof lebte, erfuhr der Garten keine grundlegenden gestalterischen Veränderungen. Gärten in den Anwesen von Christina PiperMehrere Anwesen im Besitz von Christina Piper erhielten ausnehmend anspruchsvolle Gartengestaltungen. Insbesondere in Stockholm, Sturefors, Krageholm und Toppeladugård entstanden Gärten, für die mit Johan Hårleman, Nicodemus Tessin d. J. und Göran Josua Adelcrantz mitunter namhafte Künstler beauftragt wurden. Christina Piper selbst war am Entstehungsprozess der Gärten oftmals aktiv beteiligt. Dies ist bereits für den 1695 begonnenen Garten[24] in ihrem Stockholmer Stadthaus auf Kungsholmen anzunehmen, da Carl Piper während der laufenden Arbeiten Schweden für den Großen Nordischen Krieg verließ. Verantwortlich zeichnete Johan Hårleman, ein Künstler von europäischem Rang, der nach zwei Studienreisen insbesondere von Frankreich beeinflusst und unter Nicodemus Tessin d. J. in die Gestaltung der königlichen Gärten involviert war.[25] Die hohe Bedeutung des Kungsholmer Gartens vermittelt sich auch in sieben Überblicks- und Detailansichten von Johannes van den Aveelen[26], die vermutlich mit Blick auf eine (letztlich nicht erfolgte) Aufnahme in die Publikation der Suecia antiqua et hodierna[27] entstanden waren (Abb. 134, 135). Das von einer Mauer umschlossene Gartenareal ordnete sich um ein etwas zurückgesetztes Hauptgebäude an, das von einer zentralen Achse durchschnitten wurde. Den Endpunkt bildete eine ab 1702 realisierte halbrunde Mauer mit Nischen, die als Piperska muren[28] bekannt wurde. Vor dem Gebäude lagen symmetrisch angelegte Broderieparterres mit je einem Jet d’eau in ihrem Zentrum; zu den Seiten gruppierten sich weitere Boskette, ein Labyrinth, Baumbepflanzungen sowie eine reich verzierte Orangerie[29] – zu letzterer schrieb Hårleman 1703 an Carl Piper, sie werde nur von der Orangerie in Versailles übertroffen.[30] Das hohe Anspruchsniveau des Kungsholmer Gartens bestätigt sich in Hårlemans Orientierung an einer königlichen Formensprache: Ebenfalls in den 1690er Jahren war er im Kungsträdgården tätig, wo sich eine ähnliche Anordnung der Gartenelemente beobachten lässt.[31] Auch in Sturefors, seit 1699 in Piperschem Besitz und ihr erster großer Landsitz, entstand ab 1707 eine repräsentative Schlossanlage mit Garten, die den Status der Familie zum Ausdruck bringen sollte. [32] Erneut wurden mit Nicodemus Tessin d. J. und seinem Schüler Göran Josua Adelcrantz[33] Künstler ersten Ranges engagiert. Die Arbeiten in Sturefors fanden wiederum in Carl Pipers Abwesenheit statt, der zwar briefliche Anweisungen erteilte, doch vermutlich Christina Piper einen Teil der Verantwortung übertrug. Sie verfolgte den Fortgang der Arbeiten offenbar intensiv. Der um das Gebäude angelegte Garten (Abb. 136–137) wurde durch eine zentrale Sichtachse sowie eine diese rechtwinklig kreuzende zweite Achse strukturiert, was sich so auch in der sehr verwandten Anlage von Griebenow findet.[34] Am Ende der zweiten Achse lagen der Küchengarten und die Orangerie. Wie in Frankreich üblich, wurde der Nutz- vom Lustgarten getrennt.[35] Vor dem Schlossgebäude erstreckten sich symmetrische Broderieparterres, die an jene in Vaux-le-Vicomte (Abb. 138) erinnern,[36] sowie ein das Areal abrupt beendendes ungleich kleineres, rechtwinkliges Boskett. Eine Lindenallee führte die Zentralperspektive weiter; Lindenalleen umgaben das gesamte Gartenareal. Während die Arbeiten in Sturefors noch andauerten, begann mit dem Erwerb von Krageholm und Högestad die Orientierung der Pipers nach Schonen. Für einen geplanten Neubau in Krageholm korrespondierte Carl Piper erneut mit Tessin, von dem sich ein Entwurf für den Garten (Abb. 139) erhalten hat und der zudem 1708 seinen Schüler Adelcrantz nach Krageholm schickte.[37] Dort hatte bereits im 17. Jahrhundert eine vergleichsweise aufwendige Gartenanlage bestanden.[38] Der Tod Carl Pipers und der andauernde Krieg verhinderten vermutlich konkrete Arbeiten, sodass Christina Piper erst 1720 die Renovierung des Gebäudes und die Anlage eines Gartens initiierte (Abb. 58, 140). Letzterer ist in einer Zeichnung im Archiv von Krageholm (Abb. 141) und durch eine Beschreibung von Carl von Linné überliefert,[39] der ihn am 30. Juni 1749 besichtigte. Aus Tessins ursprünglichem Entwurf wurden die rechteckige Form, die zentrale Sichtachse und die umlaufenden Lindenreihen übernommen, während die weitere Gestaltung deutlich vereinfacht wurde. Tessin hatte vor dem Schlossgebäude Broderieparterres um einen zentralen Brunnen vorgesehen, die sich an das Parterre du Nord im Garten von Versailles anlehnten.[40] Diese erste Gartenebene sollte von einem Kanal umschlossen werden. Tatsächlich umgesetzt wurden zwei einfache Broderieparterres und auf der Sichtachse zwei Brunnenanlagen; der übrige Gartenbereich wurde mit Baumquartieren gestaltet, die offenbar von Hecken eingefasst waren – ähnlich jenen in Christinehof. Hervorzuheben ist ein aufwendiges Labyrinth am Endpunkt der Anlage, das dem Garten ein wichtiges repräsentatives Element hinzufügte. Die Vereinfachung von Tessins Entwurf wurde ganz offensichtlich nicht als solche wahrgenommen, denn Linné beschreibt den Garten von Krageholm als einen der prächtigsten in Schonen und erwähnt verschiedene Baumsorten, das Labyrinth, Wasserspiele und Obstgärten. Erwartungsgemäß hatte also Christina Pipers Hauptwohnsitz deutlich mehr Aufwand erfahren als Christinehof. Ein weiteres kleines Anwesen im Besitz von Christina Piper zeigt indes einen Garten, der dem in Christinehof relativ ähnlich ist: Es handelt sich um Toppeladugård in Schonen (Abb. 62, 143), das sie 1720 erwarb und umbauen ließ. Heute nicht mehr erhalten[41], war das erbaute einstöckige Holzhaus auf einem hohen Steinsockel offenbar von eher bescheidenem Charakter.[42] Der Garten hingegen weist ein im Verhältnis erstaunlich ambitioniertes Gestaltungskonzept auf. Die vorliegenden Quellen sind nahezu dieselben wie für Christinehof: Erhalten sind zwei Zeichnungen von Adolf Fredrik Barnekow – eine vorbereitende Skizze und die publizierte Version (Abb. 144) –[43], ein Aquarell von Anders Sigfrid Rålamb (um 1780)[44] (Abb. 145), eine Beschreibung des Landvermessers Johan Lorentz Gillberg[45] sowie ein Bericht von Carl von Linné, der Toppeladugård 1749 besichtigte.[46] Barnekows Darstellungen offenbart die Parallelen zu Christinehof: Die zentrale Achse läuft auch hier in Form einer Allee auf das zweiflügelige Gebäude zu und setzt sich rückwärtig fort. Zwei vorgelagerte Nebengebäude bilden – ähnlich wie in Christinehof – eine Avant-Cour, die durch eine Mauer nach vorne abgeschlossen war. Der Garten erstreckt sich rückseitig des Hauptgebäudes; vor dem Gebäude lagen Broderieparterres mit einem Oval in der Mitte . Die zentrale Sichtachse mündet in ein Labyrinth, das Linné so umfassend beeindruckte, dass er eigens eine Zeichnung davon anfertigte (Abb. 146). Die Symmetrie der Gesamtanlage um die Hauptachse herum ist in Toppeladugård weniger konsequent umgesetzt als in Christinehof, doch dominieren auch hier von Bäumen eingefasste Quartiere, die vermutlich mehr einem Nutz- als einem Lustgarten zuzuordnen sind. Das Labyrinth, zweifelsohne ein Höhepunkt des Gartens, motivierte Linné zu einer ausführlichen Beschreibung: Demnach war es auf einem aufgeschüttetem Sumpfgelände angelegt worden, hatte einen Durchmesser von fast 75 Metern und bestand aus sechs mit Hecken angelegten Umrundungen. In seiner Mitte stand ein über Linden, Ulmen und Ligusterhecken geformter Pavillon.[47] Linné erwähnt zudem diverse Bepflanzungen und Obstbäume.[48] Gillberg nennt in seiner kurzen Passage zum Garten drei Fischteiche mit Karpfen und Rotfedern, von denen zwei auf der Darstellung von Rålamb und einer auf jener von Barnekow zu sehen sind.[49] Warum ausgerechnet Toppeladugård – das für Christina Piper zweifelsohne eine nachgeordnete Rolle spielte – einen so aufwendigen Garten erhalten hat, der im Kontrast zu der bescheidenen Architektur des Hauses steht, bleibt offen. Nach ihrem Tod erbte ihr Sohn 1752 das Anwesen, hat sich jedoch hier vermutlich kaum aufgehalten. Indes bewohnte seine Tochter Ulrika Fredrika mit ihrem Mann Otto Vilhelm Mörner af Morlanda das Herrenhaus; nach deren Tod wurde es 1791 verkauft.[50] Aufschlussreich für Christina Pipers Haltung gegenüber ihren Gärten ist eine Episode bezüglich zahlreicher Orangenbäume in Sturefors, die von ihr Ende der 1740er Jahre an den botanischen Garten in Lund übereignet wurden. Die dortige Orangerie, entworfen von Carl Hårleman, stand ab 1750 unter der Leitung von Eric Gustaf Lidbeck, einem Schüler Linnés. Im Jahr 1751 erreichten den botanischen Garten mehr als 150 Pflanzen aus der Orangerie in Sturefors. Diese Geste war jedoch weniger von einem Interesse an Wissenschaft oder botanischem Fortschritt motiviert. Vielmehr schrieb Christina Piper 1749 an ihren Sohn, sie sei froh, dass sich mit der Orangerie in Lund eine Gelegenheit ergebe, die „nutzlosen“ und „teuren“ Orangenbäume loszuwerden.[51] Offenbar überwogen in dem konkreten Fall die ökonomischen Abwägungen über das mit den Orangenbäumen verbundene Prestige. Christina Piper zeigt sich als rationale Unternehmerin, die auch im Bereich der Gartenkunst den Nutzen-Kosten-Aspekt nicht aus dem Blick verlor.
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